Kälte sorgt für verzögerten Vegetationsbeginn

Rapsfeld

Der Raps  – hier auf einem Feld bei Hainstadt – müsste schon weiter entwickelt sein. Diese aufgrund der Kälte fehlende Entwicklung wird er voraussichtlich nicht mehr nachholen, weil die Pflanze bald zum Längenwachstum und Fruchtansatz bzw. Samenbildung übergehen wird. Ertragseinbußen werden die Folge sein. (Foto: LRA)

Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Der Ertrag der Landwirte steht und fällt mir der Witterung. Kaum ein anderer Berufszweig arbeitet in einer so großen Abhängigkeit zu Temperatur und Niederschlag. Sorgt die für die Jahreszeit zu kühle Witterung bei der sonstigen Bevölkerung „nur“ für Frust, so macht sie den Landwirten dagegen richtig Sorgen: Die anhaltend kalten Temperaturen könnten  ihnen nämlich wiederum einen Strich durch die Rechnung machen – und letztlich erhebliche Ernteeinbußen verursachen. Das erklärt Bernhard Heim, der neue Leiter des Fachdienstes Landwirtschaft am Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises.

„Der verzögerte Vegetationsbeginn hat nach heutiger Kenntnis noch nicht zu messbaren Schäden an den überwinternden Kulturen geführt“, so Heim: „Aber es fehlen inzwischen drei bis vier Wochen, in denen sich die Kulturen nicht weiter entwickeln konnten.“ Die Wachstums- und Reifephasen der Nutzpflanzen würden unter anderem von der Tageslänge „gesteuert“. Das bedeutet, dass die Pflanzen bei einer bestimmten Tageslänge irgendwann quasi umprogrammiert werden vom Austrieb auf den Fruchtansatz. Dann werden also tatsächlich keine neuen Triebe mehr ausgebildet, sondern es entwickeln sich lediglich an den bis dahin vorhandenen Trieben ein Fruchtansatz bzw. die Samen. Mit anderen Worten: Die verlorene Jugendentwicklung kann nur sehr begrenzt aufgeholt werden. Mit Auswirkungen auf den späteren Ertrag.




Was die Milchviehbauern betrifft, so haben die zwar noch ausreichend Futter in den Silos. „Aber wenn das Gras nicht wachsen kann, wird der entscheidende erste Schnitt mager ausfallen“, prognostiziert Heim. Und dann hänge wiederum alles am Mais. Wie in den letzten beiden Jahren auch könnte auch 2013 der Mais wiederum die Kultur sein, die mit guten Erträgen ganz entscheidend dazu beiträgt, dass die Milchkühe satt werden und die Bauern annähernd  entspannt bleiben.

Josef Matt, Berater für Pflanzenschutz beim Fachdienst Landwirtschaft in Buchen, sieht sein Arbeitsgebiet derzeit pragmatisch: „Solange nichts wächst, gibt es auch keine Pilzerkrankungen oder Schadinsekten und diesbezüglich nichts zu tun für die Landwirte. Mancher Landwirt ist schon unverrichteter Dinge wieder vom Feld zurückgekehrt. Es ist einfach noch zu kalt.“

Das Sommergetreide allerdings konnte trotz der Kälte unter eher guten Bedingungen in den Boden gebracht werden. Die Landwirte konnten auf dem leicht gefrorenen Boden das Saatgut teilweise besser in den Boden einbringen, als dies beispielsweise in „nassen“ Jahren der Fall ist.   „Wenn es in nächster Zeit wärmer wird und regnet, kann noch mit einem normaler Ertrag gerechnet werden“, glaubt Matt.

Beim Raps allerdings gilt diese Prognose nicht. „Den könnte es am schlimmsten erwischen“, vermutet der Pflanzenschutzfachmann: „Der wird sich wohl nicht mehr richtig verzweigen und das geht auf Kosten der Schotenanzahl. Damit geht der Ertrag um vielleicht bis zu 20 Prozent zurück.“  Wintergetreide, das rechtzeitig im Herbst gesät wurde, würde dagegen wohl „mit einem blauen Auge“ davon kommen. Für später gesäten Winterweizen befürchtet Matt allerdings auch zumindest geringe Verluste. 

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