„Er hat Großes für Wertheim geleistet“

Oberbürgermeister Stefan Mikulicz würdigt Karl Josef Scheuermann

Wertheim. (pm) Der Wertheimer Ehrenbürger und frühere Oberbürgermeister Karl Josef Scheuermann ist am 25. Juli im Alter von 87 Jahren verstorben. Die Stadt Wertheim respektiert seinen Wunsch, dass anlässlich seiner Beisetzung auf Nachrufe verzichtet wird. Oberbürgermeister Stefan Mikulicz nahm die Gemeinderatssitzung am Montag zum Anlass, den Verstorbenen zur würdigen. „Wir verneigen uns in Trauer, aber auch in großem Respekt vor der Lebensleistung Karl Josef Scheuermanns. Er hat Großes für Wertheim geleistet.“ Die Würdigung vor dem Gemeinderat im Wortlaut:

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„Die Stadt Wertheim nimmt Abschied von ihrem langjährigen Stadtoberhaupt und Ehrenbürger Karl Josef Scheuermann. Wir trauern um einen geschätzten Mitbürger und Weggefährten. Die Stadt Wertheim hat ihm viel zu verdanken. Sein Name ist für immer untrennbar mit der Stadtgeschichte verbunden. Gemeinsam bezeugen wir seinem großen Lebenswerk unseren Respekt und unsere Anerkennung.

Als Karl Josef Scheuermann 1961 zum Bürgermeister gewählt wurde, war Wertheim eine Kleinstadt mit etwa 10.000 Einwohnern. Die infrastrukturelle Entwicklung hinkte den Erfordernissen hinterher, die der enorme Bevölkerungsanstieg nach dem Krieg geschaffen hatte. Der Schulraum war knapp, es fehlte an Kindergartenplätzen, und pro Einwohner standen statistisch weniger als 10 Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung.

20 Tage nach seinem damaligen Amtsantritt entschied sich der Gemeinderat auf Karl Josef Scheuermanns Vorschlag hin für die Bebauung des Wartbergs als Bundesdemonstrativbauvorhaben. Und so zügig, wie er das Problem der Wohnraumversorgung angegangen war, so zielstrebig leitete er auch Verbesserungen im Schul- und Kindergartenwesen ein, im Bau von Sportstätten und Gemeinschaftseinrichtungen. im Verkehrswesen und in der Altstadtsanierung.

Die Bürgerschaft vertraute Karl Josef Scheuermann und bestätigte ihn 1969 für die nächsten 12 Jahre in seinem Amt. Schon wenige Jahre später begann er mit großer und unermüdlicher Überzeugungskraft die Eingemeindung der umliegenden Ortschaften vorzubereiten. Sie mündete am 1. Januar 1976 in die Erhebung Wertheims zur Großen Kreisstadt. Dieses Datum markiert einen Meilenstein in der Stadtgeschichte. Ihm haben wir die heutige Bedeutung Wertheims zu verdanken.

 

Als seine Amtszeit 1981 endete, konnte Karl Josef Scheuermann mit großer Befriedigung auf ein Werk zurückschauen, das uns auch noch Jahrzehnte später mit Bewunderung erfüllt. Seine kommunalpolitische Schaffensperiode umfasste 20 Jahre. Es waren Jahre des Aufbaus und des Ausbaus, Jahre der enormen Veränderungen. Jahre, in denen Karl Josef Scheuermann oft Mut bewiesen und Weichenstellungen vorgenommen hat, die weit in die Zukunft wiesen. Weichenstellungen, ohne die wir uns Wertheim heute nicht mehr vorstellen können. Um nur einige Beispiele zu nennen: Was wäre Wertheim heute ohne das Berufliche Schulzentrum, die Odenwaldbrücke, den Mainhafen, ohne das Staatsarchiv, das Kirchenzentrum Wartberg oder die modellhaft in Dertingen begonnene Dorfsanierung? Was Karl Josef Scheuermann in seiner Amtszeit geschaffen hat, wirkt bis heute fort und bleibt über Generationen hinweg sichtbar.

Aber Karl Josef Scheuermann hat nicht nur Bauwerke und Stadtstrukturen hinterlassen, sondern auch bleibende Werte. Er lebte den Geist der Völkerverständigung: mit Begründung der Partnerschaft mit Salon de Provence in Frankreich war er Initialgeber für das dichte Geflecht europäischer Freundschaften, das Wertheim heute auch mit England, Italien und Ungarn verbindet. Er hat den Gedanken der Aussöhnung mit dem jüdischen Volk nicht nur im Herzen getragen, sondern in die konkrete Tat umgesetzt. Auch die Benennung des Gymnasiums nach Dietrich Bonhoeffer war ein Vorhaben, für das er mit Überzeugung und Leidenschaft eingetreten ist.

Nach der Zäsur 1981 setzte er seine Erfahrung und seine Fähigkeiten in neuen Aufgaben ein. So fungierte er als Berater Wertheimer Unternehmen im In- und Ausland, wirkte am Aufbau in den neuen Bundesländern mit und betreute als ehrenamtlicher Sozialarbeiter Menschen in Not.

Obwohl seine aktive politische Zeit lange zurückliegt, ist er in den Köpfen und Herzen vieler Menschen in Wertheim noch gegenwärtig. Die Trauer, die sich bei der Nachricht von seinem Tod über unsere Stadt gelegt hat, hat uns dies bewusst gemacht.

Karl Josef Scheuermann war ein außergewöhnlicher Mensch mit festen Grundsätzen und Werten. Mit enormer Kraft hat er sich für das Wohl unserer Stadt und seiner Menschen eingesetzt. Seine Gestaltungskraft, seine Autorität und Integrität haben unsere Stadt dauerhaft geprägt. Karl Josef Scheuermann hat Großes für Wertheim geleistet. Die Stadt Wertheim verneigt sich in Dankbarkeit vor ihrem Ehrenbürger und bedeutenden Stadtoberhaupt.“

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