Zum Abschied läuten die Glocken

Evangelische Gemeinden hoffen auf kurze Vakanzzeit – Mitglieder müssen nun zusammenstehen

KP Entpflichtung Reibold

Dekan Folkhard Krall (5.v.re.) und die Pfarrgemeinderäte der Waldbrunner Kirchengemeinden entpflichten Pfarrer Andreas Reimbold (li.) von seien Aufgaben auf dem Winterhauch. Ab September wird er neuer Pfarrer in Karlsruhe-Neureut. (Foto: Hofherr)

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Waldbrunn. Als Pfarrer Andreas Reibold am 01. Januar 1998 seinen Dienst auf dem Winterhauch antrat, läuteten die Glocken im Turm der evangelischen Kirche in Strümpfelbrunn, mehr als 16 Jahre später läuten neue Glocken, um den Seelsorger und seine Familie zu verabschieden. Zum 01. September wird Andreas Reibold Pfarrer der Waldenserpfarrei in Karlsruhe-Neureut. Dort endet damit die einjährige Vakanz. In einem feierlichen Gottesdienst mit vielen musikalischen Beiträgen der Kirchenchöre aus Strümpfelbrunn und Waldkatzenbach, des Singkreises und des Posauenchors, entbanden die Pfarrgemeinderäte Andreas Reibold von seinen Aufgaben auf dem Winterhauch.

Zwischen den beiden genannten Glockengeläuten liegen mehr als 16 ereignisreiche Jahre, hoben alle Redner und auch Pfarrer Andreas Reibold selbst im Rahmen eines Festgottesdienstes und des folgenden Empfangs im Gemeindehaus hervor. Höhepunkt und allen Beteiligten noch in bester Erinnerung ist die Weihung der neuen Glocken, die man für 80.000 Euro neu beschaffen musste. Als man damals erfahren habe, dass die Glocken abgesprochen seien, habe er zunächst etwas Verzweiflung empfunden, ließ Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Steck, der im Namen aller Gemeinden sprach, die Zuhörer und Pfarrer Reibold wissen. Doch im Vertrauen auf Gott und angesteckt durch den Optimismus des Seelsorgers seien die Zweifel schnell geschwunden. Als dann nach vielen Aktionen, wie ein Kochduell an dem unter anderem Bürgermeister Klaus Schölch und Pfarrer Pavo Ivkic teilnahmen, einer Radtour, auf der Sponsorengelder eingefahren wurden und viele weitere Veranstaltungen, bereits nach drei Monaten die gesamten 80.000 Euro beisammen gewesen seien, und im Oktober 2009 die Glockenweihe anstand, war die Freude in der Gemeinde riesengroß, so Steck. Überhaupt habe sich Reibold als wahrer Baumeister erwiesen. Manches Mal habe er schon das Gefühl gehabt, dass nur gebaut worden sei. Ob das Dach des Gemeindehauses, die Sanierung des Pfarrhauses, die Beschaffung einer neuen Orgel in der Weisbacher Kapelle, stets habe man zu tun gehabt. Und aller Unkenrufe zum Trotze, so Andreas Steck, habe es nie an Geld gemangelt.

Doch auch in der Seelsorge, ob nun mit der Zeltmission, dem Männervesper, der Bibel- und Glaubenskurse, der Übernahme der anderen Pfarreien wie Waldkatzenbach und dann noch Dielbach und Schollbrunn, stets habe man die Herausforderungen mit Gottes Hilfe bewältigt, spannte Steck den Bogen, als er den Reigen der zahllosen Redner beendete.

Doch bevor es soweit war, feierte man zunächst gemeinsam den Gottesdienst. Hier war es an Dekan Folkhard Krall das Wirken von Pfarrer Andreas zu würdigen. Er hob aber auch hervor, dass man auch in Zeiten des Abschieds nicht verzagen soll, sondern die neuen Herausforderungen als Chance begriffen werden müssen. Auch für die Gemeinde sei es sicher Trost, dass man mit vielen guten Ideen einen neuen Aufbruch wagen könne. In kurzen Worten ließ er Reibolds Werdegang in Strümpfelbrunn anhand einiger Daten Revue passieren. Nach Dienstantritt am 01. Januar 1998 habe Pfarrer Andreas Reibold im Jahr 2000 auch die evangelische Gemeinde Waldkatzenbach übernommen. Nach dem Weggang von Pfarrerin Martina Trump sei ihm dann auch noch die Verantwortung für die Vakanz der Gemeinden Dielbach-Schollbrunn auferlegt worden. Mit der Wahl in den Bezirkskirchenrat im Jahr 2002 sei  der Sachverstand von Andreas Reibold auch im Kirchenbezirk zum Tragen gekommen, ließ Dekan Krall die Gottesdienstbesucher wissen. Abschließend erinnerte auch er an die Glockenweihe und das damit verbundene Engagement.

Auch der katholische Amtskollege Matthias Stößer von der Seelsorgeeinheit Edith Stein – Hoher Odenwald würdigte seinen evangelischen Glaubensbruder und hob besonders dessen Verdienste um die Ökumene hervor, die in einer vertraglichen Rahmenvereinbarung mündete, die man 2010 unterzeichnete. Darin wird  die  Zusammenarbeit der Konfessionen als fester Bestandteil des kirchlichen Lebens in Waldbrunn geregelt. Das gewachsene Miteinander äußert sich in ökumenischen Gottesdiensten bei Dorffesten, Schulgottesdiensten und dem Pfingstgottesdienst, den man im Kurpark in Mülben zusammen feiert. Auch der Weltgebetstag der Frauen und die Bibelwochen im Januar werden seither ökumenisch verantwortet.

Bürgermeister Markus Haas erinnerte ergänzend den musikalischen Andreas Reibold. Kennengelernt habe man sich im Posauenchor, wo man sich zum Leidwesen des damaligen Leiters Gremmelmeier nicht nur mit Chorälen, sondern auch mit interessanten Diskussionen und Gesprächen beschäftigt habe. Um seine Wertschätzung für den evangelischen Seelsorger zum Ausdruck zu bringen, hatte es sich Haas nach zehnjähriger Abstinenz nicht nehmen lassen, den Posaunenchor bei der musikalischen Umrahmung des Abschiedsgottesdienstes zu unterstützen. Neben der Posaune, habe Reibold aber auch leidenschaftlich gesunden und das Gesangbuch als Füllhorn von Liedern für den Gottesdienst genutzt. Wie in der Musik, habe der scheidende Pfarrer auch in der Kooperation mit der politischen Gemeinde  und im Umgang mit den Menschen auf dem Winterhauch stets den richtigen Ton getroffen. Darüber hinaus seien Reibolds Qualitäten als Manager mehrerer Kirchengemeinden sowie als Kommunikator und Werbeträger der Kirche gefragt gewesen. Daneben sei er als Wegbegleiter der Gemeindemitglieder in vielen unterschiedlichen Lebenslagen verlässlicher Ansprechpartner gewesen, hob Bürgermeister Markus Haas am Ende seiner Ausführungen hervor.

In weiteren Grußworten würdigten SGH Prinz Ludwig, Schuldekan Martin Schwarz, Dekan-Stellvertreter Richard Lallathin, Diakon Rudi Kössler und Alt-Bürgermeister Klaus Steck das Wirken von Andreas Reibold auf dem Winterhauch. Alle Redner ließen es sich auch nicht nehmen Ehefrau Andrea Reibold für ihre ebenfalls vielfältigen Verdienste zu loben.

Während Prinz Ludwig insbesondere das ökumenische Geläut mit dem wundervollen Klang, den er häufig auf der Max-Wilhelms-Höhe genieße, würdigte, stellte der Schuldekan den Religionslehrer Reibold in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Pfarrer Lallathin lobte dann die übergemeindliche Verantwortung, die Andreas Reibold zunächst im Bezirkskirchenrat, dann als Dekan-Stellvertreter und schließlich ab 2011 und dem Weggang von Dekan Dirk Keller als Interimsdekan übernahm.

In weiteren Grußworten richteten auch die Vertreter der diversen Chöre, der Jungschar und des Frauenkreises Dankes- und Abschiedsworte an die Familie Reibold.

Einen besonderen Abschiedsgruß hatte der Singkreis vorbereitet, der ein eigens umgedichtetes Lied auf die Reibolds zu Gehör brachte.

Pfarrer Andreas Reibold, der bereits während des Gottesdienstes sein Wirken auf dem Winterhauch in Blitzlichtern ins Gedächtnis gerufen und an den schwierigen Start nach dem Tod seines Vorgängers erinnert hatte, hob hervor, dass Gott trotz aller Schwierigkeiten mit Chorleiterwechseln, sanierungsbedürftige Dächer, kaputte Glocken und Orgeln, zusätzliche Gemeinden immer geholfen habe. Besonders beeindruckend sei dabei die Tatsache gewesen, dass man nie einen Mangel an engagierten Menschen geherrscht habe.

Bevor am Ende der Abschiedsfeier die Vertreter der neuen Pfarrei einen symbolischen Schlüssel für die Gemeinde in Karlsruhe überreichten und versprachen alles zu tun, um den Reibolds das Ankommen so leicht wie möglich zu machen, rief Pfarrgemeinderatsvorsitzender Andreas Steck alle Gemeindeglieder dazu auf, zusammenzurücken, um die bevorstehende Vakanz bis zur Neubesetzung der Pfarrerstelle zu überstehen. Er hoffe, dass bald wieder die Glocken läuten, um dann einen neuen Seelsorger im höchsten Kirchturm Nordbadens begrüßen zu dürfen. 

 

 Singkreis Reibold

Der Singkreis hatte ein Lied auf die Familie Reibold umgedichtet. (Foto: Hofherr)

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