Tripple-Day mit Super-Wetter

Landwirte mit Mut zur Transparenz

Glaeserne Produktion 015

(Foto: Liane Merkle)

Werbung

Scheidental. (lm) Es passte einfach alles am Scheidentaler Tripple-Day der gläsernen Produktion. Super-Wetter, eine hervorragende Organisation, bestens vorbereitete Betriebe und wirklich für jeden die passende Möglichkeit, um von einem Hof zum anderen zu kommen.

Da gab es romantische Kutschfahrten mit dem Planwagen, die klimatisierte Shuttlebus-Variante, eine geführte Wanderung mit Geopark-Rangerin Sabine Beushausen und jeder Menge Infos über die reiche Natur des Odenwaldes und dann waren nicht wenige mit dem Fahrrad unterwegs zu den modernen landwirtschaftlichen Betrieben von Bernhard Schäfer, Peter Haas und Roland Hemberger, die nur zu gerne zeigten wie „Aus Gras Milch und Fleisch wird“, und zwar absolut tiergerecht, gesund und hygienisch.

Eröffnet wurde die Großveranstaltung, die wahre Völkerwanderungen in Bewegung gesetzt hatte, mit einem ökumenischen Gottesdienst in der mehr als gut besuchten Maschinenhalle von Bernhard Schäfer. Dabei gingen Pfarrer Stanislaus Zylinski und Prädikant Rolf Brauch vom kirchlichen Dienst auf dem Lande auf die wunderbare Schöpfung Gottes ein ebenso wie auf das allgemeine „Jammern auf hohem Niveau“, weil das Leid derzeit von als höchstes Gut gelte. Ganz anders die Demut der Landwirte, die Gottes Schöpfung wahren und überwiegend erkannt hätten, dass Dankbarkeit ihm gegenüber viel zufriedener macht als Jammern.

Bei der anschließenden offiziellen Eröffnung der gläsernen Produktion, die in Zusammenarbeit der drei genannten Betriebe mit dem Landwirtschaftsamt und dem Bauernverband organisiert worden war und im Beisein von MdB Alois Gerig, 1. Landesbeamten Martin Wuttke, Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger sowie 1. Vorsitzender Herbert Kempf und Geschäftsführer Andreas Sigmund vom Bauernverband erfolgte, dankten die Grußwortredner den ausführenden Betrieben für ihre Offenheit und ihren Mut, und der Dorfgemeinschaft für den erlebbaren Zusammenhalt.

Deutlich wurde zum einen das Lob von allen Seiten für die hervorragende Organisation dieser Tripple-Veranstaltung und zum zweiten der Mut, den die Landwirte mit der Transparenz ihrer Produktionen beweisen. „Sie leisten viel und zeigen einer breiten Öffentlichkeit, wie man heute in der Landwirtschaft überleben kann“. Hervorgehoben wurde auch, wie wichtig der Dialog zwischen der Bevölkerung und den Landwirten ist, die nur noch zwei Prozent ausmachen. Denn nur so können die Menschen verstehen, was auf den Bauernhöfen warum und wie gemacht wird, weshalb sie sich auf die Qualität ihrer regionalen Produkte unbedingt verlassen können.

Und wie wichtig der Zusammenhalt aller ist – auch um die schöne Odenwälder Landschaft zu erhalten und ihr die richtige Pflege zukommen zu lassen. Ortsvorsteher Klaus Schork hielt sich als Insider bewusst sehr kurz, um die spezielle Scheidentaler Mittagessenszeit um 11 Uhr nicht zu gefährden.

Und die konnte dann auch auf allen drei Höfen – je nach persönlichem Geschmack – eingehalten werden. Es gab aber auch jede Menge zu sehen und zu erfahren. So z. B. die unterschiedlichen Ausstellungen vom Maschinenring und von Herstellern landwirtschaftlicher Maschinen oder auch die Spezialisierung der einzelnen Betrieb, obwohl sie durchweg eine rd. 60prozentige Grünlandbewirtschaftung betreiben als großes Plus für die Landschaftspflege und damit den Erhalt des besonderen Reizes, der den Odenwald ausmacht, und denen die Qualität ihrer Produkte und die Liebe zu ihrem Beruf über alles geht. Dabei kommen sie sich nicht in die Quere, sondern ergänzen sich bestens.

Glaeserne Produktion 0706 005.jpg

(Foto: Liane Merkle)

So stand auf dem wirklich idyllischen Hof von Bernhard Schäfer die Milchproduktion auf allermodernstem technischen Niveau im Fokus, das der „Chef“ nur zu gern seinen zahlreichen Gästen erläuterte. Demnach erkennt sein Melkroboter nicht nur die Kuh, die den Stand betritt, sondern auch ihre Aktivität und ob sie vielleicht schon gemolken ist. Er reinigt selbständig die Zitzen, schließt die Melkdüsen an, misst Milchmenge und –qualität u.v.m. Als weitere Arbeitserleichterungen stellte Schäfer seinen flexiblen Futtertisch und den Spaltenroboter zum Säubern des Stallbodens vor. Weiter gab es am Infostand „Milch-Weis-heiten“ der Landesinitiative Blickpunkt Ernährung mit dem Milchshake-Fahrrad leckere Mixgetränke und einen Infostand über Betriebshelfer.


Fleckvieh und Milch waren auch am Hof von Peter Haas im Mittelpunkt des Alltags. Er beherbergt in einem modernen Boxenlaufstall rd. 140 Kühe und ein entsprechend großes Kälberdorf, das ein sog. „Milch-Taxi“ zur Arbeitserleichterung erfordert. Und er machte deutlich, dass seine komplette Ernte zur Fütterung der eigenen Tiere in bestimmten Komponenten benötigt wird. Als Bonbon für die Kinder wartete hier eine Strohhüpfburg und eine Hof-Ralley, außerdem bereicherten Infostände der Beratungsdienste Milchvieh und Ausbildungsberatung für landwirtschaftliche Berufe das Angebot ebenso wie die Ministranten mit Bauernhofeis und Milchshakes.

Wie beim Hof Schäfer erfolgte die Bewirtung durch die Dorfgemeinschaft. Wogegen Roland Hemberger seine Gäste beim großen Außenstall in der Aussiedlung Tannhalde selbstverständlich mit Bratwurst-Spezialitäten aus eigener Herstellung bewirtete und so seine Direktvermarktung von Qualitätsfleisch aus Mutterkuhhaltung als Mittelpunkt seiner Erzeugnisse vorstellte. Seine etwa 150 Rinder der französischen Fleischrasse Limousin sind von Mitte April bis Ende November auf den rd. 60 Hektar Weideland zu finden. In einem Film wurde erläutert, dass gerade diese Rinderrasse bestens geeignet ist für das raue Klima des Odenwaldes und seine Magerwiesen.

Und ganz nach dem Motto des Tages: „Aus Gras wird Milch und Fleisch“ wird Freilandhaltung für die Limousin-Rinder bei Hembergers ganz groß geschrieben, aufgrund der Nachfrage aber auch für Puten, Hähnchen und Schweine. Wurst und Fleischwaren werden ausschließlich aus eigener Schlachtung direkt vermarktet. Neben Ponyreiten für die Kleinen gab es außerdem Informationen zur Flurneuordnung für die Großen.

Alles in allem ein runder Tag voll interessanter Informationen und Erlebnisse, der Hundertprozent bewies, dass es im Odenwald keine Kühe gibt, die lila sind, dafür aber moderne Bauern, die ihr Handwerk verstehen. 

© www.NOKZEIT.de


Werbeanzeigen

Artikel empfehlen: