Sozialbericht – Hinter jeder Zahl ein Schicksal

Wir bleiben für Sie am Ball, spendieren Sie uns dafür einen Kaffee!

Ausschuss für Gesundheit und Soziales

Mosbach. Im Mittelpunkt der Sitzung des Kreistagsausschusses für Gesundheit und Soziales im Bürgersaal des Mosbacher Rathauses standen 121 Seiten voller Daten, Fakten, Schaubildern und Entwicklungen. Die Rede ist vom „Bericht zur Sozialen Sicherung im Neckar-Odenwald-Kreis, Berichtsjahr 2013/Ausblick 2014“, kurz Sozialbericht genannt, den Renate Körber in ihrer Funktion als Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales dem Gremium vorstellte. Verteilt wird die gedruckte Form des Sozialberichtes in der nächsten Kreistagssitzung am 14. Mai in Haßmersheim dann an alle Kreisrätinnen und -räte.  

Nach der Eröffnung der Sitzung durch Landrat Dr. Achim Brötel, einer kurzen Gedenkminute für den überraschend verstorbenen Caritas-Kreisvorsitzenden Franz Ertl und der Begrüßung durch den Hausherrn, Oberbürgermeister Michael Jann, übernahm Renate Körber das Wort. Der Landrat hatte schon vorab betont, dass es hinter den vielen Zahlen so sehr „menschelt“ wie sonst nirgends: „Hinter jeder Zahl und jedem Fall steht ein menschliches Einzelschicksal, von dem nicht selten auch ganze Familien oder soziale Gemeinschaften betroffen sind.“

Tatsächlich ist rein rechnerisch jede 13. Einwohnerin oder jeder 13. Einwohner im Kreis auf eine Form der sozialen Unterstützung angewiesen. In der Einzelbetrachtung konnte Renate Körber „Licht und Schatten“ ausmachen: Bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit einer Behinderung sind erneut deutliche Kostensteigerungen zu verzeichnen. Hier mahnte sie dringend die im Berliner Koalitionsvertrag versprochene Reform mit einer damit einhergehenden strukturellen Entlastung der Kreisfinanzen an. Spürbare Entlastungen gab es dagegen – trotz weiter steigender Fallzahlen und Kosten – bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, weil hier der Bund seit diesem Jahr 100 Prozent der Transferleistungen übernommen hat. Im Bereich Asyl und Integration verwies Renate Körber auf die Baumaßnahmen in der Gemeinschaftsunterkunft Hardheim, wo die Plätze von 195 auf 273 (mit Containern: 315) gesteigert werden konnten und die dem gegenüber stehenden Zuweisungszahlen, die sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt hätten. Künftig sollen deshalb auch verstärkt Unterkünfte in den Gemeinden in Anspruch genommen werden. „Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir in den 90er Jahren noch deutlich höhere Asylbewerberzahlen hatten“, merkte hier der Landrat an.



Flirten, Chatten & Freunde treffen

Die Aufwendungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) sind dank der guten Konjunktur tendenziell gesunken und die Jugendhilfe, deren Kosten bis 2012 immer mit einem dicken „Plus“ versehen waren, stagnierte 2013 geringfügig über dem Vorjahresniveau.

Schwerpunkte setzte die Fachbereichsleiterin unter anderem beim Thema Kinderarmut, das sie an der Hilfequote für unter 15-jährige festmachte. Diese Quote liegt im Kreis bei 6,1 Prozent und damit deutlich niedriger als in Baden-Württemberg (8,4 Prozent) und bundesweit (15,5 Prozent). „Das war für uns erfreulich: Kinder und Jugendliche sind bei uns seltener hilfebedürftig als im Landes- und erst recht im Bundesschnitt“, so Renate Körber. Der seit Beginn 2013 fest installierten Beratungsstelle für Kinderschutz stellte sie ein gutes Zeugnis aus: Bewusst niederschwellig seien hier über 100 Beratungen bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung und in jungen Familien erfolgt zuzüglich von dort koordinierten Einsätzen von Familienhebammen, über 50 Infoveranstaltungen zum Thema Kinderschutz und umfangreiche Netzwerk- und Projektarbeit. Schulsozialarbeit wird unter anderem dank eines Landkreisförderprogramms an 31 Schulen angeboten. Auch die Entwicklungen in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren –„Hier haben die Kommune und Träger unglaublich viel getan“ – und der Kindertagespflege streifte die Fachbereichsleiterin.

Kreisrätin Heide Lochmann (SPD) dankte der Fachbereichsleiterin abschließend für die Präsentation, für die in diesem Fachbereich geleistete Arbeit und für den Bericht, den sie als „einen der wichtigsten der Verwaltung“ bezeichnete.

Beratungsleistungen bei Erziehungsproblemen, eine Anlaufstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen sowie die Präventive Fachberatung Kindertagesstätten wurden bislang vom Caritasverband für den Neckar-Odenwald-Kreis und dem Diakonischen Werk der evangelischen Kirchenbezirke in einem Trägerverbund wahrgenommen. Die vertragliche Vereinbarung zwischen dem Landkreis und diesem Verbund war nach fünf Jahren ausgelaufen. Die Ausschussmitglieder stimmten einer neu gefassten Vereinbarung zu, die die genannten Aufgaben auch weiterhin dem Trägerverbund zu bestimmten Bedingungen überträgt und erneut fünf Jahre Laufzeit hat.  

Zum Weiterlesen: