Nüstenbachtal soll Naturschutzgebiet werden

09 Wiese Demuth

Artenreiche Wiese im Nüstenbachtal mit gelb blühendem Hornklee, blauem Wiesen-Salbei, Margeriten und im Vordergrund einer Orchidee, der seltenen Hummel-Ragwurz. (Foto: Siegfried Demuth)

Mosbach. (pm) Das Regierungspräsidium Karlsruhe plant, im Nüstenbachtal und in den angrenzenden Gewannen ein Naturschutzgebiet auszuweisen.

Am 31. Juli werden Beate Müller-Haug und  Dr. Christoph Aly das Gebiet und die geplante Verordnung der interessierten Öffentlichkeit im bewirtschafteten Gästehaus Haaß vorstellen. Im Anschluss an einen Bildervortrag wird dazu eingeladen, den Planungsvorschlag mit den Referenten zu diskutieren. Das Regierungspräsidium legt großen Wert auf die Anregungen der örtlichen Bevölkerung, um diese im Verfahren berücksichtigen zu können.

Das geplante Naturschutzgebiet umfasst auf circa 146 Hektar die Lebensräume einer naturnahen Talaue und der angrenzenden Hangbereiche, ein kleinstrukturiertes Mosaik aus wärmeliebenden Gebüschen, mageren Wiesen, Halbtrocken- und Trockenrasen sowie ortsumschließenden Streuobstwiesen.

Ein Drittel des Schutzgebietes sind Wiesen, die auf Grund ihrer Ausdehnung und ihres Artenreichtums ein wertvolles Naturerbe sind. In zusammenhängender Fläche sind in dieser Ausdehnung artenreiche Wiesen im Neckar-Odenwald-Kreis sonst nicht mehr zu finden.

Die nachgewiesene Artenfülle ist beeindruckend: Im Nüstenbach lebt in Baden-Württemberg eine der letzten Populationen des Steinkrebses, der bei uns durch die Krebspest stark gefährdet ist, hier aber durch ein Wehr vor der Ansteckung geschützt ist. 49 Brutvogelarten wurden nachgewiesen, darunter die stark gefährdeten Arten Waldlaubsänger und Wendehals, die gefährdeten Arten Baumpieper und Feldlerche sowie Grün- und Schwarzspecht. Die Wiesen beheimaten nicht weniger als 59 Tagfalterarten, darunter den Großen Feuerfalter, sowie rekordverdächtige 19 Heuschreckenarten (in intensiv genutzten Wiesen findet man zwei bis drei Arten). Sieben Fledermausarten leben im Nüstenbachtal, darunter auch eine vom Aussterben bedrohte Art, das Graue Langohr. Das Regierungspräsidium stuft daher das Nüstenbachtal als ein Naturschutzgebiet von landesweiter Bedeutung ein.

Fast das gesamte Gebiet ist heute schon Landschaftsschutzgebiet, 80 Prozent sind heute schon als Teil des europäischen Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebietsnetzes geschützt. Zu 64 Prozent ist das Gebiet in privatem Besitz, 36 Prozent gehören der Stadt Mosbach, dem Land Baden-Württemberg oder dem Naturschutzbund NABU.

Die geplante Verordnung soll den abstrakten Schutz der Flora-Fauna-Richtlinie konkretisieren und den auf das Landschaftsbild ausgerichteten Schutz des Landschaftsschutzgebietes stärker auf den Schutz der vorhandenen seltenen Tier- und Pflanzenarten ausrichten. Besucher sind weiter auf den Wegen willkommen, bisher rechtmäßige Nutzungen und Einrichtungen genießen Bestandsschutz. Auch das Skifahren sowie die jährliche Mountainbike-Veranstaltung sind weiter möglich.

Zentrales Anliegen der Unterschutzstellung ist die langfristige finanzielle Absicherung der Wiesenpflege. Ohne öffentliche Mittel können artenreiche Wiesen nicht wirtschaftlich genutzt werden und werden nach Aufgabe der Mahd oder Beweidung zu Buschland und Wald. Diese Entwicklung ist in vielen Tälern des Schwarzwaldes und des Odenwaldes zu beobachten und soll hier aufgehalten werden. Als Naturschutzgebiet gehört das Nüstenbachtal zu den amtlich anerkannten, naturschutzfachlich wertvollsten Kulturlandschafts-Lebensräumen des Landes Baden-Württemberg, die nicht mehr als 3 Prozent der Landesfläche ausmachen. Es wird deshalb auch in Zukunft von den finanziellen Mitteln der Naturschutzverwaltung profitieren.

© www.NOKZEIT.de


Werbung

Artikel empfehlen:

Walldürn: Jugendfahrrad entwendet

(Foto: privat) (ots) Das Fahrrad eines 15-jährigen Mädchens wurde im Zeitraum zwischen Montagmorgen, 8 Uhr, und 13 Uhr, vom Fahrradstellplatz am Bahnhof Walldürn gestohlen. Das [...]

Jugendliche aus Israel zu Gast

(Foto: privat) Mosbach. (pm) Nachdem 2016 erstmalig eine israelische Delegation dem Mosbacher Rathaus einen Besuch abstattete und im folgenden Jahr der Gegenbesuch in Israel stattfand, [...]