Reduzierter Stellenumfang bei Suchtberatung

Hirschlanden.Im Mittelpunkt der Sitzung des Ausschusses für Gesundheit und Soziales, der erstmals in der neuen Zusammensetzung zusammentrat, standen zum einen die Suchtberatung im Kreis und zum anderen der geplante Gesundheitswegweiser. Sitzungsort war das Rathaus-Museum in Hirschlanden. Aufgrund der beengten Verhältnisse könne hier, so Bürgermeister Baar bei der Begrüßung, die er auch im Namen von Ortsvorsteher Martin Herrmann vornahm, „der enge Schulterschluss ganz praktisch geübt werden, den es für anstehende Problemlösungen ohnehin braucht.“

Nachdem Kreisrat Heribert Fouquet (Freie Wähler) aus Hardheim erneut zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses gewählt worden war, leitete Landrat Dr. Achim Brötel über zur Suchtberatung, die im Auftrag des Kreises vom Baden-Württembergischen Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV) wahrgenommen wird. Der derzeitige Vertrag läuft aber Ende 2014 aus. „Das bietet uns den Anlass für eine Bestandsaufnahme“, erklärte der Landrat: „Daraus ist dann ein neuer, leicht modifizierter Vereinbarungsentwurf entstanden, der sowohl dem BWLV als auch dem Landkreis gerecht wird.“ Tatsächlich wird in dem neuen Vertrag der Stellenumfang von bisher 4,5 auf künftig nur noch 4,0 Fachkraftstellen reduziert, was auch durch die vorgelegte Fallzahlenentwicklung gestützt wird. Das Beratungsangebot bleibt unverändert mindestens in den Mittelzentren Mosbach und Buchen bestehen. Dafür erhält der BWLV, der zur Finanzierung 15 Prozent Eigenanteil zu leisten hat, einen Zuschuss in Höhe von 214.620 Euro für 2015. In einer „Bilanz- und Planungsrunde“ soll die Entwicklung begleitet werden, der Vertrag hat eine Laufzeit von drei Jahren.

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In der sich anschließenden Fragerunde erklärte Karl Pfeil, Leiter der Fachstelle Sucht in Mosbach, dass synthetische Drogen wie crystal meths derzeit noch keine Rolle im Kreis spielen würden: „Nach wie vor haben zwei Drittel unseres Klientels eindeutig Probleme mit Alkohol.“ Die Kreisrätinnen und -räte betonten unisono die Unverzichtbarkeit einer kompetenten Suchtberatung und beschlossen schließlich einstimmig die weitere Beauftragung des BWLV zu den im Vertrag festgehaltenen Bedingungen.

Auf einen Antrag der SPD-Kreistagsfraktion geht die geplante Erstellung eines Gesundheitswegweisers für den Neckar-Odenwald-Kreis zurück. Darin sollten nach Vorstellung der Fraktion Ärzte und Therapeuten zu finden sein, die im Kreis praktizieren. Man will so dem Phänomen begegnen, dass viele Kreisbewohner nach wie vor Hilfe außerhalb suchen, weil sie über das Angebot vor der eigenen Haustüre einfach nicht ausreichend informiert sind. Bei der Verwaltung renne man mit dieser Idee offene Türen ein, zumal man, so Landrat Dr. Brötel, mit ähnlichen Broschüren wie dem Familienwegweiser oder dem Seniorenwegweiser bereits sehr gute Erfahrungen gemacht habe. „Ganz nebenbei geht es hier aber übrigens auch um Wertschöpfung im und für den Kreis, nämlich einen sozialen Mehrwert“. In einem ersten Konzept wolle man allerdings zweigleisig fahren: Einerseits eine gedruckte Broschüre, andererseits eine digitale Lösung im Internet, die den Vorteil hätte, dass sie immer wieder ohne großen Aufwand aktualisiert werden kann. „Die Printversion ist im Zweifel vielleicht schon am Tag des Drucks nicht mehr ganz aktuell“, so der Landrat. Eine rege Diskussion schloss sich an über Vor- und Nachteile der jeweiligen Versionen. Unter anderem sprach sich Kreisrat Michael Jann (CDU) klar für eine Print-Version aus, mit der man in Mosbach bei ähnlichen Broschüren sehr gute Erfahrungen gemacht habe: „Das ist einfach ein Nachschlagewerk, das man wie das Telefonbuch in der Schublade ablegen kann.“ Die aufwändige Realisierung ist im Übrigen stufenweise geplant. Zunächst sollen die medizinischen und therapeutischen Angebote sowie die Krankenkassen und Beratungsstellen erfasst werden, später könnte der Wegweiser dann auch noch um gesundheitliche Leistungen von ehrenamtlichen Einrichtungen wie Selbsthilfegruppen, Vereinen oder Volkshochschulen ergänzt werden. Kreisrätin Heide Lochmann bedankte sich als Fraktionsvorsitzende der SPD für die prompte Umsetzung. Die Ausschussmitglieder stimmten dem Konzept und der Herausgabe in dieser Form zu. „Das wird kein Faltblatt, das wird schon eine recht umfangreiche Broschüre“, kündigte Peter Fieger von der Zentralstelle im Landratsamt an. Und Landrat Dr. Brötel ergänzte: „Dadurch wird dann aber auch deutlich, was wir tatsächlich alles hier vor Ort zu bieten haben.“

Bei „Mitteilungen und Anfragen“ berichtete Chefarzt PD Dr. Harald Genzwürker von den Neckar-Odenwald-Kliniken schließlich über die ersten gut zwei Wochen Betrieb des neuen Notarztstandortes Osterburken: „In 17 Tagen hatten wir 24 Einsätze, das ist mehr als zunächst prognostiziert.“

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