Die ersten 99 Tage im Bürgermeisteramt

MarkusHaas

Markus Haas nach seinem Wahlsieg. (Foto: Hofherr)

Waldbrunn. Am 17. Februar wurde Markus Haas mit überwältigenden gut 75 Prozent der Stimmen zum neuen Waldbrunner Bürgermeister gewählt. Am 04. Mai um 00:00 Uhr begann seine achtjährige Amtszeit offiziell. Unter dem Motto „100 Tage-Interviews kann jeder“, haben wir mit Markus Haas anlässlich seiner ersten 99 Tage, die morgen erreicht werden, folgendes Gespräch geführt.

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KP/NZ: Wie fühlt es sich an, Bürgermeister von Waldbrunn zu sein?

Bürgermeister Markus Haas: Nach der Wahl war ich erleichtert. Es freute mich natürlich, dass ich zum Bürgermeister gewählt wurde. Auch die Anteilnahme der Bevölkerung, vor allem das Stellen der Bürgermeister-Fichte, hat mich sehr bewegt. Für mich ist das Wahlergebnis Ansporn und Verpflichtung zu gleich. Es macht mir jeden Tag Freude ins Rathaus zu gehen. Mir macht die Arbeit sehr viel Spaß. Es ist zwar nicht immer leicht, denn alle Erwartungshaltungen kann man nicht erfüllen, und man muss auch unbequeme Entscheidungen treffen, aber ich habe bisher noch keinen Tag bereut.

KP/NZ: Was war Ihre erste Amtshandlung als Bürgermeister?

Bürgermeister Markus Haas: Meine allererste „Amtshandlung“ war der Startschuss für ein Rennen beim Mountainbike-Festival des VfR Waldkatzenbach. Die erste offizielle Amtshandlung war die Begrüßung des kasachischen Botschafters im Kurgestüt in Mülben.

KP/NZ: Wie wurden Sie in „Ihrem“ Rathaus aufgenommen?

Bürgermeister Markus Haas: Ich wurde sehr herzlich im Rathaus aufgenommen. Bewegt hat mich das „Herzlich Willkommen“ – Schild an meinem Dienstzimmer. In der ersten Woche habe ich mich bei allen Mitarbeitern der Gemeinde, ob Kindergärten, Bauhof, Schwimmbad usw. persönlich vorgestellt und wurde auch hier überall herzlich empfangen. Ich denke, ich habe ein sehr gutes Team und arbeite sehr gerne mit dieser Mannschaft zusammen.

KP/NZ: Ist das Amt so, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Bürgermeister Markus Haas: Ja, das Bürgermeisteramt ist für mich das schönste Amt, das man übernehmen kann. Wie überall gibt es Höhen und Tiefen, schwere und anstrengende Stunden, aber auch wieder fröhliche und heitere Momente. All das war mir vorher bewusst. Ich möchte nicht nur Verwalter, sondern auch Gestalter sein. Und das kann man als Bürgermeister jeden Tag; viele Kleinigkeiten und Anliegen, aber auch richtungweisende Entscheidungen müssen getroffen werden. Abwechslungsreich ist die Tätigkeit auf jeden Fall und das ist für mich das Schönste.

KP/NZ: Welches Thema hat sie in den ersten 99 Amtstagen am Intensivsten beschäftigt?

Bürgermeister Markus Haas: Das war das Thema „Windkraft“. Viele Gespräche, die Einarbeitung in die Fachfragen, eine Bürgerinformationsveranstaltung, die Vermittlung zwischen den verschiedensten Interessengruppen und schließlich die Grundsatzentscheidung im Gemeinderat (wir berichteten). Ich muss wirklich sagen, dass neben der Sicherstellung der Finanzierung des Bürgerhauses Schollbrunn, das Thema Windkraft mich die ersten Wochen komplett in Beschlag genommen hat.



KP/NZ: Konnten Sie schon das ein oder andere Wahlversprechen angehen?

Bürgermeister Markus Haas: Richtig angehen bzw. umsetzten konnte ich von meinen Wahlversprechen noch nicht wirklich viel. Normalerweise hat man die 100 Tage um sich über den Status quo zu informieren und zu überlegen, was will man, wo soll es hingehen; aber wie bereits erwähnt, ab der zweiten Woche, hat sich alles nur noch um das Thema Windkraft gedreht. Ich möchte jetzt den Sommer dazu nutzen, diese Themen anzugehen. Was ich sagen kann ist, ich habe mehr Bürgerbeteiligung und Information versprochen, in den ersten drei Monaten eine Bürgerinformationsveranstaltung abzuhalten, ist also vielleicht dann doch schon etwas. Auch die Ruftaxi-Linie nach Eberbach war mir persönlich wichtig und es freut mich, dass diese Linie rege genutzt wird. Die Planungen eines Privatinvestors für ein Ärztehaus wurden von mir auch unterstützt und ich hoffe, dass mit dem Bau dieses wichtigen Projekts bald begonnen werden kann.

KP/NZ: Konnten Sie schon Unterschiede in der Perspektive Gemeinderat/Bürgermeister entdecken? Welche?

Bürgermeister Markus Haas: Ja, Bürgermeister ist man rund um die Uhr. Ich habe jeden Tag mit den verschiedensten Anliegen zu tun, oftmals auch mit gegensätzlichen Positionen von Bürgern. In solchen Situationen muss man Vermittler und Mediator sein. Der größte Unterschied zwischen Gemeinderat und Bürgermeister liegt aber wohl bei dem Thema Finanzen. Als Bürgermeister schaue ich vielleicht mehr auf das Geld. Es gibt viele Anliegen bei denen ich zugegebenermaßen als Gemeinderat gesagt hätte, das könnte doch die Gemeinde machen; jetzt als Bürgermeister sehe ich das etwas anders.

KP/NZ: Gab es auch erste Erfolge?

Bürgermeister Markus Haas: Die Sicherstellung der Finanzierung für das Bürgerhaus Schollbrunn, die Durchführung einer Bürgerinformationsveranstaltung zur Windkraft, die Planungen zum Ärztehaus, das alles sind Themen die noch nicht abgeschlossen sind und noch ganz am Anfang stehen. Das man die Themen angeht, darin könnte ein Erfolg liegen.

KP/NZ: Was hat Sie bisher am meisten beeindruckt, gefreut, geärgert?

Bürgermeister Markus Haas: Beeindruckt hat mich das Engagement, die Einsatzbereitschaft der Waldbrunner Bürgerinnen und Bürger in allen Ortsteilen. Überall gibt es Personen die sich für die Gemeinschaft einbringen und die Ortschaften weiter bringen, lebens- und liebenswerter machen. In den 99 Tagen gab es bereits viele Veranstaltungen oder Gegebenheiten bei dem ich von diesem Zusammenhalt beeindruckt war; sei es beim Wiesentalfest, beim Brunnenfest, beim Mülbner Dorffest, seien es die „rüstigen Rentner“ in Schollbrunn und die Organisatoren für die 650-Jahrfeier, die Feuerwehrkapelle in Waldkatzenbach mit ihrem 50-jährigen Jubiläum oder in Strümpfelbrunn die Errichter des Kletterturmes auf dem Schulgelände. Diese Einsatzbereitschaft macht mich als Bürgermeister auch schon etwas stolz. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass ich eine Person gerade für dieses Engagement mit der Ehrennadel des Landes habe auszeichnen dürfen. Richtig geärgert habe ich mich – zum Glück – noch nicht. Ich bin vielleicht auch nicht so leicht zu ärgern.

KP/NZ: Verraten Sie uns Ihre Wochenarbeitszeit?

Bürgermeister Markus Haas: Die Wochenarbeitszeit ist sehr unterschiedlich, weniger als 50 Stunden sind es aber fast nie. Wie gesagt, ich mache die Arbeit aber sehr gerne und ich habe es noch keinen Tag bereut.

KP/NZ: An welchem Projekt arbeiten Sie derzeit?

Bürgermeister Markus Haas: Es gibt immer etwas zu tun. Es laufen natürlich auch viele Themen parallel. Die Arbeiten am Bürgerhaus in Schollbrunn bspw. beginnen gerade, und es stehen viele Dinge auf meiner Liste die ich noch abzuarbeiten habe.

KP/NZ: Welchen dienstlichen Wunsch soll Ihnen die berühmte Märchenfee erfüllen?

Bürgermeister Markus Haas: Für mich Gesundheit und für die Gemeinde eine gefüllte Kasse!

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