Aus dem Kaufmann wurde ein Tenor

Erste Bühnenerfahrung auf Schloss Zwingenberg

500 Holger Ries
Holger Ries gehört seit Jahren zur Stammbesetzung der Schlossfestspiele Zwingenberg. Hier ein Szenenfoto aus der „Dreigroschenoper“ von Brecht in der Saison 2011. (Foto: LRA)

Bad Rappenau/Zwingenberg. (lra) Auftritte wie auf der Aktionsbühne am Mosbacher Marktplatz bei „natürlich mobil“ liebt er. „Ich singe ja nicht mehr täglich vor Publikum, da genieße ich solche Engagements besonders“, erzählt Holger Ries: „Und wenn ich damit Werbung machen kann für die Zwingenberger Schlossfestspiele, mach ich das noch mal so gern.“ Denn den Schlossfestspielen ist der ausgebildete Tenor mit Wohnsitz in Bad Rappenau ganz besonders verbunden. Dort habe er schließlich seine ersten Bühnenerfahrungen machen dürfen. Und dort tritt er auch heute noch regelmäßig auf.

Dem 41-jährigen war ein anderer Weg vorgezeichnet. Tatsächlich trat er nach einem BWL-Studium an der damaligen Berufsakademie in Mosbach die Nachfolge seines Vaters an und leitete mehrere Lebensmittelmärkte. Musikalische Erfahrungen hatte er damals reichlich; mit Rockmusik, die ihm beinahe die Stimme ruiniert hat.


Gesangslehrer Guy Ramon aus Bad Rappenau brachte Ries bei, wie man „richtig“ singt – und machte ihn mit der Welt der Musicals, der Operetten und schließlich auch der Opern bekannt. „Die ersten 24 Jahre meines Lebens hatte ich damit überhaupt nichts am Hut“, erinnert sich der Sänger. Allerdings stand für ihn bald fest: „Was die Opernsänger können, will ich auch hinkriegen.“

Nach sieben Jahren klassischer Ausbildung debütierte er 2001 schließlich in Zwingenberg unter Intendant Guido Rumstadt als Kilian im „Freischütz“ und Sigismund „Im Weißen Rössl“. Ries denkt gern an die vielen Auftritte in Zwingenberg, die folgten, zurück: „Damals habe ich unglaublich viel gelernt. Das hat mich befähigt, 2004 bei Agenturen vorzusingen.“ Dem prompt ein festes Engagement folgte beim Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Flensburg – und die Entscheidung, den Kaufmannsberuf an den Nagel zu hängen.

Lebensmittelpunkt blieb trotzdem Bad Rappenau, wo die Familie mit mittlerweile drei Kindern ihren Wohnsitz behielt. Die immense Entfernung war dann nach sechs Jahren auch wieder der Grund, aus freien Stücken Abschied zu nehmen von Flensburg. Mittlerweile verdient er sein Geld wieder im Handel. Dem Singen aber ist Ries trotzdem treu geblieben, mit Konzerten und Auftritten unter anderem auf der Bühne in Zwingenberg.

In der Jubiläumssaison wird der Sänger, der sich nicht als „lyrischen Tenor“ sieht – „ich bin ein „Spiel-Tenor“ mit ganz viel Freude am Schauspielern“ – als Jaquino in der Oper „Fidelio“, als Njegus in der Operette „Die lustige Witwe“ und im Kinderstück zu sehen und zu hören sein. Natürlich hofft er auf gutes Wetter. Und auf möglichst ausverkaufte Aufführungen. „Was hier trotz geringem Etat geboten wird, hat ein volles Haus wirklich verdient.

Diese im positivsten Sinne gewisse Amateurhaftigkeit – da denke ich zum Beispiel an den Chor – gepaart mit viel ernsthaftem Engagement und einem ganz großen Herzen bringt letztendlich absolut professionelle Aufführungen zustande. Das begeistert mich immer wieder aufs Neue“, schwärmt er, der viele Freundschaften geschlossen hat in der „Zwingenberg-Familie“.


Warum sich klassische Aufführungen mitunter schwer tun, ein Publikum aus allen Schichten zu begeistern? Da fehle den Deutschen ein bisschen die „italienische Leichtigkeit“, mutmaßt der Tenor: „In Italien gibt es bei klassischen Festivals überhaupt keine Berührungsängste, dort wird ganz locker mit klassischer Musik umgegangen. Da packt die italienische Mama in bequemen Wohlfühlklamotten den Picknickkorb für alle ihre Lieben direkt neben der hocheleganten Signora aus. Und alle verstehen sich prächtig.“

Das wünscht sich Holger Ries auch für Zwingenberg: „Hier ist wirklich jeder willkommen. Denn hier zählt nicht, was jemand hat oder was er repräsentiert. Wichtig ist nur die gemeinsame Freude an guter Musik und hochkarätigen Aufführungen.“

Nähere Infos zu den Schlossfestspielen sowie Karten im Vorverkauf gibt es telefonisch unter 06263/771, bei der Touristeninfo Mosbach bzw. Eberbach  oder im Internet.

Infos im Internet:
www.schlossfestspiele-zwingenberg.de

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