Bässe setzen ein wie das „Jüngste Gericht“

Festspielchor probte in Strümpfelbrunn

von Barbara Nolten-Casado

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In der Aula der Winterhauch-Schule. (Foto: Nolten-Casado

Strümpfelbrunn. „Victoria, Victoria, Victoria…!“ Ur-Zwingenberger Weisen hallten da am Samstagmorgen über den Winterhauch. Zumindest dem, der sich der Strümpfelbrunner Schule näherte. Denn hier probte an jenem Vormittag der Chor der Schlossfestspiele Zwingenberg den „Freischütz“.

Rund fünfzig Sängerinnen und Sänger waren aus Eberbach und Mosbach, Waldbrunn, Buchen, Hirschhorn oder Heidelberg zusammengekommen, um sich gemeinsam mit Chorleiter Professor Klaus Eisenmann bei einem Probenwochenende fitzumachen für die sich mit Riesenschritten nähernde Festspielsaison. Nach zwei Freischütz-freien Spielzeiten wird Zwingenbergs Hausoper im kommenden August in neuer Inszenierung zu erleben sein.

Und da möchte der überwiegend aus hoch motivierten Laiensängern bestehende Chor seinen professionellen Opernsänger-Kollegen natürlich in nichts nachstehen. Für zusätzliche Motivation sorgte am Samstag ein Überraschungsgast: Intendant Karsten Huschke hatte sich die Zeit genommen, beim Probenwochenende vorbeizuschauen und den einen oder anderen Part am Piano zu übernehmen.

Und man mochte sie förmlich mit Händen greifen, die blinkenden Instrumente, wenn die Sängerschar gar „lustig die Hörner erschallen“ ließ. Man spürte unsichtbare Geister um Schlossmauern huschen, wenn Bass und Tenor, Alt und Sopran die mitternächtliche „Wolfsschluchtszene“ musikalisch heraufbeschworen. Und man konnte Jubelgesängen lauschen, wenn Max nach vielerlei Prüfungen in „Wäldern und Auen“ am Ende doch noch seiner Agathe in die Arme sank.

Natürlich lief das gesanglich nicht immer gleich nach den Vorstellungen des chorleitenden Professors ab. Da wurde streng reglementiert, wenngleich – in schönster Freischütz-Manier – „alles in Güte und Liebe“ (Kilian, 1. Akt): „Tenor, jetzt machen Sie mal ne Schnute! Das ist ein geschlossenes O!“ Oder „Meine Herren Bässe, Sie setzen hier ein wie das Jüngste Gericht!“ Bei den Damen war manches ja schon „ganz wunderbar – nur leider nicht bei allen gleichzeitig.“

Am Sonntag traf sich dann die „Fledermaus“-Mannschaft in der Schul-Aula, um Johann Strauß‘ komische Operette der Bühnenreife ein Stück näher zu bringen. Locker und leicht sprudelten hier die heiteren Melodien hervor, ließ man „Champagner“ und „Amüsement“ hoch leben und beteiligte sich genüsslich an den amourösen Verwirrspielen um die „Rache einer Fledermaus“. Auch hier hieß es „Fremdtöne – sogenannte Gasttöne“ tunlichst auszumerzen und: „Bitte nicht komponieren!“

Doch – wie hätte es anders sein können: Am Sonntagabend zeigte sich der anspruchsvolle Professor einmal mehr hoch zufrieden mit seiner Sängerschar: „Tolles Ergebnis! Das war sehr erfreulich!“

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