Hochbetrieb auf den Feldern

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Neckar-Odenwald-Kreis. Das reife Getreide färbt die Landschaft im Neckar-Odenwald-Kreis derzeit gelb-braun. Die Trockenheit im Juli hat diesen Prozess noch beschleunigt. Denn trotz der unterschiedlich starken Niederschläge in den letzten Tagen fehlt der Regen – das Getreide wurde teilweise in kurzer Zeit „notreif“, was oft mit Ertrags- und mit Qualitätseinbußen verbunden ist.

Die Felder mit Grünkern und Wintergerste und zumeist auch der Raps sind abgeerntet. Hier war fast immer noch genug Feuchtigkeit im Boden, um eine gute Ausreifung und zufriedenstellende bis gute Erträge zu erzielen. Gleichwohl blieb das Druschergebnis doch hinter den Erwartungen der Landwirte zurück, viele Bauern hatten dem Augenschein nach mit höheren Erträgen gerechnet.

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Zur Ernte stehen jetzt das Sommergetreide sowie der Winterweizen an. Letzterer dominiert mit über 11.000 Hektar, also fast einem Drittel, die Ackerflächen im Kreis. Weizen gilt bei den hiesigen klimatischen Verhältnissen neben Triticale als das ertragreichste Getreide. Die Erträge schwanken in diesen Breiten zwischen ca. fünf und – bei optimalen Bedingungen – neun Tonnen je Hektar. „Durchschnittlich ernten die Landwirte im Kreis sechs Tonnen pro Hektar, knapp unter dem Landesdurchschnitt von 6,4 Hektar.

Grund dafür sind die tendenziell schlechteren Böden hier“, erklärt Bernhard Heim, Leiter Fachdienst Landwirtschaft im Landratsamt. Dazu kommt, dass es im Kreis häufig am Wasser fehlt: zu wenig Regen oder Regen zur falschen Zeit. Getreide liebt grundsätzlich kein heißes, sondern ein eher kühl-feuchtes, fast englisches Wetter. Ein schöner Landregen ist stets willkommen. Bei Trockenheit und Hitze verkürzt sich – wie zurzeit – die Abreife und alle Getreidesorten sind mehr oder weniger gleichzeitig druschreif.

Für den Mais war es 2013 zuerst zu kalt und dann zu trocken. Die Maispflanzen konnten Ihr enormes Wachstums- und Ertragspotential nicht einmal annähernd ausschöpfen. Mindererträge dürften bei 30 bis 60 Prozent liegen – nach zwei schwierigen Jahren beim Getreide und insbesondere beim Raps eine erneute Enttäuschung für die Landwirte, die aber dennoch zuversichtlich sind.



Grundsätzlich kommt dem Getreideanbau im Kreis eine überragende Bedeutung in der Landwirtschaft zu: 2013 wächst es auf 22.000 Hektar und damit auf über 60 Prozent der Ackerflächen. Daneben beanspruchen Raps mit etwa elf Prozent (4.100 Hektar) und Silomais mit zehn Prozent (3.800 Hektar) neben sonstigen Futterpflanzen und Körnermais einen Teil der Flächen. Körnerleguminosen (Erbsen und Ackerbohnen) spielen ebenso wie Kartoffeln und Zuckerrüben eine untergeordnete Rolle.

„Unsere Landwirte probieren gerne Neues aus“, lobt Heim: „Immer wieder experimentieren sie mit selteneren Kulturen wie Hirse oder Süßlupine, Öllein oder Sonnenblumen. Bei Sojabohnen ist derzeit ein deutlicher Zuwachs festzustellen. Fast 60 Hektar dieser gehaltvollen Eiweißpflanze sind bereits im Anbau. Pioniere bauen auch alternative Energiepflanzen an. Neben jeweils zehn bis 20 Hektar Sudangras, Miscanthus oder Szarvasigras wurden rund 30 Hektar Kurzumtriebsplantagen zur Energieholzgewinnung angelegt.“

Mehrere Versuchsflächen im Kreis sind mit der bei Bienen sehr beliebten durchwachsenen Silphie bepflanzt.
Die Bienen freuen sich außerdem über rund 1.500 Hektar Stillegungs- oder Bracheflächen im Kreis. Dort blühen Wiesen mit Wildpflanzen oder ausgesäten Phazelia, auch Büschelschön oder Bienenweide genannt. Besonders stolz ist man beim Fachdienst Landwirtschaft darüber, dass auf so vielen Stillegungsflächen Blühmischungen als Agrarumweltmaßnahmen ausgebracht wurden. Der Neckar-Odenwald-Kreis ist hier mit über 800 Hektar landesweit an der Spitze. Anders ausgedrückt: Ein Viertel der diesbezüglich geförderten Flächen in ganz Baden-Württemberg befinden sich hier.

„Eintönig ist unsere Landschaft ganz sicher nicht. Wir wünschen uns auch die Vielfalt, die der Natur viele Vorteile bietet. Andererseits müssen die Kulturen für den einzelnen Landwirt auch wirtschaftlich sein. In jedem Fall unterstützen wir vom Fachdienst Landwirtschaft alle, die mit neuen Kulturen experimentieren. Und auch im Bereich der Sonderkulturen und der Tierhaltung gäbe es Möglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft sind“, so Bernhard Heim, der betont: „Je vielfältiger die Betriebe und die Produktionsausrichtung, desto bunter und abwechslungsreicher ist auch die Landschaft.“

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