Landkreis unterstützt Odenwald Hospiz

Mosbach. Am Ende war Landrat Dr. Achim Brötel froh und dankbar für die „kritischen Nachfragen, die durchaus Sinn machen“. Tatsächlich stand die Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales, der im Begegnungszentrum fideljo der Johannes-Diakonie in Mosbach tagte, immer wieder unter dem Vorbehalt der schwierigen Haushaltssituation. Gerade Freiwilligkeitsleistungen kamen dabei in den Diskussionen auf den Prüfstand.

Zunächst aber begrüßten Vorstandsvorsitzender Dr. Hanns-Lothar Förschler und Vorstandsmitglied Jörg Huber die Anwesenden und gaben einen Einblick in den „spannenden Veränderungsprozess“, in dem sich die Johannes-Diakonie aktuell befinde. Bis 2020 sollen in zwölf dezentralen Wohnheimen 300 neue Plätze entstanden sein, dazu kommt der große Klinikneubau, für den im Frühjahr 2014 der Startschuss fällt.

Mit der neu abzuschließenden Vereinbarung zwischen dem Landkreis und dem Diakonischen Werk im Neckar-Odenwald-Kreis über die Förderung des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SpDi) stieg Landrat Dr. Brötel in die Tagesordnung ein. Diesen Dienst zur wohnortnahen Betreuung und Versorgung psychisch kranker Menschen übernimmt seit 1988 das Diakonische Werk, finanziert durch den Landkreis, einen Eigenanteil der Diakonie sowie entsprechende Landesmittel. 2013 belief sich der Landkreiszuschuss auf 128.400 Euro, im Umkehrschluss wurden für den SpDi ganzjährig mindestens 2,5 Fachkraftstellen vorgehalten. Für 2014 hat das Land seine Förderung auf dann 54.000 Euro fast verdoppelt, weshalb die Landkreisförderung auf Vorschlag der Verwaltung auf 110.000 Euro zurückgefahren werden, aber aus Gründen der Kontinuität bis einschließlich 2016 vereinbart werden sollte. Unter dem Strich erhält das Diakonische Werk aber immer noch mehr Geld als vorher.

Kreisrat Heribert Fouquet (Freie Wähler) sah wohl den Sinn einer wohnortnahen Versorgung und auch den präventiven Nutzen, wollte diese Freiwilligkeitsleistung aber dennoch auf dem Prüfstand wissen.  „Es gibt einfach immer mehr Menschen, die mit dem Leben nicht klarkommen. Der SpDi ist als freiwillige Leistung einer Pflichtleistung letztlich nur vorgelagert. Wenn nämlich die Betreuung und Versorgung klappt, dann kann durch die Vermeidung einer vollstationären Aufnahme auch Geld gespart werden, “ erklärte der Landrat. Auch Geschäftsführer Guido Zilling vom Diakonischen Werk plädierte für den Abschluss der von der Verwaltung vorgeschlagenen Vereinbarung: „Der Bedarf ist in jedem Fall gegeben.“ Dieser Ansicht schlossen sich die Ausschussmitglieder dann mehrheitlich auch an.

In der Folge stellte Dr. Daniel Vater das zur Johannes-Diakonie gehörende Kinderzentrum Mosbach (KIZ) – früher „Frühförderzentrum Neckarelz“ – vor. Dort, genauer im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ), werden seit 1991 für Kinder, deren Entwicklung auffällig verläuft oder die von Behinderung bedroht oder behindert sind, möglichst frühzeitig entsprechende Diagnosen gestellt einschließlich interdisziplinärer und ganzheitlicher Therapie und Förderung. “Wir sind froh, unseren Familien hier ein solches wohnortnahes Zentrum anbieten zu können“, erklärte Dr. Brötel eingangs. Steigende Patientenzahlen, die im Übrigen von Kinder- oder Hausärzten überwiesen werden, bestätigen den Bedarf. Sowohl die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen zahlen aktuell aber nur eine Pauschale von 323,20 Euro pro Kind und Quartal, womit lediglich die ärztlichen Leistungen abgedeckt sind. Da der Landkreis erklärtermaßen ein großes Interesse an präventiven Leistungen hat, wird zur Finanzierung der nichtärztlichen Leistungen, die letztlich den Sozial- und Jugendhaushalt entlasten, eine Fallpauschale von 35 Euro pro Quartal und pro Kind aus dem Kreis überwiesen. Diese Regelung aus dem Jahr 2005 war bisher jedoch auf maximal 45.500 Euro gedeckelt. Da mittlerweile mit über 1800 Fallpauschalen rund 300 mehr als vor acht Jahren abgerechnet werden, hat die Verwaltung nach entsprechenden Verhandlungen mit dem KIZ vorgeschlagen, die Deckelung auf 63.000 Euro anzuheben, was einstimmig so auch beschlossen wurde.




Der Neckar-Odenwald-Kreis hat mit 3.172 Betreuungen den höchsten Anteil an Betreuungsfällen im Verhältnis zur Bevölkerung in ganz Baden-Württemberg. Der Betreuungsverein, der insbesondere ehrenamtliche Betreuer gewinnt, schult und berät, nimmt laut Erstem Landesbeamten Martin Wuttke – der Landrat war bei diesem Punkt als Vorsitzender des Betreuungsvereins befangen – eine wichtige Aufgabe wahr: „Ansonsten wäre hier die Betreuungsbehörde gefragt.“ Der Verein finanziert sich aus einem seit zwölf Jahren unveränderten Kreiszuschuss, aus einer Landesförderung und aus Einnahmen, die aus der Führung eigener Berufsbetreuungen generiert werden. Kontinuierlich zunehmende Fallzahlen sowie steigende Personal- und Sachkosten hatten Geschäftsführerin Bärbel Juchler-Heinrich veranlasst, eine maßvolle Erhöhung des jährlichen Zuschusses auf 50.000 Euro zu beantragen. Auch hier stimmten die Ausschussmitglieder zu.

In Walldürn ist das Odenwald Hospiz mit zehn Plätzen im Entstehen, das erste stationäre Hospiz überhaupt im Kreis. Die Eröffnung dieser Einrichtung, hinter der maßgeblich Dieter Weiß aus Walldürn steht, ist für Mitte 2014 geplant. Da die Kosten der stationären Versorgung schwerstkranker Patienten in Hospizen von den Pflege- und Krankenkassen nur zum Teil übernommen werden, klafft beim künftigen Betrieb eine voraussichtliche Deckungslücke von jährlich 150.000 Euro, die der bereits gegründete Förderverein mit Hilfe von Spendengeldern schließen möchte. Als „Anerkennungsbeitrag“ für dieses laut Landrat „segensreiche Projekt“ schießt der Landkreis zunächst von 2014 bis 2016 jährlich 10.000 Euro zu.

In der Folge stand die Förderung von Projekten zur Integration junger Migranten im Neckar-Odenwald-Kreis in Buchen, Mosbach, Walldürn und Osterburken auf der Tagesordnung. „Auch wenn man sich mit dem Hinterfragen gerade sozialer Leistungen unbeliebt macht, sind wir an einem Punkt, wo uns nichts mehr heilig sein darf“, erklärte Kreisrat Fouquet und eröffnete eine Diskussion,  an deren Ende die Ausschussmitglieder mehrheitlich dann doch für die Bereitstellung von viermal 21.000 Euro pro Jahr bis 2016 stimmten. Tatsächlich beteiligen sich auch die Städte selbst in erheblichem Maß an der Finanzierung der Projekte im schulischen Bereich bzw. im Übergang von Schule und Beruf.

Eine Absage wurde dagegen der weiteren Bezuschussung von Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund an Schulen im Kreis erteilt. Nachdem mit den Kreisräten Jann und Wittmann (beide CDU) zwei Bürgermeister erklärt hatten, dass die Fortführung der Projekte an 14 Grund- und Hauptschulen nicht zwingend an einen Kreiszuschuss gekoppelt sei, wurden die im Haushaltsplan dafür veranschlagten Mittel in Höhe von 28.500 Euro gekippt.

Problemlos lief dagegen die Bezuschussung von zwölf verschiedenen Sportgruppen mit überörtlicher bzw. kreisweiter Bedeutung in Höhe von 14.328,- Euro, die für die Nutzung kreiseigener Hallen 2012 ein Entgelt in gleicher Höhe zu zahlen hatten. Die Sportkreise Buchen und Mosbach hatten um diesen Zuschuss gebeten.

Unter der Rubrik „Sportstättenbau“ fördert der Landkreis Baumaßnahmen mit fünf Prozent der vom Badischen Sportbund anerkannten Bausumme bei einem Höchstbetrag von 6.000 Euro pro Projekt. Demnach entfallen 2013 auf bauwillige Vereine im Sportkreis Buchen 3880,- Euro und auf Vereine im Sportkreis Mosbach 10.295 Euro. Der Gesamtsumme von 14.175 Euro stimmten die Ausschussmitglieder zu. 

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen:

1 Kommentar

  1. Kreisrat Heribert Fouquet, Ihr Verhalten ist armselig und niederträchtig.
    Stellen Sie doch Ihr popelige Krankenhäuschen, das uns Millionen kostet, auf den Prüfstand. Wer braucht das schon?
    Und solch ein Politiker will gesellschaftlich wichtige Beiträge kürzen. Der Eigennutz ist unübersehbar.

Kommentare sind deaktiviert.