Zusammenhalt prägt 50 Jahre Ehe

von Liane Merkle 

Seckach. Tradition prägte seit je her den Alltag der Siebenbürger Sachsen. Und zur Tradition gehören neben bestimmten Bräuchen auch die Treue und die Liebe zur Arbeit. All das bestimmte auch das Leben von Helmut und Hildegard Imbrich, geb. Hügel, die am heutigen Samstag in Seckach das Fest der Goldenen Hochzeit feiern.

Geboren wurden die beiden in den unruhigen Jahren vor und während des zweiten Weltkrieges in Siebenbürgen. Beider Väter wurden nach dem verlorenen Krieg nach Russland zu Wiederaufbauarbeiten deportiert. Helmuts Vater überlebte die Strapazen und sah seine Familie nach fünf harten Jahren wieder. Hildegards Vater starb bereits im zweiten Jahr der Deportation an den Folgen des Nahrungsmangels in der Ukraine. Er hinterließ seine Witwe und sechs Kinder.


Doch allen Widrigkeiten zum Trotz nahmen die beiden nicht nur ihr Schicksal an, sondern genossen den unbeschreiblichen Zusammenhalt, der die Siebenbürger Sachsen ebenso ausmachte wie ihre schönen Bräuche. Die Jubilarin erinnert sich an ihre eigene Verlobung, die traditionell im Haus der Braut stattfand, wo sich alle Jugendlichen des Dorfes unter ihrem Fenster versammelt hatten und in sächsischer Mundart sangen: „Es geht ein Klang durch die Gemeind‘, es ist ein freudig‘ Klang. Wir wissen alle Groß und Klein: Man schießt! Es wird eine Braut…“. Worauf die Braut zunächst aus dem Fenster antwortete: „Ich danke Euch, dass ihr gekommen, zu diesem Augenblick. Fortan, nehmt meine Freundschaft an und neidet nicht mein Glück…“

Der Tradition folgend verabschiedete sie sich im Gesang von Haus und Eltern – in diesem Fall leider nur von der Mutter – und dankte für die Fürsorge. Daraufhin warfen die Jugendlichen alte Tassen und Dachziegel und wünschten dem Paar so viele Gulden im Hausstand wie Scherben lagen.

Doch die Zeiten waren nun mal nicht üppig und entsprechend lagen auch die Scherben etwas mager. Doch viel Geld zu haben war den jungen Eheleuten nicht wichtig. Sie waren fleißig, sie hielten zusammen, hatten ein kleines Haus und freuten sich an ihren vier Kindern, die noch heute von ihrer finanziell armen, aber emotional reichen und wunderschönen Kindheit in Siebenbürgen schwärmen.

1990 wanderte die Familie nach Deutschland aus, dennoch ist ihnen die alte Heimat noch wichtig. Und darum sammeln sie zusammen mit ihrer Heimatgesellschaft für den Erhalt der Kirchenburg aus Taterloch. Sie blieben sich selbst und ihren Traditionen treu und konnten erfahren „wie man in den Wald reinschreit, so hallt es zurück.“ In ihrer bescheidenen Art erzählen die Jubilare, nie sei ihnen hier Ausgrenzung oder Intoleranz begegnet. Sie seien aufgenommen worden, hätten schnell und tief Wurzel geschlagen, sich gefreut, dass alle Kinder beruflich Erfolg und bald auch eigene Häuser hatten.

Die ersten 14 Jahre in Deutschland verbrachten Hildegard und Helmut Imbrich in Magstadt mit zwei ihrer Kinder in der Nähe. Beide sind praktisch veranlagt und als „Allrounder“ aufgewachsen. Entsprechend positiv wurde ihre Arbeitskraft aufgenommen. Und als sie in Rente gingen, erfüllten sie sich mit einem kleinen Häuschen am Waldrand von Seckach einen großen Traum.


Nun haben sie ihre anderen beiden Kinder in der Nähe und können ihnen bei Bedarf zur Hand gehen. „Rückblickend waren die 50 Jahre sicher nicht immer leicht. Vier Kinder, das Haus, ein Weinberg und Tiere“, doch mit gegenseitiger Toleranz und Geduld sei es durchaus möglich, dem Eheversprechen „in guten wie in schlechten Tagen“ gerecht zu werden. 

Den Glückwünschen zum Jubelfest von vier Kindern und ihren Partnern, sechs Enkelkindern, zahlreichen Freunden und Verwandten sowie Bürgermeister Thomas Ludwig schließen wir uns gerne an. 

500 Imbrich

Das Jubelpaar Hildegard und Helmut Umbrich feiert heute in Seckach. (Foto: Liane Merkle)

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