Klinik-Aufsichtsrat missbilligt Informationspolitik

Der Aufsichtsrat der Neckar-Odenwald-Kliniken hat sich am Donnerstag im Rahmen einer mehrstündigen Sitzung unter der Leitung von Landrat Dr. Achim Brötel im Wohn- und Pflegezentrum Hüffenhardt mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Kliniken befasst. An der Sitzung nahmen auch die zuständigen Wirtschaftsprüfer der WIBERA teil. Hintergrund hierfür ist die erst vor kurzem bekannt gewordene dramatische Verschlechterung des Jahresergebnisses 2012, das mit einem Verlust von über 6,5 Mio. € abschließt, sowie die nicht minder schlechten Prognosen für das laufende Jahr 2013.

Der Aufsichtsrat hat dabei insbesondere die Informationspolitik, aber auch das völlig unzureichende Krisenmanagement von Klinik-Geschäftsführer Andreas Duda scharf missbilligt. Nach wie vor seien die Gründe, die zu dieser Schieflage geführt hätten, nicht im Einzelnen bekannt. Vor allem aber sei es unerklärlich, wie der Geschäftsleitung eine derart krasse Fehlentwicklung über so lange Zeit verborgen geblieben sein soll, ohne dass die erforderliche Information des Aufsichtsrates erfolgte. Solange es hierauf keine nachvollziehbare und begründete Antwort gebe, komme auch eine Entlastung des Geschäftsführers nicht in Betracht. Der Aufsichtsrat, dem auch zwei Vertreter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angehören, verlangt deshalb zeitnah eine umfassende und schonungslose Aufklärung sämtlicher Ursachen für die überraschende Krise, um auf dieser Basis dann auch wirklich verantwortbar über personelle, organisatorische und strukturelle Konsequenzen entscheiden zu können.

Vordringlich sei es jetzt aber zunächst, die Liquidität der Gesellschaft zu sichern und damit ihre Fortführung zu gewährleisten. Hierzu werden dem Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreises, der am 25. September in Hettingen tagt, die entsprechenden Maßnahmen vorgeschlagen. Die Abdeckung des Defizits, sowie die Sicherung der Liquidität werden für den Kreis als Träger einen nicht unerheblichen Kraftakt darstellen. Trotzdem sind sich die Vertreter aller Fraktionen einig, diesen Schritt im Interesse eines weiteren Fortbestandes der Neckar-Odenwald-Kliniken in öffentlicher Trägerschaft, vor allem aber auch in Verantwortung für die rund 1.100 Arbeitsplätze zu gehen.




Das allein reiche aber ersichtlich nicht aus. Parallel dazu sei deshalb, so der Aufsichtsrat, dringend eine wirklich belastbare kurz- und mittelfristige Liquiditätsplanung, eine grundlegende Aufklärung sämtlicher Ursachen und Verantwortlichkeiten für die Schieflage, sowie ein Katalog von darauf aufbauenden Sofortmaßnahmen zur Sanierung und Stabilisierung der Gesellschaft erforderlich. Dazu wird ein interdisziplinäres Expertenteam der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft pwc, das sowohl mit Kaufleuten wie auch mit Medizinern besetzt ist, schon ab Freitag (20. September 2013) sämtliche medizinischen, kaufmännischen und administrativen Prozesse vor Ort durchleuchten, auf Herz und Nieren überprüfen, im Einzelnen bewerten und gewichten, sowie hinsichtlich ihres Einflusses auf die Weiterentwicklung der Neckar-Odenwald-Kliniken einschätzen und daraus einen Katalog erforderlicher Sofortmaßnahmen entwickeln. Diese Arbeiten werden nach Einschätzung der pwc voraussichtlich drei bis fünf Wochen dauern, so dass spätestens Ende Oktober verwertbare Ergebnisse vorliegen müssten.

Wenn dann hoffentlich endlich die Klarheit vorliegt, die die Geschäftsleitung bisher nicht vermitteln kann, werden Aufsichtsrat und Kreistag über die erforderlichen Konsequenzen daraus eingehend beraten. Ziel ist und bleibt es dabei, die anerkannt hohe medizinische, pflegerische und therapeutische Versorgung durch die Neckar-Odenwald-Kliniken auch weiterhin flächendeckend zu gewährleisten. Der Klinikbetrieb läuft unabhängig davon sowieso ohne Einschränkungen im normalen Umfang weiter.

Ergänzend hierzu teilte uns Landrat Dr. Achim Brötel mit: „dass die Geschäftsleitung den Aufsichtsrat und auch mich noch bis in den Juni 2013 immer wieder dahingehend informiert hat, dass die wirtschaftliche Entwicklung plangemäß verlaufe. Die letzte diesbezügliche Mitteilung war am 12. Juni 2013. Am 25. Juni 2013 ist nachweislich dann die erste Information an mich erfolgt, dass der Verlust „knapp unter 5 Mio. Euro“ liege. Daraufhin habe ich umgehend die Fraktionsvorsitzenden, am 27. Juni 2013 den Aufsichtsrat und am 8. Juli 2013 den Kreistagsausschuss für Verwaltung und Finanzen informiert. In einer daraufhin anberaumten Sondersitzung des Aufsichtsrats am 25. Juli 2013 ist die Geschäftsleitung immer noch von diesem Stand ausgegangen. Dass es in Wirklichkeit über 6,5 Mio. Euro  sein würden, ist mir hingegen erstmals am 23 August 2013 mitgeteilt worden. Über die gesamte Entwicklung habe ich die Mitglieder des Aufsichtsrates und die Fraktionsvorsitzenden im Kreistag jeweils umgehend in Kenntnis gesetzt.“

Damit weist Brötel Vorwürfe zurück, die teilweise auch auf NOKZEIT erhoben wurden, dass er es verpasst habe, frühzeitig und kompetent zu handeln. 

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