Wanderung zur „Bettelmanns Umkehr“

von Liane Merkle

Wanderung zum Ferdinandsdorf

Hans Slama erzählt die Geschichte von Unter- und Oberferdinandsdorf und den Bewohnern. (Foto: Liane Merkle)

Mudau. Gut 50 begeisterte Wander- und Heimatfreunde konnte Geopark-vor-Ort-Begleiter Hans Slama im Rahmen von „Mudau Aktiv“ als profunder Kenner der örtlichen Historie zu einer Wanderung unter dem Motto „Einst besessen – heute vergessen“ nach Ferdinandsdorf begrüßen. So führte er auch durch die Geschichte des Dorfes und ließ dabei das Schicksal seiner damaligen Bewohner lebendig werden.

Oberferdinandsdorf wurde Anfang des 18. Jahrhunderts durch Ferdinand von Wieser gegründet, erläuterte Hans Slama. Später kam Unterferdinandsdorf hinzu. Die Churpfälzische Hofkammer ahmte in der Nachbarschaft nach und so kam es zu drei Ortsteilen und damit zu komplizierten Herrschaftsverhältnissen. Diese wiederum verhinderten in den Notjahren des 19. Jahrhunderts, als die Dörfer verarmten und in die Krise kamen, geordnete Verhältnisse zu schaffen.


Die ungünstige Lage an einem steilen Nordhang mit Wassermangel und fehlenden Straßen, eine viel zu große Bevölkerung, die es zu ernähren galt, führten nach langen Schicksalsjahren im Jahre 1850 zur Auflösung der Orte. Auswanderungen und Abwanderungen waren bereits zuvor im Gange und auch danach mit Zwangsauflösung die Folge.

In der etwa 150-jährigen Existenz hatten die Bewohner ein entbehrungsreiches, vom Staat vernachlässigtes, von den Standesherren Leiningen und Baden erschwertes und ab 1820 ein mehr und mehr trostloses Leben gefristet. Die Bewohner waren so arm, dass die Dörfer die Bezeichnung „Bettelmanns Umkehr“ erhielten, weil es hier wirklich nichts mehr zu betteln und zu stehlen gab.

Einige Bewohner fanden im Reisenbacher Grund und der Umgebung eine neue Bleibe. Im leiningschen Unterferdinandsdorf, so der Vortragende, der ehemaligen kurpfälzischen Gründung und der Riedsmühle zu Zwingenberg gehörig, gab es 1852 noch eine Handvoll Häuser mit 57 Einwohnern.

Dies hat sich im Prinzip bis heute so erhalten, nur dass im Zuge der Gemeinde- und Kreisreform seit den 70-er Jahren nun alle unter der Bezeichnung „Reisenbacher Grund“ zum Ortsteil Reisenbach der Gemeinde Mudau und zum Neckar-Odenwaldkreis gehören und nicht mehr wie zuvor zu den drei Städten bzw. Gemeinden Eberbach, Mülben und Mudau und damit zu drei Landkreisen.


In dieser unwegsamen Gegend fand auch die“ Odenwälder Räuberbande“, nach ihrem Anführer auch „Hölzerlips-Bande“ genannt, Unterschlupf und Deckung. Hier planten sie am „Felsenhaus“ im Markgrafenwald bei Mülben ihren Überfall an der Bergstraße, welcher blutig endete und zur Festnahme und späteren Hinrichtung in Heidelberg führte.

Mit Originaltexten unterlegt, verstanden es Hans Slama und sein Hölzerlips-Team eindrucksvoll, diese Begebenheit kurzweilig und interessant darzustellen, was mit viel Lob und Anerkennung durch die Teilnehmer gedankt wurde.

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