„40 Jahre Neckar-Odenwald-Kreis“

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Was dann? – Eine Standortbestimmung auf dem Weg in die Zukunft“

Mosbach/Buchen. (pm) Den Verantwortlichen in der Politik des seit 1. Januar 1973 bestehenden Neckar-Odenwald-Kreises ist es mit den Bürgern und ihren Gemeinden gelungen, den Zusammenschluss der beiden Vorgängerkreise Buchen und Mosbach so zu gestalten, dass dieser neue Kreis anerkannt wird und sich sehen lassen kann.

Anhand zahlreicher Parameter konnte überzeugend dargestellt werden, dass – bei allen strukturellen Problemen eines entlegenen ländlichen Raums – die erstarkte Wirtschaftskraft, die niedrige Arbeitslosigkeit, die Bildungs- und Ausbildungsplatzangebote, die gute Klinikstruktur und die zunehmende Vernetzung mit den Wirtschafts- und Bildungszentren den Neckar-Odenwald-Kreis prägen.

Natürlich gibt es eine Reihe von Problemen, die sich im Wesentlichen an folgenden Kernpunkten festmachen: die rückläufigen Bevölkerungszahlen, die Verschiebungen in der Bevölkerungsstruktur und die Abwanderung der Jugend. Die Zentralisierungstendenz auf zahlreichen Gebieten befördert die Ausdünnung der ländlichen Räume. Die unzureichende Verkehrsinfrastruktur auf den Straßen und Schienen einerseits, die rückläufige Auslastung der bestehenden Infrastruktur bei sinkenden Bevölkerungszahlen andererseits sind verschärfende Schwierigkeiten, aus denen sich eine Reihe von notwendigen Aktivitäten ergibt. Diese haben bei den staatlichen Rahmenbedingungen von Bund und Land anzusetzen, aber auch im eigenen Aufgabenbereich.

Die sich schleichend, aber – über die Jahre betrachtet – in aller Deutlichkeit abzeichnenden Folgeprobleme der Bevölkerungsentwicklung macht nach gemeinsamer Auffassung notwendig, die generelle Finanzausstattung der ländlichen Räume und in diesem Zusammenhang den kommunalen Finanzausgleich in Baden-Württemberg umzustrukturieren.

Es genügt nicht, den demografischen Wandel (Junge werden weniger, Alte werden mehr) zu beschreiben. „Es muss gehandelt werden“, sagte Gerhard Raab, der als stellv. Vorsitzender der SU die Mosbacher Veranstaltung leitete. Die Bundes- und Landespolitik sei aufzufordern, „der Zentralisierungswut“ entgegenzuwirken, sagte Landrat Achim Brötel.

Unter Hinweis, dass die Einwohnerzahl des Kreises in zehn Jahren um rund 10.000 abgenommen hat, wird festgehalten, dass der frühere Ausgleich der Abwanderung durch Zuwanderungen seit Jahren ausbleibt. Von daher ist alles zu unternehmen, dass es attraktive Arbeitsplätze gibt und der Kreis so ausgestattet ist, dass er für seine Bewohnerinnen und Bewohner Lebensqualität darstellt. Das gilt auch für Zuwanderer, für die es eine Willkommenskultur geben muss.



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Nach übereinstimmender Auffassung von SU und Landrat ist es notwendig, die Verkehrsinfrastruktur zu verbessern. Vor allem ist die Anbindung an die umgebenden Ballungsräume und an das Fernverkehrsnetz wichtig. Dies betrifft den Straßenbau gleichermaßen wie den Schienenverkehr. „Mit einem Radwegenetz, so wichtig dies ist, lässt sich die Verkehrszukunft nicht gestalten“ sagte Manfred Pfaus, SU-Vorstandsmitglied.

Wenn qualifizierte Leute in ihrer unmittelbaren Umgebung nicht die notwendigen Arbeitsplätze finden, muss es gute Verkehrsverbindungen geben, um die Abwanderung dieser Leute zu verhindern. Dazu gehören auch schnelle Schienenverbindungen, bei allen Vorteilen, die die S-Bahn-Anbindung bringt.

Natürlich bildete in der Mosbacher SU-Veranstaltung die in der Öffentlichkeit zum Teil sehr negativ besetzte Diskussion um den Zustand der Neckar-Odenwald-Kliniken eine wesentliche Rolle. Landrat Dr. Brötel räumte das vielfache, primär wirtschaftliche Fehlverhalten der Klinikgeschäftsführung ein, verwies aber auf bereits erfolgte und weiter andauernde Bemühungen, die personellen und wirtschaftsorganisatorischen Strukturen nachhaltig zu verbessern. Erste Erfolge könnten nachgewiesen werden.

Nach den Worten von Landrat Dr. Brötel gibt es drei Säulen, die als Ursachen der Klinikprobleme auszumachen sind.

Die Gesetzeslage zur Krankenhausfinanzierung geht zu Lasten vor allem kleiner Kliniken, weshalb nahezu alle Kliniken in den ländlichen Räumen chronisch unterfinanziert sind.
Deshalb muss der Bundesgesetzgeber dringend Sicherstellungszuschläge für kleinere Häuser einführen.

Der Bevölkerungsrückgang, der zunehmende Altenanteil, begleitet durch die zwangsläufig großen Wege zu den ärztlichen Zentren, machen Forderungen aus der Bevölkerung verständlich, dass überall eine gute Ausstattung vorgehalten wird, auch wenn diese kaum zu finanzieren ist. Der Spagat zwischen den Forderungen einer rein betriebswirtschaftlich orientierten Krankenhausorganisation und einer auch an menschlichen Zügen und Wohnortnähe orientierten medizinischen Versorgung ist kaum lösbar.

Personelle Fehlbesetzungen undHandlungsweisen, die inzwischen auch Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen sind, haben die tatsächliche Lage für die Aufsichtsgremien verschleiert. Achim Brötel: „Die Konsequenzen sind aber gezogen.“

Die sehr kritisch verlaufene Diskussion schloss mit der Aufforderung, eine größtmögliche Transparenz der Klinikstrukturen zu schaffen, „Kleinkriege“, die im ärztlichen Bereich und an den Stammtischen stattfinden, zu beenden und den guten medizinischen Ruf der Kliniken herauszustellen. Es muss Vertrauen geschaffen werden, dass in den Kliniken Buchen und Mosbach eine von Zuwendung getragene gesundheitliche Arbeit stattfindet.

Die gefundenen Lösungsansätze sind zu unterstützen. Die allenthalben diskutierte Privatisierung durch Verkauf der Kliniken an Investoren wird abgelehnt. Beispiele zeigen, dass die Qualität der medizinischen Versorgung sinkt und dass der Problembereich Notfallmedizin, der durch viele strukturelle Fehlentscheidungen externer Organisationen den Kreis bereits jetzt negativ trifft, unmenschliche Züge erhält.

 Information: In der SeniorenUnion interessieren und engagieren sich Frauen und Männer über 60 für das politische Geschehen. Sie sind entweder Mitglied in der CDU oder stehen dieser Partei nahe. In aller Regel waren oder sind sie Mitglied in politischen Gremien und bringen von daher viel Erfahrung mit. Die SeniorenUnion lädt Fachleute ein und lässt sich in den zweimonatlich stattfindenden Nachmittagsveranstaltungen informieren. Sie entwickelt Positionen, die dann den politischen Entscheidungsträgern übergeben werden. Vorsitzender ist Hans Rüdinger (Mosbach), Stellvertreter sind Gabriele von Gemmingen-Guttenberg (Haßmersheim)  und Gerhard Raab (Buchen).

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