„Wir brauchen jeden jungen Menschen“

MdB Alois Gerig informiert sich im Landratsamt über „Keiner fällt durchs Netz“ und „Anschwung für frühe Chancen“

Fruehe Hilfe

Alois Gerig, MdB, informierte sich im Mosbacher Landratsamt aus erster Hand über die im Kreis laufenden Projekte zum Thema „Frühe Hilfen“. Eva-Maria Galm (links) ist Ansprechpartnerin bei der diesbezüglich federführenden Beratungsstelle für Kinderschutz, Renate Körber (rechts) ist zuständige Fachbereichsleiterin. (Foto: LRA)

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Neckar-Odenwald-Kreis. (lra) Der Informationstermin beim Fachdienst Jugend und Soziales habe definitiv nichts mit dem anstehenden Wahlkampf zu tun, erklärte der Abgeordnete des Deutschen Bundestages für den Wahlkreis Odenwald-Tauber, Alois Gerig, bei seinem Besuch im Mosbacher Landratsamt: „Das ist so ein wichtiges Thema, das liegt mir nicht zuletzt als Vater von drei Kindern wirklich am Herzen. Weil jedes Kind wertvoll und es unsere vornehmste Aufgabe ist, dafür zu sorgen, dass alle, unabhängig von ihrer Herkunft, die Möglichkeiten haben, zu körperlich und seelisch gesunden Menschen heranzuwachsen.“. Er war gekommen, um sich aus erster Hand ganz pauschal über „Frühe Hilfen“ für Familien mit Kindern informieren zu lassen. Dafür fließen auch in den Neckar-Odenwald-Kreis Bundesgelder (aktuell 46.000 Euro) – was der Bundestagsabgeordnete zum konkreten Anlass nahm, sich in seinem eigenen Wahlkreis über entsprechende Programme und Maßnahmen kundig zu machen.

    Fachbereichsleiterin Renate Körber begrüßte den Bundestagsabgeordneten und stieg mit ihren Mitarbeiterinnen auch gleich ein in die Materie. Konkret geht es um Familien, in die Kinder geboren werden. Und um große, aber ganz bewusst auch kleine Probleme, die in dieser neuen Lebenssituation entstehen können. Dass es Sinn macht, schon ganz früh, möglichst bereits im Krankenhaus und im Anschluss dann über betreuende Hebammen den Kontakt zu suchen und vor allem zu halten, wurde im Neckar-Odenwald-Kreis bereits sehr früh erkannt. Die positive   Zusammenarbeit mit Familienhebammen mündete Ende 2010 in „Keiner fällt durchs Netz“, ein Projekt, das aus drei Hauptkomponenten besteht: Elternkurse, um das Baby besser zu verstehen, die „aufsuchende“ Arbeit von Familienhebammen und die Bildung eines Netzwerkes, damit entsprechende Institutionen nicht neben- und schon gar nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten – zum Wohle der Kinder. Zunächst finanzierte der Neckar-Odenwald-Kreis das Modellprojekt komplett freiwillig. Umso erfreulicher ist nun, dass sich seit letztem Jahr auch der Bund an den Kosten beteiligt.




Angelika Bronner-Blatz hat das Projekt bis Ende 2012 federführend begleitet und ihre Zahlen waren beeindruckend: Während 2011 genau 30 Alleinerziehende oder Familien in unterschiedlicher Intensität Angebote des Projektes in Anspruch nahmen, waren es 2012 bei leicht gesunkener Geburtenzahl schon 56. Womit – rein rechnerisch – die angenommene „Risikopopulation“ von fünf Prozent der Gesamtgeburtenzahl schon mehr als erfasst war. „Dieser Erfolg liegt an der sehr  niedrigschwelligen Arbeit der Familienhebammen, also Hebammen oder auch Kinderkrankenschwestern mit Zusatzausbildung, die zunächst für die Nachsorge ganz selbstverständlich ins Haus kommen“, erklärte Angelika Bronner-Blatz. Tatsächlich bleibt das „offizielle“ Jugendamt, das bei vielen Vorbehalte und Ängste auslöst, zunächst mal komplett außen vor. Kleine, aber auch größere Risikofaktoren, aus denen später echte Probleme erwachsen könnten, werden frühzeitig „entschärft“;  Probleme, die ansonsten vielleicht erst im Kindergarten oder in der Schule aufgefallen wären und sich zu diesem Zeitpunkt schon verfestigt hätten – mit manchmal fatalen Folgen.

Da „Keiner fällt durchs Netz“ mit dem 1.Lebensjahr endet, die Problemlagen aber natürlich auch darüber hinaus bestehen, entstand mit dem „Anschwung für frühe Chancen“ eine Nachfolgeprojekt mit den gleichen Zielen, allerdings maßgeschneidert für Kinder bis zum 10. Lebensjahr. Darüber referierte Eva-Maria Galm, mit Pascal Picavet zusammen Ansprechpartnerin bei der im Januar 2013 neu geschaffenen Beratungsstelle für Kinderschutz, die Teil des Geschäftsbereichs Jugendhilfe ist und bei der sowohl „Keiner fällt durchs Netz“ als auch die „Anschwunginitiative“ eingegliedert sind. Damit wurden beide Projekte auch zum „Regelangebot“ des Kreises. Für 2013 rechnet Eva-Maria Galm bereits mit rund 90 Familien, die entsprechende Angebote in Anspruch nehmen werden – von der Beratung bei einem vermutlich harmlosen „Baby-Blues“, einer depressiven Verstimmung direkt nach der Geburt, über Probleme mit einem Schreibaby bis hin zu echten Bindungsstörungen oder belastenden äußeren Faktoren wie zum Beispiel psychischen Krankheiten der Eltern. „Früher gab es Großfamilien, wo Tanten, Onkel oder die Großeltern ihr Wissen und Ratschläge hinsichtlich des Umgangs mit Kindern weiter geben konnten oder vorhandene Defizite bei den Eltern auffangen konnten. Heute sind Eltern oft total verunsichert und brauchen einfach Anleitung“, erklärte Eva-Maria Galm: „Damit können wir schon viel Gutes bewirken und die Dinge in die richtigen Bahnen lenken. Bevor daraus echte Problem werden, die dann tatsächlich beim Jugendamt landen.“

Alois Gerig zeigte sich ehrlich beeindruckt: „Mich begeistert das spürbare Herzblut, mit dem sie alle bei der Sache sind. Diese Projekte sind segensreiche Einrichtungen, die Präventionsarbeit im allerbesten Sinn leisten. Wir brauchen jeden jungen Menschen und sie tragen mit Ihrer Arbeit dazu bei.“

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