Zwischen Felsen, Römern und Riesen

von Liane Merkle 

500Ferienprogram fuehrte ins Felsenmeer

(Foto: Liane Merkle)

Mudau. „Vor langer Zeit sollen im Lautertal zwei Riesen gelebt haben – der eine auf dem Felsberg, der andere auf dem Hohenstein. Eines Tages bekamen sie Streit und begannen, Felsbrocken aufeinander zu werfen. Der Riese vom Hohenstein hatte den Vorteil, dass er viel mehr Steine zum Werfen hatte, und seinen Kontrahenten unter einem Meer von Felsen begraben konnte“, gebannt hörten nicht nur die 33 Mudauer Ferienkinder der Legende von der Entstehung des „Felsenmeers“ zu, die Geopark-Ranger Werner Michel so spannend zu erzählen wusste, sondern auch ihre Betreuer Sabine Friedel, Siegfried Bürkle und Manfred Müller aus der Organisation des Mudauer Sommerferienprogramms.

Unter dem Motto „Zwischen Felsen, Römern und Riesen“ war die Truppe an die Hänge des Felsbergs im Lautertal bei Reichenbach gereist, um das spektakuläre Naturdenkmal unter der Leitung des Geopark-Rangers zu erkunden, das in rd. 340 Mio. Jahren durch unglaubliche geologische Prozesse entstanden ist. Dabei erfuhren sie aber jede Menge über die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieses Phänomens für das Lautertals, z. B. durch die etwa 200 Jahre dauernde römische Steinbearbeitung, die an rd. 300 bearbeiteten Blöcken vor Ort nachgewiesen werden kann.




So durch die Riesensäule (9,33 Meter lang und 27,5 Tonnen schwer), die von römischen Steinmetzen im 4. Jahrhundert n. Chr. Hergestellt worden war. Ende des 19. Jahrhunderts erwachte die Steinbearbeitung durch böhmische Steinmetze, danach noch durch Kollegen aus Italien, dem Fichtelgebirge und dem Bayerischen Wald wieder zu neuem Leben. Wie Werner Michel weiter erläuterte, wollte man schließlich eine einheitliche Qualität der Steine zu gewährleisten und begann darum, Steinbrüche anzulegen, die sich bald in die ganze Region ausdehnten. Daraus entwickelte sich eine florierende Steinindustrie.

Bis zu 14 Steinbrüche waren am Felsberg offen und beschäftigten zeitweise mehr als 70 Prozent der erwachsenen männlichen Bevölkerung. Die Steine wurden als Baumaterial, als Grenz- und Bordsteine verarbeitet. Mit der Einführung von Stein-Schleifmaschinen wurde die Herstellung von Grabsteinen zum Haupterwerb. Ausländische Konkurrenz und abnehmende Nachfrage nach den dunklen Odenwald-Steinen führten zur Schließung fast aller heimischen Unternehmen, doch das Naturspektakel „Felsenmeer“ blieb.

Die spannende Erzählung des Geopark-Rangers hatte bei den Kindern so tiefen Eindruck hinterlassen, dass sie die begleitende „Felsenmeerrally“, bei der sie – aufgeteilt in sechs Gruppen – 16 Aufgaben lösen mussten, von der besten Gruppe mit 20 von 20 Punkten schafften und die schlechteste Gruppe immerhin noch 13 Punkte einfahren konnte.

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