Pannen, Stürze und Moral im Schwarzwald

Schwarzwald. In einem 550 Starter großen Teilnehmerfeld ging auch Alessandro Sepp vom Team WHEELER-iXS bei der Trans-Schwarzwald, einem Etappenrennen für Mountainbiker, an den Start. Um den Anforderungen eines mehrtägigen Rennens gerecht zu werden, hatte der Waldbrunner in den Wochen vor dieser Veranstaltung sein Training umgestellt.

Dennoch fand er auf der ersten Etappe, die über 95 km und 1.710 hm von Bad Wildbad nach  Wolfach führte, fand Sepp wie bereits bei seiner Teilnahme im Vorjahr, nicht den richtigen Rennrhythmus. Insbesondere in den Anstiegen des hervorragend organisierten Rennens lief es für den Odenwälder schlecht. Er konnte sich zwar in einer Gruppe festsetzen, war aber als einziger Biker auch bereit Tempo in der Nachführarbeit zu machen. Daher führte er die ganze Zeit alleine, weshalb er sich am Ende von Krämpfen geplagt als 72. ins Ziel rettete.

Am zweiten Tag mussten die Sportler auf den 70 km nach Schonach 2.300 Höhenmeter bewältigen. Bei besten Wetterverhältnissen konnten die Biker die herrliche Landschaft aufgrund der Anstrengungen jedoch nicht unbedingt genießen. Für Sepp lief es auf diesem Abschnitt deutlich besser. Jedoch nur von den Beinen her, stattdessen machte ihm ein defekter Reifen einen Strich durch die Rechnung. 15 km vor dem Ziel war ein Schlauchwechsel angesagt, wodurch der junge Athlet nicht nur acht Minuten, sondern auch seinen Rhythmus verlor und als 62. ins Ziel fuhr.

Der dritte Tag  versprach ein Hammerrennen zu werden. Der knapp 100 km lange Kurs von Schonach nach Engen wies zwar nur 1.080 Höhenmeter auf. Mit langen flachen Passagen bedeutete die Etappe „Tempo bolzen“ ohne Ende. Auf Anweisung seines Trainers Klaus Ketterer versuchte der Waldbrunner auf den ersten 15 km mit einem langen, steilen Anstieg in eine schnelle Gruppe zu kommen, um anschließend im ebenen Teil mitgehen zu können. Für Sepp lief es zunächst richtig gut. In der ersten Verfolgergruppe ging es in Richtung Engen. Bei dem vorgelegten Tempo blieb kaum Zeit für die wichtige Verpflegung. Eine Top-Ergebnis schien an diesem Tag möglich. Doch ein kurzer Moment der Unachtsamkeit, der aufgewirbelte Staub und eine übersehene Wurzel bedeuteten das Ende der Träume. Bei 40 km/h flog Alessandro Sepp über den Lenker, bekam den Sattel in den Rücken, was nicht nur für schmerzhafte Blessuren sorgte. Schlimmer war jedoch, dass der Sattel brach, weshalb der Biker die letzten 25 Kilometer im Wiegetritt zurücklegen musste. Trotz Defekt und großer Schmerzen beendete er die Etappe in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h. Sowohl Betreuer als auch Trainer attestierten dem Waldbrunner, dass er  eines seiner besten Rennen überhaupt gefahren sei, was auch in der Platzierung auf dem 51. Rang zum Ausdruck kam.  Im Ziel war jedoch erst einmal intensive physiotherapeutische Behandlung angesagt, um die Auswirkungen in Grenzen zu halten. Die vierte Etappe führte von Engen nach Murg an den Hochrhein. Mit 114,5 km war dies der längste Tagesabschnitt der Trans-Schwarzwald 2013. Auch die 2.000 Höhenmeter, die es zu fahren galt, waren kein Pappenstiel.




Wie am Vortag lief es für den Winterhauchbiker wieder richtig gut, sodass er sich zunächst in den Top 50 festsetzen konnte. Doch musste er erneut eine Panne hinnehmen. Nach der Hälfte der Strecke riss die Kette mit fatalen Folgen, war doch an eine Weiterfahrt nicht zu denken. Da auch das Begleitfahrzeug nicht greifbar war, verlor er eine halbe Stunde. Doch es sollte an diesem Tag sogar noch schlimmer kommen. Als Alessandro Sepp nach der Reparatur schnell wieder Tempo aufnehmen wollte, blockierte sein Hinterrad, sodass er erneut über den Lenker „abstieg“ und erneut auf die Schulter knallte. Auch am Knie holte sich der Odenwälder Nachwuchsfahrer schlimme Schürfwunden. Nun galt es locker weiterzufahren und im Zeitlimit zu bleiben, was trotz allen Frusts auch gelang. Auf die Spitze hatte er an diesem Tag eine ganze Stunde verloren, sodass er auf dem 56 Platz einkam.

Viel Arbeit gab es im Ziel für unseren Physio-Abteilung, war doch nicht nur Sepp, sondern auch auch seine Teamkollegen gestürzt. Dass die Wheeler-Biker noch Glück im Unglück hatten, zeigte sich auch daran, dass andere Fahrer nach Stürzen im Hubschrauber antransportiert werden mussten.

Trotz seines großen Pechs zeigte Alessandro Sepp Moral. Für die letzte Etappe über 64 km von Murg hinauf auf den Feldberg hatte er sich noch einmal viel vorgenommen. Trotz 2.050 Hm  und einer schlaflosen „Schmerznacht“ wollte er sich mit einer guten Leistung verabschieden. Aufgrund des Ergebnisses vom Vortag musste er sich jedoch im hinteren Startblock einreihen. Doch bereits 300 Meter nach dem Start hatte er zu seinem Teamkollegen Timo Reith aufgeschlossen. Trotz des körperlichen Handicaps lief es für Sepp erstaunlich gut. Über Rickenbach und Menzenschwand ging es hinauf zum höchsten Schwarzwaldgipfel, wo eine perfekt organisierte Zielankunft auf die Fahrer wartete. Der Waldbrunner  wurde immer stärker, was im Ziel den zufriedenstellenden 56. Platz einbrachte.

Dass es nicht nur seine eigene Leistung, sondern die eines Teams aus Trainern, Betreuern, Physiotherapeuten und Mechanikern war, zeigte diese Trans-Schwarzwald besonders deutlich, hätte Sepp das Rennen ohne deren Hilfe gar nicht zu Ende fahren können.

Nun steht die Regeneration im Vordergrund, bevor sich Alessandro Sepp auf die weitere Saison vorbereitet.

Am Samstag, den 31. August, um 18 Uhr, sendet Sport 1 eine Zusammenfassung der Trans Schwarzwald 2013. 

Sepp TransSchwarzwald Sportograf

(Foto: Sportograf)

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