Dialog für mehr Frauen in der Politik

Buergerinnendialog

Im Gespräch mit Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel und Gemeinderätin Amelie Pfeifer. (Foto: pm)

Bödigheim. (pm) In sonniger Gartenatmosphäre auf dem Ferienhof Pfeiffer begrüßten SPD-Kreisrätin und Bundestagskandidatin Dr. Dorothee Schlegel und Stadträtin Amelie Pfeiffer interessierte Frauen zum offenen Bürgerinnendialog.

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Amelie Pfeifer erinnerte in ihrer Einführung daran, dass in den 60er Jahren Ehemänner noch entschieden haben, ob ihre Frauen arbeiten gehen dürfen. Sie betonte, wie wichtig es sei, sich als Frau aktiv in der Politik zu beteiligen. Doch wie sieht es heute mit der Beteiligung von Frauen in unserer Gesellschaft und in der Politik aus?

Frauen sind überdurchschnittlich stark am bürgerlichen Engagement und im Ehrenamt beteiligt, ob als Mütter oder in unterschiedlichsten Vereinen, allerdings meist im Hintergrund oder in Stellvertreterpositionen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: ob aus Tradition Männer eher Führungsrollen übernehmen oder ihnen dies zugestanden wird oder weil sich bislang keine Frau dafür bereit erklärt hat oder gefragt wurde oder weil es zu wenige Vorbilder gibt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel, wie die Sportkreisvorsitzende und Kreisrätin Dr. Dorothee Schlegel feststellte – nämlich, wenn sich niemand anderes für eine solche Position bewirbt. Dann haben Frauen die Chance, in ein solches Amt gewählt zu werden und sie sollten dies auch nützen. Denn dies macht anderen Frauen Mut, sich selbst eine solche Aufgabe zuzutrauen – zumal, so betonte Stadträtin Naile Sulejmani, „man in ein solches Amt auch hineinwachsen kann und Mitstreiter und Mitstreiterinnen findet, die einem hilfreich zur Seite stehen“. Es gehört zwar eine Portion Mut dazu, in öffentlicher Sitzung nachzufragen, wenn Vorlagen nicht verstanden wurden – aber das betrifft Männer und Frauen gleichermaßen, zumal diese politischen oder gesellschaftlich relevanten Ämter meist im Ehrenamt ausgeübt werden.

Dr. Schlegel zitierte aus Statistiken nach denen gerade in Baden-Württemberg nur 21 % Frauen in kommunalen Gremien vertreten sind. Vereinzelt gäbe es sogar noch rein männliche Gemeinderäte. Mit Blick in den Neckar-Odenwald-Kreis ergäbe sich auch für einzelne Gremien und in einigen Parteien kein rühmliches Verhältnis von Frauen zu Männern.




Was kann und muss daher auch von Seiten der Politik geleistet werden, um für Kreis- und Gemeinderäte mehr Frauen zu gewinnen? Die baden-württembergische Regierungsfraktion von Bündnis90/Die Grünen und SPD haben sich auf eine geschlechtergerechte Novellierung des Wahlrechts verständigt. Auf den Kommunalwahllisten soll als erster Schritt eine Soll-Regelung für das Reißverschlussprinzip eingeführt werden. „Doch kann dieser Schritte nur wirksam werden, wenn sich Frauen zur Wahl stellen und mitbestimmen möchten. Dazu muss ein Umdenken in den Parteien und in der Bürgerschaft beginnen, denn Gremien müssen sich auch mit Themen wie Kinderbetreuung, Pflege, Gesundheit und Daseinsvorsorge beschäftigen, was nicht nur häufig von Frauen angeregt wird, sondern worin viele Frauen große Kompetenzen haben.  Schulungen über kommunalpolitische Themen sollten überparteilich genauso angeboten, wie von den einzelnen Parteien oder könnten auch mitinitiiert werden von Gleichstellungsbeauftragten und Mentorinnen, die bereits Gremienerfahrung haben.“ so Schlegel.

Sich für ein politisches Amt zu entscheiden braucht Zeit, aber auch Mut. Denn bislang waren Frauen weniger in der Öffentlichkeit tätig, sondern eher Familienmanagerinnen. „Wenn wir uns als Frauen mehr unterstützen, werden wir mehr Frauen und verändern damit auch im ländlichen Raum die Gemeindepolitik zugunsten der sozialen Themen, die dringender denn je zuvor bearbeitet und diskutiert werden müssen“, betonte Amelie Pfeifer. Dr. Dorothee Schlegel bekräftigte, dass mit mindestens 30% Frauenanteil bereits sämtliche Gremien ein anderes Sitzungs- und Entscheidungsverhalten an den Tag legen und Frauen nicht mehr nur Einzelkämpferinnen bleiben, die auch einmal zu Wort kommen dürfen. Die Wirtschaft beweist, dass Firmen mit weiblichen Chefs stabiler und weniger risikobehaftet sind und das gilt auch für die Gestaltung unserer Kommunen.

Das Engagement von Frauen, sich für die Kommunalwahl aufstellen zu lassen, hängt daher nicht nur von der Bereitschaft einzelner mutiger Frauen ab, sondern von den Parteien und Gruppierungen und vom Wahlverhalten der Bevölkerung, Frauen und Männer für diese Ämter in den Blick zu nehmen.

Durch das gegenseitige Kennenlernen  an diesem Nachmittag  wurden bereits viele neue Fäden geknüpft, neue Ansprechpartnerinnen  entdeckt. Ob Stadt- und Ortschaftsrätinnen untereinander, zu kompetenten und erfahrenen SPD-Bundestagsabgeordneten und Kreisrätin und zu den engagierten Frauen aus den Dörfern des Landkreises, die ganz nah an den Fragestellungen vor Ort sind. Das ist die beste Voraussetzung, die Frauen für ein politisches Amt mitnehmen können.

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