Neckar-Odenwald-Kreis mit höchstem Krankenstand

Ausfalltage in der Region insgesamt deutlich über Landesniveau – Sonderanalyse untersucht Stress von erwerbstätigen Eltern

Mosbach. Der Krankenstand im Neckar-Odenwald-Kreis ist 2013 gestiegen. Die Ausfalltage aufgrund von Erkrankungen nahmen um 0,5 Prozentpunkte zu und damit wesentlich stärker wie in ganz Baden-Württemberg. Mit 3,9 Prozent hatte die Region den höchsten Krankenstand im Südwesten (Landesdurchschnitt 3,3 Prozent). Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1.000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 39 krankgeschrieben. Der niedrigste Krankenstand in Baden-Württemberg wurde mit 2,8 Prozent in Stuttgart, Heidelberg und dem Bodenseekreis verzeichnet.

Wie der aktuelle DAK-Gesundheitsreport für den Neckar-Odenwald-Kreis zeigt, veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr bei einigen Diagnosen der Krankenstand. Die größte Steigerung um 34 Prozent gab es bei den Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis. Die meisten Ausfalltage insgesamt entfielen auf Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden. Diese stiegen ebenfalls um über acht Prozent und waren Ursache für mehr als jeden fünften Fehltag im Kreis. Auch die psychischen Erkrankungen stiegen um 26 Prozent, liegen aber noch unter dem Landesdurchschnitt. Dagegen gingen die Verletzungen und Vergiftungen leicht zurück.

„Der hohe Krankenstand im Neckar-Odenwald-Kreis hat verschiedene Aspekte“, erklärt Ludger Geier von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Während Kurzzeit-Krankheiten wie Erkältungen für Arbeitgeber in der Regel leichter zu bewältigen sind, bedeuten längere Erkrankungen wie seelische Leiden meist größere Probleme.“ In Baden-Württemberg sind die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 um 80 Prozent gestiegen. Deshalb unterstütze die Kasse auch Unternehmen beim betrieblichen Gesundheitsmanagement und zeige Wege auf, wie sie die Beanspruchung ihrer Mitarbeiter durch effektive Prävention besser ausgleichen könnten.

Eltern und Kinderlose haben gleiche Stressbelastung im Job

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem aktuellen Gesundheitsreport speziell die Situation der sogenannten Rushhour-Generation. Die „Rushhour“ bezeichnet die Lebensphase zwischen 25 und 39 Jahren, in der sich vielfältige Anforderungen aus Beruf und Familie ballen. Die Krankenkasse hat dafür den Krankenstand ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 3.000 Männer und Frauen repräsentativ befragt. Ein Fazit: Obwohl viele Männer und Frauen ab 25 Jahren wegen Mehrfachbelastung unter Druck stehen, wirkt sich das kaum bei den Krankschreibungen aus. Sie fallen im Job seltener aus als jüngere Kollegen und sind kürzer krankgeschrieben als die Älteren. Im Vergleich zu den über 40-Jährigen haben sie 40 Prozent weniger Ausfalltage. Weiteres wichtiges Studienergebnis: Erwerbstätige Eltern leiden nicht mehr unter chronischem Stress als Berufstätige ohne Kinder.

Chronische Krankheiten kündigen sich an

„25- bis 39-jährige Arbeitnehmer sind besonders beansprucht“, so Geier. „Die Bewältigung der Rushhour gelingt ihnen meist ohne gesundheitliche Nachteile. Sollen sie aber bis zur Rente produktiv bleiben, müssen Arbeitgeber nachhaltig in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. Der in dieser Gruppe niedrigere Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter bereits erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“ In Baden-Württemberg waren zum Beispiel 40 Prozent bereits mit Rückenproblemen beim Arzt. Unter den häufigsten Diagnosen gab es neben akuten Beschwerden erste langfristige Beeinträchtigungen. Sechs Prozent der Männer ließen sich wegen Bluthochdruck behandeln, der meist durch Bewegungsmangel und Stress ausgelöst wird. Diese Krankheitsbilder können den Gesundheitszustand der Patienten langfristig erheblich beeinträchtigen.

Mütter sehen Karrierenachteil durch Kinder

Vor diesem Hintergrund ist es problematisch, dass erwerbstätige Eltern weniger auf ihre Gesundheit achten. Laut DAK-Studie machen viele Mütter und Väter im Spagat zwischen Job und Kindern Abstriche bei sich selbst. Berufstätige Eltern in Baden-Württemberg treiben nicht so oft regelmäßigen Sport und schlafen auch weniger als Kinderlose. Zwei Drittel der Befragten erwerbstätigen Eltern im Südwesten gibt an, nicht genug Zeit für sich selbst zu haben. Außerdem fürchtet jede zweite Mutter Karrierenachteile durch ihre Kinder. Bei den Vätern gibt dies nur jeder achte an.

Baden-Württemberger Betriebe haben Nachholbedarf

„In Sachen Familienfreundlichkeit haben viele Arbeitgeber in Baden-Württemberg noch Nachholbedarf“, betont Ludger Geier von der DAK-Gesundheit. Sehr oft lägen Wunsch und Wirklichkeit auseinander.

Laut Studie glauben sieben von zehn erwerbstätigen Eltern, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern. Aber nur 47 Prozent können solche Angebote nutzen. Deutliche Defizite gibt es auch bei Betriebskindergärten. Ferner wünschen sich 59 Prozent der Mütter und Väter, dass ihre Chefs und Kollegen bei der Terminplanung mehr Rücksicht nehmen. Aber nur ein Drittel der Befragten erlebt dies auch. Geier: „In der Arbeitswelt werden die Bedürfnisse vieler Eltern nicht berücksichtigt. Das erschwert die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Die DAK-Gesundheit hat rund 800.000 Versicherte in Baden-Württemberg, davon rund 11000 im Neckar-Odenwald-Kreis.

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