Menschen mit Handicaps nicht ausschließen

Anl 13 78 Derzapf

Voller Freude präsentiert Natalia Derzapf ihr Abschlusszeugnis der Berufsschule.  (Quelle: Agentur für Arbeit – Petra Fischer)

Tauberbischofsheim. (pm) Natalia Derzapf arbeitete fünf Jahre als Produktionshelferin. Dann kam die Wirtschaftskrise und sie fürchtete als Alleinstehende zu den Ersten zu gehören, die eine Kündigung bekommen. Dem wollte sie zuvor kommen und beschloss deshalb, ihre berufliche Zukunft durch den Abschluss einer Ausbildung auf sichere Beine zu stellen. Sie holte zunächst die Mittlere Reife nach und begann anschließend eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik bei der Firma Güde GmbH und Co. KG in Wolpertshausen. Doch die Hauptschulzeit lag lange zurück und so fiel es der heute 27Jährigen schwer, in der Berufschule mitzukommen. „Ich hatte schlechte Noten, sogar eine Fünf war mal dabei. Zu Hause fehlte mir die Motivation zum Lernen – ich schaute mir die Bücher an und kapierte nichts. Dazu kam, dass ich vor den Arbeiten Ängste hatte, die zum Blackout führten“, erzählt die Auszubildende. Und weiter: Dann hörte ich, dass die Agentur für Arbeit über den Träger Internationaler Bund, IB, Nachhilfe für Berufsschüler anbietet – das war meine Rettung“.

„Es schlummert ein großes Potenzial für den Ausbildungsmarkt in den jungen Menschen. Oft werden zunächst nur Defizite wahrgenommen, zum Beispiel bei elementaren Rechenfertigkeiten und dem mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen; oder gar in punkto Belastbarkeit, Disziplin und Motivation. In nicht wenigen Fällen wird durch die Prägung im Unternehmen daraus aber eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter, der die Anforderungen des Arbeitsplatzes voll und ganz erfüllt und sich durch besondere Treue zum Unternehmen auszeichnet. Das Gleiche gilt für Bewerber mit einem Handicap“, erklärt, Markus Nitsch, Leiter der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall-Tauberbischofsheim. Und weiter: „Die Wirtschaft kann es sich schlichtweg nicht leisten, auf diese Menschen zu verzichten.“ Die Agentur hat verschiedene Angebote, die helfen, Defizite und Handicaps bei Auszubildenden ausgleichen. Ausbildungsbegleitende Hilfen sind ein Beispiel dafür, aber auch der Ausbildungszuschuss für Lernbehinderte sowie für Schwerbehinderte gehört dazu (nähere Informationen siehe Infokasten).




Natalia Derzapf hat inzwischen die Theorieprüfung mit 2,1 bestanden hat: „Mit meiner Dozentin beim IB, Sabine Koeberer, habe ich mich einmal pro Woche drei Stunden lang getroffen. Je nach Bedarf hat sie mich in allen Fächern mit Erfolg unterstützt, sogar in Mathe habe ich plötzlich gute Noten geschrieben. Außerdem hat sie mich motiviert und aufgebaut – plötzlich war die Schule keine Last mehr.“ Auch ihre Mitschüler seien alle besser geworden und deshalb heute besser drauf. „In den letzten zwei Jahren ist bei uns nur einer von rund 100 Teilnehmern durch die Prüfung gefallen“, berichtet die Sozialpädagogin Vanessa Ruck vom IB in Schwäbisch Hall. „Wer bereit ist mitzuarbeiten und Eigeninitiative zeigt, der schafft die Ausbildung mit Unterstützung des IB auf jeden Fall.“ Da ist sich Natalia Derzapf sicher. Die praktische Prüfung steht bei ihr zwar noch aus, doch sie hat bereits eine Übernahmezusage von ihrem Arbeitgeber Güde als Fachkraft im Versand. Damit hat sie ihr Ziel zunächst erreicht und ihre berufliche Zukunft auf sichere Beine gestellt. Für sie ist jedoch noch nicht Schluss, sie denkt an ein berufsbegleitendes Fernstudium im Bereich Logistikmanagement.

Infos:

Ausbildungsbegleitende Hilfen

Im Auftrag der Agentur für Arbeit bietet der IB ausbildungsbegleitende Hilfen an. Dazu gehören Förderunterricht, gezielte Prüfungsvorbereitung, Sprachunterricht sowie Beratung und Unterstützung bei allen beruflichen und persönlichen Problemen. Über eine Teilnahme entscheidet die Berufsberatung, die Kosten übernimmt die Agentur.

Anmeldung und Information:

Schwäbisch Hall: 0791/ 9460130; Crailsheim: 07951/277340; Öhringen: 07941/606840; Künzelsau: 07940/931665; Neckar-Odenwald-Kreis: 06281/325549; Main-Tauber-Kreis: 09341/9233-0

Ausbildungszuschuss für Lernbehinderte

Während der gesamten Ausbildungszeit erhält der Arbeitgeber einen Zuschuss in der Regel in Höhe bis zu 60 Prozent der monatlichen Ausbildungsvergütung des letzten Ausbildungsjahres, wenn er einen Ausbildungsvertrag mit einem jungen Menschen abschließt, der in seinem Lernen nachweislich beeinträchtigt ist. Diese Feststellung trifft alleine die zuständige Arbeitsagentur.

Ausbildungszuschuss für Schwerbehinderte

Die betriebliche Ausbildung von Menschen mit einer Schwerbehinderung fördert die Agentur für Arbeit  unter Berücksichtigung der Schwere der Beeinträchtigungen mit bis zu 80 Prozent – Grundlage ist während der gesamten Zeit die Ausbildungsvergütung des dritten Lehrjahres. Dazu wird der Arbeitgeber-Anteil zur Sozialversicherung übernommen.

Information und Antragstellung:

Arbeitgeber wenden sich an ihren persönlichen Ansprechpartner im Arbeitgeber-Service der Agentur oder wählen die Service-Nummer: 0800 4 5555 20.

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