Zahl psychisch Kranker steigt

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Ausschuss für Gesundheit und Soziales

Hardheim. Mit der Förderung des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) im Neckar-Odenwald-Kreis begann die Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales, der im Hardheimer Rathaus unter Vorsitz von Landrat Dr. Achim Brötel tagte. „Die Zahl der psychisch kranken Menschen, die mit den Anforderungen des Lebens einfach nicht mehr zurecht kommen, steigt leider ständig an“,  betonte der Landrat: „Das Hilfesystem SpDi, das bei uns vom Diakonischen Werk wahrgenommen wird und ein wichtiger Baustein in der Betreuung psychisch kranker Menschen im Kreis ist, ist deshalb tatsächlich Gold wert.“ 250 Erkrankte werden zurzeit vor allem zuhause entsprechend betreut.

Die Diakonie erhält neben den Fördermitteln des Landes eine zusätzliche Finanzierung des Kreises, beides allerdings nicht kostendeckend. Ein entsprechender fünfjähriger Vertrag zwischen Kreis und Diakonie endet zum 31.12.2012. Der Verlängerung, die eine den gestiegenen Kosten angepasste Landkreisförderung (von 108.000 auf 128.400 Euro) beinhaltet, wurde allerdings auf ein Jahr begrenzt, weil, so der Landrat, in der Landesförderung derzeit „viel Bewegung“ sei. Für 2013 ist eine Verdoppelung der Mittel im Landeshaushalt vorgesehen. Damit würde das Land den alten Zustand wiederherstellen, der bis 2003 gegolten hat. Die Ausschussmitglieder stimmten der Verlängerung mehrheitlich zu.




Ein Arbeitsplatz auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt hat für Menschen mit einer wesentlichen Behinderung eine ganz besondere Bedeutung. „Eine Vermittlung wollen wir deshalb auch fördern“, so Dr. Brötel, der anfügte, dass ein „ganz normaler Arbeitsplatz“ neben vielen individuellen Vorzügen für den behinderten Menschen auch sehr viel günstiger sei als ein Platz in einer Werkstätte für Behinderte. Eine Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Neckar-Odenwald-Kreis und dem Integrationsamt des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales Baden-Württemberg (KVJS) soll geschlossen werden, um diese Förderung, die einem potentiellen Arbeitgeber schon zu Beginn eines Beschäftigungsverhältnisses unterschiedliche Leistungen für bis zu fünf Jahre verbindlich anbietet, auch organisatorisch auf die Beine zu stellen. Die Ausschussmitglieder stimmten dem Abschluss einstimmig zu, in der Folge sollen entsprechende Schulen, Werkstätten und potentielle Arbeitgeber über die neuen Fördermöglichkeiten informiert werden.

In weiten Teilen der Betreuung von behinderten Menschen gilt der Grundsatz „ambulant vor stationär“. Nach Aussage von Renate Körber, der Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales im Landratsamt, wird im Kreis aber für erwachsene behinderte Menschen viel öfter der Weg ins Heim gesucht als anderswo: „Das liegt sicher an der hervorragenden Vor-Ort-Situation mit der Johannes-Diakonie vor der Haustüre. Dennoch möchten wir speziell die Betreuten Wohnformen fördern.“ Die dafür gewährten Pauschalen lagen nach Auskunft der Verwaltung bisher allerdings an der Untergrenze des landesweit Üblichen. Deren Erhöhung einschließlich der künftig automatisch zu erfolgenden Anpassung an allgemeine Tarifsteigerungen stimmten die Ausschussmitglieder deshalb einstimmig zu.

Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte zudem nach den Energiekosten von Sozialwohnungen gefragt, die der Landkreis als Sozialleistung finanziert. Der Landkreis selbst hat allerdings gar keine Sozialwohnungen und da, wo Energiekosten im Rahmen von Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern II und XII übernommen werden, hätte man schon aus „fiskalischem Eigeninteresse“  parallel zur ohnehin stattfindenden Angemessenheitsprüfung ein Auge darauf. Verstärkt werden sollen zudem Schulungen, die die Energieagentur des Kreises (ean) schon für einen bestimmten Personenkreis anbietet.

Sowohl die finanzielle Förderung von Sportgruppen bei der Benutzung kreiseigener Sporthallen in Höhe von 13.404 Euro als auch die Gewährung von Kreiszuschüssen zur Förderung des Sportstättenbaus – insgesamt 27.885 Euro – war vorab von den Sportkreisen Mosbach und Buchen abgestimmt worden und wurde jeweils einstimmig beschlossen. Ebenfalls zustimmend wurde der Sachstandsbericht des Landrats zum frisch renovierten Frauen- und Kinderschutzhaus zur Kenntnis genommen. „Wir wollen damit die Diskussionen beenden, die es in den letzten Monaten dazu gegeben hat. Fest steht sowohl für uns als auch für den Main-Tauber-Kreis, der das Haus ideell und finanziell mitträgt: Das Frauenhaus soll und muss sogar weiter bestehen.“ Denn auch wenn die Auslastung tendenziell zurück ginge, was eben die Diskussionen um einen Fortbestand ausgelöst habe, so würde doch die Hilfebedürftigkeit der einzelnen Frauen und ihrer Kinder im Einzelfall umgekehrt zunehmen. Ergänzend würdigte Dr. Brötel das überaus große Engagement aller dort ehrenamtlich Tätigen und des Fördervereins, der allein im letzten Jahr 25.000 Euro zum Unterhalt beigesteuert habe: „Das ist sehr viel Geld.“

Eine uneingeschränkt frohe Nachricht stand am Ende des offiziellen Teils der Sitzung. Die Gemeinde Schwarzach hat den Titel einer „Barrierefreien Gemeinde“,  den der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg e.V. ausgelobt hat, gewonnen und wird am 04. Dezember offiziell ausgezeichnet. „Darüber freuen wir uns mit der Gemeinde Schwarzach“, so der Landrat. Schwarzach leiste schon seit jeher nicht nur in diesem Bereich Vorbildliches.

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