„Es gibt mehr, als was wir sehen“

Weihbischof beauftragt drei Frauen und einen Mann als Gemeindereferenten

Lahr / Freiburg. (pef) Weihbischof Dr. Bernd Uhl (Freiburg) hat Christen dazu aufgerufen, sich nicht mit dem Offensichtlichen zu begnügen. „Heutzutage meinen manche, dass Gott ein bloßes Phantom sei. Sie wollen nur glauben, was sie sehen. Diese Leute sind manchmal schnell fertig mit Gott“, sagte Uhl bei der Beauftragung von drei Frauen und einem Mann zu Gemeindereferenten am Samstag in der Lahrer Kirche St. Peter und Paul. Wer sich mit dem Offensichtlichen begnüge, müsse sich auch nicht an­strengen: „An Gott glauben erfordert aber schon einmal ein Nachdenken.“ Es er­fordere Weisheit: Man müsse lernen, durch die Dinge hindurchzuschauen. „Glaube an Gott erfordert die Kraft der Abstraktion. Es gibt nämlich mehr, als was wir sehen“, sagte Uhl. Geist, Kreativität, Herrlichkeit, Ideen und Gott könne man nicht sehen, „aber doch erahnen, wenn man Zeit und Geduld aufbringt, hinter die Kulissen, das heißt, tiefer zu schauen. Gott lässt sich finden, wenn man sich Mühe gibt, zu ihm aufzusteigen“.

Uhl: „Sich nicht mit dem Offensichtlichen begnügen“

Nach den Worten von Weihbischof Uhl haben die neuen Gemeindereferenten „sich echt um Gott bemüht; denn Ihre ganze Ausbildung hatte kei­nen anderen Sinn“. Im Studium hätten sie feststellen müssen, dass Theologie Mühe koste: „Gerade die Exegese warnt uns vor dem allzu Offen­sichtlichen. Was da geschrieben steht, hat vielleicht einen ganz anderen Sinn, als was man meint und für Gottes Wort hält.“ Nachdenken bleibe einem nicht erspart. Verunsicherung könne aufkommen: „Auch Dog­matik und Moraltheologie sind nicht einfach festgefügte Lehrsätze und Hand­lungsanweisungen Gottes – es gab und gibt da immer eine Entwicklung.“ Weihbischof Uhl sagte: „In gewisser Weise ist der unsichtbare Gott schon ein anstrengender Gott.“ Die Theologie sei ein wichtiger Weg, sich ihm zu nähern. Der Weihbischof forderte die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kirche auf: „Bleiben Sie Theologen als Gemeindereferenten!“

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Mit ganzem Herzen: Hoher Anspruch!

Deren Motto lautet: „Mit ganzem Herzen“ – es knüpft an das Gebot Jesu an, man solle Gott mit ganzem Herzen lieben. Weihbischof Uhl sagte in seiner Predigt zu den Gemeindereferenten wörtlich: „Das ist ein hoher Anspruch, den Sie da an sich stellen. Er bedeutet, sein Denken und Tun auf Gott zu fokussieren. Alles mei­nem Gott zu Ehren: So heißt es etwas altmodisch im bekannten Kirchenlied. Sie wollen alles tun, um Gott zu gefallen. Ihr tägliches Leben ist vom Gebet ge­tragen. Die Herausforderungen des Alltags nehmen Sie als Auftrag Gottes an. Sie machen keine halben Sachen, wenn es um die Verkündigung des Gotteswor­tes geht. Sie gehen dem Wort auf den Grund und speisen niemand mit Halb­wissen, persönlichen Befindlichkeiten oder Aufgewärmten ab. Sie geben Ihr Bestes, wenn es um Gott und den Dienst am Nächsten geht.“ So werde ihnen im Vergleich zu Gott alles andere neben­sächlich sein: „Man muss zwar viel Zweitrangiges und Alltägliches in seinem Leben tun; aber man darf nicht darin aufgehen.“

Gemeindereferenten sind hauptamtliche Mitarbeiter der Erzdiözese Freiburg in katholischen Pfarreien. Sie haben eine mehrjährige theologische und gemeindepraktische Ausbildung absolviert und arbeiten im Seelsorgeteam einer Gemeinde. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Sakramentenkatechese (etwa das Vorbereiten auf die Erstkommunion oder die Firmung), das Leiten von Wortgottesfeiern, Andachten und Beerdigungen, das Begleiten verschiedenster Gruppierungen sowie der Religionsunterricht an Grund- und Werkrealschulen.

Die neuen Gemeindereferenten und ihre Einsatzorte:
Sigrid Billi unterstützt die Seelsorge in der Seelsorgeeinheit St. Martin und St. Gallus in Konstanz, Marisa Feger-Zeller arbeitet im Seelsorgeteam der Seelsorgeeinheiten Lahr und Schuttertal, Christoph Köninger in der Seelsorgeeinheit Freudenberg und Luise Reiland ist in den Seelsorgeeinheiten Mosbach und Elz-Neckar im Einsatz.

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