„Das Paradies ist der Nabel der Welt“

Ausstellung mit Werken von Dietmar Bauer eröffnet

Dietmar Bauer Ausstellung

Dietmar Bauer (Mitte), gebürtiger Leidersbacher und seit vielen Jahren wohnhaft in Buchen-Einbach, stellt bis zum 3. Mai im Miltenberger Landratsamt sein Verständnis vom Paradies aus, zu dem sich nicht nur seine Holzplastiken Adam und Eva (im Hintergrund) wehmütig zurückwenden. Der Miltenberger Landrat Roland Schwing (links) begrüßte die Gäste, sein Amtskollege Dr. Achim Brötel aus dem Neckar-Odenwald-Kreis sprach die Laudatio. (Foto: LRA)

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Miltenberg/Einbach. (lra) „Das Paradies ist der Nabel der Welt“ –  dieses Paradies samt Nabel war am Sonntag bayrisch. Im Landratsamt Miltenberg fand eine der seltenen Ausstellungen von Dietmar Bauer statt, einem Maler und Bildhauer, dessen Vita jahrelange enge Kontakte mit heute weltberühmten Künstlern wie Georg Baselitz und Anselm Kiefer aufweist. Ganz bewusst hat sich der „unabhängige Geist“  Bauer, der im Schulhaus in Buchen-Einbach lebt und arbeitet, allerdings schon vor vielen Jahren losgesagt von seinen Mentoren. Unter dem genannten Titel stellte er nun zwei überlebensgroße Holzplastiken, kleinformatige Blumenbilder und Landschaftsmalereien in Miltenberg aus und brachte damit sein ganz privates Verständnis vom Paradies zum Ausdruck. Ganz nebenbei übernahm er natürlich auch seinen Part als langjähriger Schlagzeuger des Goweddl Dixie Osombls, das die Vernissage schwungvoll und mitreißend musikalisch umrahmte.

    Der Hausherr, Landrat  Roland Schwing, begrüßte die Gäste, die in großer Zahl aus dem „benachbarten befreundeten Bundesland“ gekommen waren: „Gern dehnen wir die freundschaftlichen Bande, die uns in vielerlei Hinsicht mit dem Neckar-Odenwald-Kreis verbinden, auf weitere Gebiete aus.“ Zumal Dietmar Bauer diese Verbindung in persona verkörpert: Geboren im unterfränkischen Leidersbach und damit im heutigen Landkreis Miltenberg, aber wohnhaft seit 34 Jahren im badischen Buchen-Einbach.




Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, fühlt sich dem Künstler seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden und hat deshalb gern die Aufgabe übernommen, zur Eröffnung „ein paar Worte, frisch von der Leber weg“ zu sprechen. Auch ohne „ausgewiesenes Kunstsachverständnis“.

Wer über Dietmar Bauer im Internet recherchiert, der tut sich schwer; viel findet sich nicht über den bescheidenen und in einfachen Verhältnissen lebenden Naturliebhaber, der sich sehr für Theologie und Philosophie interessiert und seine Kunst privat, fast intim betreibt. Nie hatte er etwas übrig für die offizielle Kunstszene, die er dank Baselitz und Kiefer kennen und alles andere als lieben gelernt hat. In Karlsruhe hat er fünf Jahre lang an der Kunstakademie bei Baselitz studiert, war beteiligt an großen Ausstellungen; dann kam er über die Freundschaft mit dem damals hier wohnenden Kiefer in den Odenwald – und ist ihm, im Gegensatz zu Kiefer, treu geblieben. Ebenso wie seiner Kunst, in der sich immer wieder seine große Nähe zur Natur spiegelt.

Zwei überlebensgroße Holzfiguren aus Lindenholz symbolisieren Adam und Eva, die sich wehmütig umwenden. Bauers Paradies, aus dem sie vertrieben wurden, wird symbolisiert durch 24 kleinformatige, bunte Blumenbilder, die naturgetreu heimische Blüten wiedergeben. Dass Adam und Eva keinen Bauchnabel haben – darüber hatte sich außer Dietmar Bauer bis dato wohl kaum einer der Gäste Gedanken gemacht. „Ist aber eigentlich naheliegend, weil sie ja nicht geboren, sondern von Gott erschaffen wurden“, so der Landrat. Der „Nabel der Welt“ dagegen spielt in der Ausstellung eine zentrale Rolle: Das Paradies ist dieser Nabel, die verlorene Traumwelt, zu der sich mit Adam und Eva die gesamte Menschheit zurück sehnt. „Immer mehr wollen und am Ende alles verlieren, das ist auch heute keine Seltenheit. Der Mensch hat vielleicht doch nicht gelernt“, resümierte Landrat Dr. Achim Brötel, der gleichwohl dazu aufrief, dass jeder sein eigenes kleines Paradies finden und an seiner Bewahrung mitarbeiten möge.

Ergänzt wird die Ausstellung durch Landschaftsbilder, die Bauer in Öl auf grobe, gebrauchte auf auf Karton aufgeklebte Jutestoffe gemalt hat und die schon allein aufgrund dieses Materials nicht filigran, sondern auf das Wesentliche reduziert wirken.

Die Ausstellung ist bis zum 3. Mai zu den regulären Öffnungszeiten im Miltenberger Landratsamt (Brückenstraße 2) zu sehen.

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