Weihnachtsbrief 2013 von Landrat Dr. Brötel

 

24.12.2012   ·   0 Kommentare

Achim Broetel

(Foto: LRA)

In seinem traditionellen Weihnachtsbrief geht Landrat Dr. Achim Brötel in diesem Jahr auf das „Klinik-Desaster“ ein und schildert die Probleme, die alle Kreisgemeinden gemeinsam stemmen müssen, um dadurch zum Erhalt der Klinikstandorte beizutragen. Nachdem man zu Jahresbeginn noch den 40. Geburtstag des Neckar-Odenwald-Kreis gefeiert habe, folgte der Freude darüber das blanke Entsetzen als die finanzielle Schieflage offenbar wurde. Neben den Geldmitteln, die durch eine erhöhte Kreisumlage beschafft werden, müsse sich jeder Einwohner auch an die eigene Nase fassen und sich fragen, warum nur knapp die Hälfte des Patientenpotenzials ausgeschöpft werde. Die Maßnahmen, die man zur Sanierung ergreifen müsse, könnten zwar schmerzhaft werden, könnten sich aber lohnen, wenn am Ende ein „gesunder Patient“ stehe.

Vieles sei im ablaufenden Jahr aber auch positiv verlaufen, betont Brötel. So habe man im Bereich der Kleinkindbetreuung zukunftsfähige Versorgungsstrukturen geschaffen, den Erweiterungsbau der DHBW Mosbach auf den Weg gebracht und die Flüchtlingsunterkunft in Hardheim fertiggestellt. Außerdem nehme man nach wie vor eine landesweite Vorreiterrolle im Bereich der Erneuerbaren Energien ein, freut sich der Landrat.

Der Neckar-Odenwald-Kreis zeige sich quicklebendig, wozu viele Menschen durch ehrenamtliches Engagement maßgeblich beitragen. 




Nachfolgend dokumentieren wir das Schreiben von Dr. Achim Brötel für unsere Leser.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

wieder einmal neigt sich ein Jahr seinem Ende entgegen. Zeit, um Bilanz zu ziehen und Pläne für die Zukunft zu schmieden. „The same procedure as every year“? Nein, dieses Mal sicher nicht. 2013 war für den Neckar-Odenwald-Kreis nämlich ein extrem schwieriges Jahr. Eines mit vielen Fragen, aber nur wenigen Antworten. Ein Jahr, das auch für mich selbst völlig anders verlaufen ist, als ich es mir zunächst vorgestellt hatte.

Eigentlich hätte es unbeschwert und fröhlich werden sollen. Das Jahr unseres Kreisjubiläums. Seit 40 Jahren gibt es den Neckar-Odenwald-Kreis. Das Trennende ist inzwischen längst Geschichte. Nie war mehr Einheit als heute. Das ist eine hervorragende Ausgangsbasis für die Zukunft. Deshalb haben wir diesen Geburtstag auch gefeiert: mit einem festlichen Jubiläumskonzert in der „Alten Mälzerei“, aber auch einem großen Tag der offenen Tür zur Einweihung unseres neuen Hauptsitzes in Mosbach.

Der Freude folgte dann aber das blanke Entsetzen, als wir zur Jahresmitte mit einer finanziellen Hiobsbotschaft aus den Neckar-Odenwald-Kliniken konfrontiert worden. Und: es sollte leider nicht die letzte bleiben. Erst Ende August wurde schließlich das gesamte Ausmaß der Schieflage bekannt. Wie konnte es passieren, dass das niemand vorher bemerkt haben will? Selten hat eine Frage die Menschen im gesamten Kreisgebiet mehr beschäftigt, aufgewühlt, betroffen, teilweise aber auch wütend gemacht. Und: Ich kann sie verstehen. Da steht einfach zu viel auf dem Spiel. Es geht um die Grundlagen der Daseinsvorsorge in unserem Landkreis.

Natürlich müssen die Gründe, die zu der Schieflage geführt haben, umfassend aufgearbeitet werden. Zu glauben, dass mit einer einzigen Personalentscheidung das Problem gelöst ist, wäre aber sicher ein fataler Trugschluss. Es liegt deshalb noch ein hartes Stück Arbeit vor uns. Auch dafür wird es nicht immer nur Beifall geben. Im Interesse der Sache führt aber gar kein Weg daran vorbei.

Wir haben allerdings auch eine besondere Verantwortung für die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung im gesamten Kreisgebiet und nicht zuletzt für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kliniken. Dieser Verantwortung werden und müssen wir uns stellen. Das geht aber nur, wenn wir zusammen mit dem neuen Geschäftsführer Norbert Mischer den Blick auch wieder nach vorne richten.

Jetzt ist unsere Solidarität gefragt. Die Städte und Gemeinden, aber auch der Kreistag haben ihre Solidarität schon bewiesen. Im kommenden Jahr müssen wir die Kreisumlage zur weiteren Finanzierung der Kliniken deutlich anheben. Ich weiß: Das ist Geld, das für Maßnahmen vor Ort fehlt. Es ist aber auch Geld, das wir dringend brauchen, um die Neckar-Odenwald-Kliniken in öffentlicher Trägerschaft halten zu können. Nur das sichert uns nämlich auch künftig eine qualitativ hochwertige und zugleich wohnortnahe medizinische Versorgung der Landkreisbevölkerung an 365 Tagen und in 365 Nächten im Jahr. Private Krankenhausketten, die ausschließlich gewinnorientiert arbeiten, werden das nicht im selben Maße tun. Dafür gibt es landauf landab viele negative Beispiele.

Letztlich sind wir dabei aber auch alle selbst gefragt. Momentan erreichen wir zusammen mit dem kommunalen Belegkrankenhaus in Hardheim nur knapp über der Hälfte des möglichen Patientenpotentials. Auf Dauer ist das, zumal bei weiter sinkenden Einwohnerzahlen, sicher zu wenig.

Und: Wir werden wohl nicht umhin kommen, das, was wir im Interesse der Menschen vorhalten, auch strukturell umzubauen, um es bezahlbar zu machen. Wahrscheinlich werden damit im einen oder anderen Fall Eingriffe verbunden sein, die richtig weh tun. Wenn es nachher aber dazu führt, dass unser Patient wieder gesund wird, ist das im wahrsten Sinne des Wortes zu verschmerzen.

2014 wird deshalb ein Jahr der wichtigen Weichenstellungen werden. Lassen Sie uns gemeinsam die Neckar-Odenwald-Kliniken auf das rechte Gleis setzen, damit sie endlich wieder unbelastet von quälenden Sorgen das tun können, was sie ganz ausgezeichnet machen, nämlich für die Menschen da zu sein, die medizinischer Hilfe bedürfen.

Vieles andere ist im zu Ende gehenden Jahr aber auch sehr positiv gelaufen. Ich will nur einige wenige Beispiele dafür nennen. Bei der Kleinkindbetreuung haben die Städte und Gemeinden, sowie die kirchlichen und freien Träger im gesamten Kreisgebiet weiter bedarfsgerechte und zukunftsfähige Versorgungsstrukturen geschaffen, in Adelsheim schreiten die Arbeiten für den Bau der Ortsumfahrung zügig voran, in Mosbach investiert das Land in einen Erweiterungsbau für die Duale Hochschule, die kreisweite Breitband-Versorgung geht in die zweite Runde, in Haßmersheim hat der Bau des Neckarstegs begonnen, die Erweiterung unserer Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Hardheim ist fertig gestellt worden, wir nehmen nach wie vor eine landesweite Vorreiterrolle im Bereich der Erneuerbaren Energien ein und und und ….

Man sieht also: Der Neckar-Odenwald-Kreis ist und bleibt quicklebendig. Dazu tragen nicht zuletzt aber auch die vielen Menschen maßgeblich bei, die sich bei uns ehrenamtlich engagieren. Ihnen allen danke ich deshalb erneut für Ihren großartigen Einsatz.

Gehen wir es weiter gemeinsam voller Zuversicht an. Wie hat es Wilhelm Busch einmal so schön formuliert: „Prosit Neujahr! Ob gut oder schlecht, wird später klar. Doch bringt’s nur Gesundheit und fröhlichen Mut und Geld genug, dann ist’s schon gut“. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien von Herzen eine besinnliche Weihnachtszeit, sowie Gottes Segen und dann einen guten Start in ein hoffentlich für uns alle gesundes, glückliches und friedvolles neues Jahr 2014.

Auf Weihnachtskarten oder Geschenke haben wir erneut verzichtet und den entsprechenden Betrag stattdessen dem Verein „Dienst am Nächsten“ e.V. in Hardheim gespendet, der bei der Betreuung der Asylbewerber in unserer Gemeinschaftsunterkunft wertvolle Dienste leistet.

Ihr

Dr. Achim Brötel

Landrat

 

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