Familienbesuche in Osterburken und Fahrenbach

Familienbesuche Osterburken

Der kleine Leon Marcel auf dem Arm seiner Mutter Irene Bichler stand mit Papa Waldemar und Bruder Luca Roman im Mittelpunkt des Familienbesuches durch Josef Ziegelhofer (rechts), der diese Aufgabe ehrenamtlich übernommen hat. Mit dabei waren ausnahmsweise auch Pascal Picavet (links) von der Beratungsstelle für Kinderschutz und Bürgermeister Jürgen Galm (zweiter von links). (Foto: lra)

Osterburken. (lra) Der kleine Leon Marcel, gerade mal vier Wochen alt, verschläft die ganze Sache. Dabei dreht sich bei einem der ersten Familienbesuche, die seit kurzem im Rahmen eines Projektes bei Familien mit Neugeborenen in Osterburken stattfinden, alles um ihn und sein Wohlbefinden. Aber seine Eltern, in diesem Fall Irene und Waldemar Bichler, sind ja ohnehin die Ansprechpartner. Und die sind ganz interessiert an dem, was ihnen Josef Ziegelhofer erzählt. Bei dessen „Premiere“ – er ist mit Edith Link und Malaike Ehrling einer von derzeit drei Ehrenamtlichen in Osterburken, die diese Familienbesuche machen – war er nicht allein, sondern brachte ausnahmsweise auch Bürgermeister Jürgen Galm und Pascal Picavet von der Beratungsstelle für Kinderschutz beim Landratsamt mit. Die Stadt Osterburken bringt sich sowohl organisatorisch als auch finanziell stark ein, genau wie die Gemeinde Fahrenbach, die ebenfalls an diesem Modellprojekt beteiligt ist.

Aber der Reihe nach: Die Beratungsstelle für Kinderschutz ist dem neuen Bundeskinderschutzgesetz verpflichtet und versteht sich als Beratungsstelle für alle, die mit Kindern und Jugendlichen leben und arbeiten. Die Angebote werden sehr niederschwellig gehalten, das „offizielle“ Jugendamt bleibt bewusst außen vor. In diesem Zusammenhang sind auch das Projekt „Keiner fällt durchs Netz – Frühe Hilfen für Familien“ oder das Landesprogramm „Stärke“ zu verstehen, in dessen Rahmen es zur Geburt eines Kindes Gutscheine im Wert von 40 Euro gibt für bestimmte Kurse wie „Das Baby verstehen“ oder Babymassage. Fakt ist aber auch, dass diese Gutscheine eher selten genutzt werden. Zum Beispiel, weil die Kurse nur zentral angeboten und die Wege für viele Mütter oder Väter zu weit sind.

Tatsächlich gibt es auch im Neckar-Odenwald-Kreis viele gute Angebote, die sehr früh ansetzen und das Zusammenleben und damit das gesunde Heranwachsen von Kindern fördern wollen. Mit der Intention, zu unterstützen, Fragen zu klären und damit Schwierigkeiten erst gar nicht entstehen zu lassen. In diesem Zusammenhang sind auch die Familienbesuche zu sehen, die natürlich nur dann erfolgen, wenn die Eltern einverstanden sind. Wünschen sie keinen Besuch, erhalten sie die Infomaterialien per Post.




Familie Bichler dagegen war einverstanden. Josef Ziegelhofer war früher Arbeitstherapeut in der JVA, arbeitet noch als Erziehungsbeistand  und fühlt sich mittlerweile  – als Opa einer Enkelin –  eigentlich „zu alt“ für Familienbesuche. Trotzdem ließ er sich letztlich überzeugen. Eine besondere Qualifikation hat er nicht. Die ist laut Pascal Picavet auch keine Bedingung: „Beim Familienbesuch werden einfach nur Informationen rübergebracht. Da kommt niemand, der irgendetwas kontrollieren will.“ In dementsprechend lockerer Atmosphäre fand dann auch das Gespräch statt. Waldemar und Irene Bichler waren sehr aufgeschlossen, nahmen das mitgebrachte Informationsmaterial  – den Familienwegweiser des Landratsamtes mit vielen wichtigen Adressen und Ansprechpartnern, verschiedene Broschüren, einen Brief des Bürgermeisters und als Geschenk ein Latz mit Osterburkener Wappen – gerne entgegen und Irene Bichler meldete sich auch gleich für den Kurs „Babyschwimmen“ an, der in Bofsheim zustande kommen soll. „Eines unserer Ziele ist, die Kurse auch vor Ort zustande kommen zu lassen“, so Pascal Picavet.

Das Thema ist auch Bürgermeister Jürgen Galm wichtig; deshalb sponsert Osterburken die Gutscheine, die frisch gebackene Eltern im Rahmen des Projektes „Stärke“ erhalten, auch mit nochmals 50 Euro, so dass ein Kursbesuch in aller Regel nichts oder nur einen kleinen Betrag kostet. Er ergänzte die Informationen um die in Osterburken vorbildlichen Angebote der Kindergärten und der verlässlichen Grundschule bzw. der Ganztagesgrundschule, was die Bichlers im Hinblick auf ihren zweijährigen Sohn Luca Roman interessierte – und womit er etliche Wissenslücken füllte.

Das Projekt Familienbesuche läuft im Übrigen auch in Fahrenbach; hier sind es Sandra Kreis, Claudia Wenniger, Christiane D´Agro und Andreas Bönig vom Förderverein Kinder und Jugend in der Gesamtgemeinde Fahrenbach, die die Besuche ehrenamtlich durchführen. Bürgermeister Jens Wittmann steht voll hinter diesem Projekt und ist froh, im Förderverein aktive Unterstützung dafür zu erhalten. „Ich finde das toll, dass die jungen Familien nicht nur ein obligatorisches Geschenk erhalten, sondern auch richtig gut informiert werden über die Angebote, die ihnen zur Verfügung stehen. Davon haben sie auch längerfristig was. Und für unseren Verein ist das eine gute Möglichkeit, mit den Eltern Bekanntschaft zu schließen und die eigene Arbeit darzustellen.“

Familienbesuche Fahrenbach

Auch in Fahrenbach gibt es das Projekt „Familienbesuche“, die ehrenamtlich von (von links) Andreas Bönig, Claudia Wenniger, Sandra Kreis und Christiane D´Agro (fehlt auf dem Bild) durchgeführt werden. Bürgermeister Jens Wittmann (rechts) ist froh über die Unterstützung durch den Förderverein Kinder und Jugend in der Gesamtgemeinde Fahrtenbuch. (Foto: LRA)

Bundeskinderschutzgesetz

Im Januar 2012 wurde das Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) auf den Weg gebracht, um den Kinderschutz in Deutschland deutlich zu verbessern. Vor allem die Präventionsarbeit soll verstärkt werden; hierzu zählen –  neben vielen weiteren Aufgaben – auch die Familienbesuche. Junge Familien werden so über die aktuellen pädagogischen und unterstützenden Angebote für ihr Baby, aber auch für sich als Eltern informiert. Die Koordination des Modellprojektes „Familienbesuche“ findet in Kooperation der Beratungsstelle für Kinderschutz des Neckar-Odenwald-Kreises (BfK) und der jeweiligen Gemeinde  – aktuell also Fahrenbach und Osterburken – statt. Bei entsprechender positiver Resonanz soll das Projekt auch auf weitere Kreisgemeinden ausgedehnt werden.

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