„Ist uns Geborenwerden nichts mehr wert?“

Mosbacher Hebammen im Gespräch mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Dorothee Schlegel 

Mosbach. (pm) „Die aktuellen Probleme der Hebammen stehen nicht nur im Bundestag in Berlin auf meiner Agenda. Sie beschäftigen mich genauso vor Ort in meinem Wahlkreis, denn sie betreffen werdende Mütter und Väter insbesondere im ländlichen Raum, für den Familienfreundlichkeit ein wichtiges Markenzeichen bleiben muss. In meinem Mosbacher Wahlkreisbüro habe ich daher am 15. April 2014 örtliche Hebammen empfangen und mich intensiv mit ihnen ausgetauscht. Eindringlich schilderten sie die Sorgen und Probleme, mit denen sie derzeit konfrontiert werden.

Auf den Punkt brachte eine Hebamme die Problematik mit der Frage: ‚Ist uns das Geborenwerden denn nichts mehr wert?‘“, berichtet Dr. Dorothee Schlegel, MdB, nach dem Treffen.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete fährt fort: „Der hohe Stellenwert der Hebammen ist auch im Hebammengesetz festgeschrieben. In Paragraf 4 heißt es darin: ‚Die Ärztin und der Arzt sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass bei einer Entbindung eine Hebamme oder ein Entbindungspfleger zugezogen wird.‘ Diese Regelung setzt natürlich voraus, dass es genügend Hebammen gibt und dass bei jeder Geburt, ob zuhause, im Geburtshaus oder mehrheitlich in der Klinik, auch bei einem Kaiserschnitt, zuallererst eine Hebamme vor Ort sein muss.




Hintergrund für das aktuelle Gespräch sind auch die enorm gestiegenen Prämien der Berufshaftpflichtversicherungen. Mit ihrem Gehalt können weder freiberufliche noch angestellte Hebammen diese Summen tragen. Damit verschärft sich insbesondere die Situation der Versorgung und Begleitung von werdenden Müttern durch freiberufliche Hebammen bei der Geburt. Hebamme zu sein darf nicht zum persönlich zu tragenden „unternehmerischen Risiko“ werden. Denn dies widerspricht der Familienfreundlichkeit, die nicht nur Herzensangelegenheit sein sollte, sondern sich auch in konkreten Unterstützungsleistungen bemerkbar machen muss. Aus finanziellen Gründen geben daher viele Hebammen auf. Geburtshäuser und Geburtsstationen in einzelnen Krankenhäusern schließen. Gerade hier darf aber von keiner Seite her gespart werden. Die schwangeren Frauen verlieren sonst ihr Recht auf freie Selbstbestimmung des Geburtsortes. Zudem müssen sie vor allem in ländlichen Regionen oft viele Kilometer zurücklegen, um zum nächsten Krankenhaus mit Geburtsstation zu gelangen. Hier muss die Politik gemeinsam mit allen Beteiligten dringend eine Lösung finden, um alles dafür zu tun, keine Geburtsstation auch im ländlichen Raum schließen zu müssen. Auch als Kreisrätin werde ich mich im Kreistag für die Belange der Hebammen stark machen“, so Dr. Schlegel abschließend.

Unsere News jetzt auch einmal täglich per Mail

© www.NOKZEIT.de


Artikel empfehlen:

1 Kommentar

  1. Wenn der Beruf der Hebamme, trotz staatlich gewährten Sonderrechten, nicht auskömmlich ausgeübt werden kann, muss das Berufsbild und die damit verbundenen Rechte überdacht werden. Offensichtlich ist der schaden durch die Hebammen-Tätigkeit grosser als deren Nutzen. Anders kann man eine Haftpflicht Prämie von mehr als 6000€ im Jahr nicht bewerten. Schließlich bildet die Prämie das Risiko ab.

Kommentare sind deaktiviert.