Wie aus Flugzeugen Backformen wurden

„Fliegerschicksale – Zerschellt und verschollen“ – Ausstellung im Rathaus Waldbrunn

Waldbrunn. Noch bis einschließlich Sonntag, den 03. Juni ist im Rathaus Waldbrunn die Ausstellung „Fliegerschicksale – Zerschellt und verschollen“ zu sehen, die Klaus Deschner, der Enkel des ehemaligen Waldkatzenbacher Bürgermeisters in akribischer Arbeit zusammengestellt hat.

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Im Rahmen der Ausstellungseröffnung, zu der Bürgermeister Klaus Schölch an Pfingstsonntag als Hausherr zahlreiche Besucher im Rathaus begrüßen durfte, ließ Klaus Deschner die Besucher wissen, dass er bereits als Kind von den Fliegerschicksalen beeindruckt gewesen sei.


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Auslöser war der gemeinsame Ausflug zu einer Absturzstelle, den er mit seinem Vater unternommen habe. Vor zehn Jahren seien die Fragen über die Schicksale dann immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, weshalb er sich zwischen Ludwigshafen und Karlsruhe auf die Suche begeben habe. Insgesamt sind über dem damaligen Deutschen Reich 25.000 Abstürze mit 180.000 betroffenen Piloten und Crewmitgliedern wie Funkern und Navigatoren.

Auch in der Region habe es einige Abstürze gegeben, ließ Klaus Deschner die Zuhörer wissen. So seien im Reisenbacher Grund, rund um Neunkirchen, bei Falkengesäß, an der Max-Wilhelmshöhe bei Mülben und an der Emichsburg bei Waldkatzenbach alliierte Flugzeuge abgestürzt. Selbst heute kann man in den Waldstücken noch Gegenstände finden, wie der Zirkel eines Navigators beweist, der in der Nähe von Mülben gefunden worden war.

Als Detektiv der Geschichte gelte es zunächst noch lebende Zeitzeugen ausfindig zu machen, deren Erzählungen zu Absturzstellen führen, wo man in der Regel Teile findet, die zur Identifikation des jeweiligen Flugzeugs führen, erzählte Deschner von der spannenden Arbeit. Weiter gehe die Spurensuche dann in Archiven, um zu ermitteln, von welchen Einheiten die abgestürzten Maschinen seien, um dadurch die Insassen zu ermitteln. Schon häufiger sei es ihm dabei gelungen, Angehörigen die letzte Gewissheit über das Schicksal der vermissten Vaters, Onkels oder Bruders zu bringen. Manchmal habe man bereits nach zwei Wochen eine Lösung, es dauere unter Umständen aber Jahre. In einigen Fällen ließe sich das Schicksal allerdings auch gar nicht mehr klären.

Flirten, Chatten & Freunde treffen

Bei der Maschine die bei der Max-Wilhelmshöhe abgestürzt sei, handele es sich um eine amerikanische Mosquito, deren Geschichte ebenso in der Ausstellung dokumentiert ist, wie der Fund einer Thunderbolt P-47 bei der Emichsburg.

Von dem letztgenannten Flugzeug sind besonders interessante Fundstücke in der Ausstellung zu sehen, waren sie doch bis vor wenigen Wochen noch in Privatbesitz. So steuerte Egon Haas aus Waldkatzenbach ein Teil der Tragfläche der Thunderbolt bei. Diese habe sein Vater, ein Landwirt, kurz nach dem Krieg im Wald gefunden und mit nach Hause genommen, um auf dem eigenen Bauernhof eine Häckselmaschine damit zu reparieren. Während die landwirtschaftliche Maschine längst entsorgt worden ist, hatte Egon Haas die Tragfläche all die Jahre aufbewahrt. Von Klaus Deschner wurde das knapp 70 Jahre alte Fundstück in die Ausstellung integriert.


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Ebenso einen Platz, fand eine Kuchenform, die Horst Lehr beisteuerte. Das Metall dieser Backform stammt vom gleichen Flieger, dem bei der Emichsburg abgestürzten Thunderbolt. Da Metall nach dem Krieg rar war, nutzte mal alles, was man in die Hände bekam, darunter eben auch aus dem Wald bei der Emichsburg. Im hessischen Odenwald habe es eine Fabrik gegeben, berichtete Horst Lehr, in der solche Metallfundstücke eingeschmolzen wurden, um daraus Töpfe, Pfannen, Backformen und ähnliche Gebrauchsgegenstände herzustellen. Die Töpfe seien zwar inzwischen alle auf dem Müll gelandet, die Backform habe er aber retten können, so Lehr.

Nicht nur diese beiden Anekdoten machen die Ausstellung zu einem lohnenden Besuch, auch die Darstellung weiterer Abstürze, lassen die Suche nach den Flugzeugen und deren Besatzungsmitgliedern lebendig werden. Viele große und kleine Fundstücke geben ein authentisches Zeugnis von den damaligen Geschehnissen.

Die Ausstellung geht noch bis Sonntag, 03. Juni 2012 statt. Am kommenden Sonntag wird Klaus Deschner in der Zeit von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr anwesend sein. An Werktagen kann die Ausstellung während der üblichen Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.

468 Fundstuecke Fliegerschicksale

Große und kleine Fundstücke erzählen die Geschichte der jeweiligen Flugzeuge und den Besatzungen. Darunter auch eine „Backform“ und eine Tragfläche die bei der Emichsburg gefunden wurden. (Foto: Hofherr)

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