Vom Bauland in die Ortenau

Harald Fritz setzt einzigartige Vollzugskarriere fort

Langjähriger Werkdienstleiter baut in JVA Offenburg Arbeitswesen auf

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(Foto: pm)

Adelsheim. (bd) Seine einzigartige Vollzugskarriere endet nicht „gemütlich“ im Bauland, nein – Harald Fritz nahm nach 14 Jahren im Adelsheimer Jugendgefängnis nochmals eine besondere Herausforderung an.

Seit dem Frühjahr sorgt sich der prägnante Werkdienstleiter um Arbeit und Ausbildung in der Justizvollzugsanstalt Offenburg und hat dort die Aufgabe die „Privatisierungsfolgen“ abzufangen. Denn die 2009 errichtete Anstalt war nicht nur in umstrittener „public-private-partnership“ von Privatinvestoren errichtet und vom Land geleast, auch wichtige Bereiche des Vollzuges, darunter der Bereich „Arbeit und Ausbildung“ waren privatisiert und an die Firma Kötter „outgesourct“ worden. Nachdem die angekündigte Kostenersparnis nicht erreicht und das Projekt vom Rechnungshof stark kritisiert worden war, beschloss die neue Landesregierung sämtliche Vollzugsbereiche wieder in Staatsverantwortung zu überführen.

Und als die Frage auftrat, wer wohl das Vollzugliche Arbeitswesen mit Erfahrung und Dynamik bestmöglich aufbauen und auf die Erfolgsspur bringen könne, da machte im Justizministerium schnell der für Tatkraft stehende Name Harald Fritz die Runde. Und dieser nahm, zum Bedauern der Adelsheimer Verantwortlichen, die Herausforderung an.

Für den aus Birkenfeld im Nordschwarzwald stammenden Fritz beileibe nicht die erste berufliche Neuorientierung innerhalb des Strafvollzugs. Schon mit 20 Jahren hatte er, nach absolvierter Schlosserlehre und Tätigkeit im Metallhandwerk, den Schraubenschlüssel mit der Vollzugsuniform getauscht und in der JVA Pforzheim die Ausbildung zum Assistenten angetreten, die er 1982 erfolgreich abschloss. Nach 13 Jahren im uniformierten Dienst, die ihm drei Beförderungen einbrachten, wechselte er Ende 1993 in den Werkdienst der JVA Pforzheim – die Meisterprüfung hatte er nebenberuflich abgelegt. Dort blieb er bis zum Frühjahr 2000, stieg zum Hauptwerkmeister auf und absolvierte „nebenher“ die Fortbildung zum „Betriebswirt des Handwerks“.

Am 17.04.2000 wechselte er zur Jugendstrafanstalt Adelsheim, wo er sich erfolgreich für die Stelle des Werkdienstleiters beworben hatte. Hier traf er seinen ersten Anstaltsleiter Dr. Joachim Walter wieder, der 1988 aus Pforzheim ins Bauland gegangen war. In Adelsheim wurde Fritz zu einem „Aushängeschild“ und einer „tragenden Säule des Jugendvollzugs“, wie Anstaltsleiter Rainer Goderbauer nun beim ersten Besuch des „Neu-Südbadeners“ Fritz Wirken würdigte. In den letzten 14 Jahren seien Fritz und der Geschäftsführer des Vollzuglichen Arbeitswesens, Dirk Schwenk, für nahezu 450 Berufsabschlüsse in der JVA und, zähle man Schweißkurse, Staplerscheine etc. zusammen, gut 1000 weitere Qualifizierungszertifikate maßgeblich verantwortlich.

Fritz habe entschieden dazu beigetragen, dass die Adelsheimer Betriebe ein verlässlicher und angesehener Partner von Industrie und Handwerk seien, das habe man „leider“ auch im Justizministerium bemerkt, wo Fritz sich höchstes Ansehen erworben habe. Ihm sei ein exzellenter Kontakt zu Kammern, Firmen und Berufsschulen zu verdanken, seine Netzwerk-Fähigkeit sei unübertroffen. Zu Recht sei er in den gehobenen Dienst aufgestiegen und habe 2005 das Spitzenamt des „Technischen Amtmanns“ übertragen bekommen.

Goderbauer hob auch Fritz‘ großes Talent hervor schwierige Probleme pragmatisch und lösungsorientiert zu bewältigen – „sagen Sie ruhig „hemdsärmlig““ warf Fritz dazu ein.

Harald Fritz, der sich als er zum 01. März in die Ortenau wechselte, jedes Aufsehen verbeten hatte, schilderte nun seine ersten Eindrücke der „ganz anderen Gefangenen- und Gefängniskultur“. Personalgewinnung, Auftragsakquise und Kundenbetreuung prägen seine Tage, ein wenig wehmütige Erinnerungen an Adelsheim blieben nicht verborgen. In den Sommerferien werden die Bauländer Zelte abgebrochen und für ihn und seine Frau Dunja steht die vollständige Umsiedlung nach Offenburg an. Und wie stets ist eine „Baustelle“ für Fritz nicht genug – er hat bereits eine Lehrtätigkeit an der Offenburger FH für Technik zugesagt.

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