Wildkatzensprung geht in die dritte Runde

Wildkatze

Wildkatze in einem Freigehege im Nationalpark Bayerischer Wald. (Foto: Aconcagua/Wikipedia/Cc-by-sa-3.0)

Odenwald. (pm) Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) startet in die dritte Untersuchungsperiode des Projektes ‚Wildkatzensprung‘. Das Bundesamt für Naturschutz fördert bis zum Jahr 2014 das Vorhaben des Umweltverbandes, die europäische Wildkatze in den deutschen Wäldern nachzuweisen und eine Gen-Datenbank für diese Tierart aufzubauen. Bereits im Winter 2011-2012 wurden 50 Lockstöcke im Odenwald gesetzt und bis Ende April von etwa 25 Helferinnen und Helfern jede Woche aufgesucht. Die mit Baldrian besprühten Holzpflöcke locken umherstreifende Katzen an, die durch Reiben an dem rauen Holz ihre Haare hinterlassen. Durch eine genetische Analyse lässt sich anschließend genau feststellen, von wem die Haare stammen.

BUND-Sprecher Harald Hoppe: „Wir hatten bislang eine positive Probe im Odenwald im Jahr 2012. Von den in 2013 gewonnenen Proben sind bisher lediglich zwei Drittel untersucht, sodass wir keine definitive Aussage über die vergangene Saison des Projektes machen können. Wir wollen in der kommenden Saison den ersten Nachweis festigen und durch weitere Befunde untermauern. So kommen wir der in Hessen stark gefährdeten Art auf die Spur.“




Bereits in einigen Regionen Deutschlands und Hessens wurden auf diese Weise Wildkatzen wissenschaftlich nachgewiesen. Auch im Nachbarkreis Darmstadt-Dieburg wurde 2013 die Suche nach der Wildkatze aufgenommen – jedoch bislang noch ohne konkreten Nachweis. Die Vorkommen der Wildkatze sind oft sehr klein und isoliert. Der Odenwald ist bisher noch ein weißer Fleck auf der Verbreitungskarte. Dabei bietet der große, länderübergreifende Wald der heimischen Art einen guten Lebensraum. Er ist außerdem eine wichtige Verbindung der Wildkatzenvorkommen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz mit denen im Spessart. Nur durch solche Korridore zwischen Wäldern können die einzelnen Vorkommen der Wildkatze langfristig überleben.

Die scheue Art setzt kaum eine Pfote in ausgeräumte Landschaften, sondern bevorzugt naturnahe, strukturreiche Wälder. Bis vor etwa 200 Jahren war das gesamte deutsche Mittelgebirgsland mit seinen Wäldern von der Wildkatze bewohnt. Im 19.Jahrhundert wurden die Katzen durch staatliche Abschussprämien an den Rand der Ausrottung getrieben, weil man fälschlicherweise davon ausging, dass die Art Rehe angreift. Seit 1934 gilt inzwischen der Schutz vor Bejagung und hat dazu geführt, dass etwa 5000-7000 Tiere durch die Wälder Deutschlands streifen. Der Verlust naturnaher Wälder und vor allem die Zerschneidung ihres Lebensraumes durch strukturarme Agrarlandschaften und Straßen haben die Wildkatze auf die Rote Liste gebracht. Übrigens: felis s. silvestris – die europäische Wildkatze – ernährt sich fast ausschließlich von Mäusen.

Der BUND erforscht bereits seit Jahren die Lebensweise und Verbreitung der seltenen Art in seinem „Rettungsnetz Wildkatze“. Übergreifendes Ziel des Projektes ist ein Verbund aus Wäldern durch grüne Korridore aus Büschen und Bäumen. Diese Biotopvernetzung hilft nicht nur der Wildkatze, sondern auch vielen anderen Arten des Ökosystems Wald. BUND-Sprecher Harald Hoppe: „Wir sehen in unserem Projekt die Möglichkeit, den Gedanken der Biodiversität an einer Beispielart vor Augen zu führen. Dort, wo wie Wildkatze einen Lebensraum findet, können unzählige Tier- und Pflanzenarten gedeihen, für die in der vom Menschen geprägten und genutzten Landschaft sonst kein Platz mehr ist.“

Alle freiwilligen Helferinnen und Helfer der vergangenen Saison sind auch im kommenden Winter wieder mit dabei. Weitere Informationen unter wildkatze@bund-hessen.de oder bei Harald Hoppe unter 06163/912174.

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