Offene Waldbegehung im Spitzenwald

von Liane Merkle

Seckach/Großeicholzheim. „Das gibt es sonst nirgends im Kreis, das ist ein ganz spezieller Standortcharakter in Großeicholzheim“, so Forstbetriebsleiter Martin Hochstein im Rahmen der Bürger offenen Waldbegehung des Seckacher Gemeinderates im sogenannten „Spitzenwald“.

Wie er und Revierleiter Armin Walzel den interessierten Gemeindevertretern mit Bürgermeister Thomas Ludwig an der Spitze erklärten, zeichnet sich dieser Spitzenwald durch das geologische Ausgangsgestein „Unterer Muschelkalk“ bedingt durch „mergelige“ bzw. „mergelgründige“ Standorte aus. Dieser Mergel ist eine Mischung aus Kalk und Ton.


Durch den hohen Tongehalt weisen die Böden eine erschwerte Durchwurzelbarkeit und einen stark schwankenden Wasserhaushalt auf. Außerdem kommen laut Aussage des Forstbetriebsleiters Adelsheim in diesem seltenen Unteren Muschelkalk auch Dolomitverwitterungsböden vor. Er erläuterte weiter den ca. 160-jährigen Altholzbestand (2011 wurden hier insgesamt 320 Festmeter genutzt) aus Kiefer Buche und Fichte, den man locker und stufig vorfinde mit einem Verjüngungsvorrat von Buche und Esche auf 80 Prozent der Fläche.

Dieser Bestand werde bei allmählichem Auszug von Fichte und Kiefer dauerwaldartig behandelt, dabei sei jedoch klimabedingt die Umwandlung in einen reinen Laubholzbestand vorhersehbar und auf Dauer kaum zu verhindern.

Schon jetzt sei sichtbar, dass der Boden sich schon soweit erwärmt habe, dass z. B. die Nussverstecke der Eichhörnchen keimen konnten. Das sei noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Sorge bereite das Esche-Triebsterben, von dem rd. 50 Prozent der regionalen Eschen mehr oder weniger betroffen seien und dem man nicht wirklich was entgegen zu setzen habe.


Die Krankheit wurde in der Bundesrepublik zum ersten Mal 2007, in Baden-Württemberg 2009 nachgewiesen. Ausgelöst werde die Krankheit durch einen winzigen, unscheinbaren Pilz, der durch seine Sporen die Blätter infiziere und darüber in den Trieb wachse. Die Triebe sterben nach dem Befall ab und der Baum versuche, unterhalb der Befallstelle Ersatztriebe zu bilden, was zu einer Kronenverbuschung führe.

Das weitere Pilzwachstum bewirke, dass zuerst die Krone von außen nach innen und schließlich der ganze Baum durch die kontinuierliche Schwächung absterbe.  „Die Befallstärke ist jedoch baumweise sehr unterschiedlich. Ein kleiner Teil der Eschen zeigt überhaupt keine Symptome, was möglicherweise auf vollständige Resistenz gegen den Erreger zurückgeführt werden kann“, so das Fazit von Martin Hochstein.


Zur Behandlung des ca. 40-jährigen Douglasien-Baumholzbestandes mit Fichte, Buche, Eiche und Esche äußerte Hochstein, dass dieser im Winter 201 mit dem Vollernter komplett durchforstet und dabei da. 30 Festmeter je Hektar entnommen worden seien. In der Planung seien zwei Eingriffe im Jahrzehnt mit einer Gesamtentnahme von 100 Festmeter je Hektar. Die Douglasien selbst seien bereits auf 10 Meter geastet.

Beim gleichaltrigen Fichtenbaumholz mit Douglasie, Buche und Tanne seien dagegen 70 Festmeter je Hektar geplant, aber noch nicht erfolgt. Auch hier sei die Bestandsentwicklung Richtung Laugholz durch entsprechende Naturverjüngung am Boden bereits erkennbar.

Gemeinderat auf Waldbegehung

Gemeinderat Seckach zusammen mit Martin Hochstein und Armin Walzel bei der zweieinhalbstündigen Waldbegehung im Großeicholzheimer Spitzenwald. (Foto: Liane Merkle)

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