Dorf trifft Weltmarkt

Anhörung von Auszubildenden bei ebm-papst Mulfingen im Rahmen der Bewerbung um das EU-Förderprogramm LEADER

Gruppenbild mit Klinger

Gruppenbild mit den Auszubildenden von ebm papst Mulfingen zusammen mit Margot Klinger (Wirtschaftsinitiative Hohenlohe GmbH) bei der LEADER-Jugendanhörung. (Foto: pm)

Mulfingen. (pm) 16 Azubis im ersten und zweiten Lehrjahr des Ventilatorenspezialisten ebm-papst hatten Gelegenheit, ihre Meinungen, Ideen und Projektvorschläge zur Regionalentwicklung einzubringen. Die Anhörung der Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren fand im Rahmen der Erstellung eines regionalen Entwicklungskonzepts für die Region Hohenlohe-Tauber statt. Insgesamt 26 Städte und Gemeinden der drei Landkreise Hohenlohekreis, Main-Tauber-Kreis und Schwäbisch Hall bewerben sich mit diesem Konzept um das Förderprogramm LEADER der EU und des Landes Baden-Württemberg.

„Unser Ziel ist es, Fördermittel in unseren ländlich geprägten Landkreis zu holen, damit wir nicht den Anschluss an andere Regionen verlieren und unseren Bürgerinnen und Bürgern, besonders auch den Jugendlichen eine lebenswerte und attraktive Heimat zu bieten“, erläuterte Margot Klinger von der Wirtschaftsinitiative Hohenlohe GmbH die Motivation des Hohenlohekreises bei der Bewerbung um das Förderprogramm. Der Hohenlohekreis geht noch mit einer zweiten Region „Rund um den Limes“ zusammen mit dem Landkreis Heilbronn ins Rennen um Fördermittel.

„Grundlage der Bewerbung um eine LEADER-Förderung ist ein Entwicklungskonzept als Fahrplan für die Arbeit der nächsten sieben Jahre, das zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern der jeweiligen Region erarbeitet wird. Deshalb sind wir heute hier und wollen wissen, was Jugendliche in unserer Region bewegt, vor welchen Problemen sie stehen und was sie ändern wollen“, ergänzte Hannes Bürckmann vom Beratungsbüro neulandplus aus Schrozberg, der im Auftrag der Landkreise das Entwicklungskonzept für die Region Hohenlohe-Tauber erstellt.

Bernd Ludwig, beim Weltmarktführer ebm-papst verantwortlich für Ausbildung und Personalentwicklung, hatte das Treffen mit den Azubis organisiert. Er forderte die angehenden Kaufleute, Elektroniker und Informatiker dazu auf, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, Projekte und Ideen einzubringen und offen über Probleme zu sprechen. In der rund zweistündigen Diskussion wurden dann auch viele Themen wie z.B. Breitbandverfügbarkeit, Freizeitangebote für Jugendliche oder auch das gute kulturelle Angebot in der Region angesprochen.

Schwerpunkte in der Diskussion waren aber eindeutig die Themen „Mobilität“, „Nahversorgung“ und „Wohnraum“. Als großes Manko wird die ÖPNV-Situation im ländlichen Raum angesehen, und hier vor allem die Versorgung außerhalb der „klassischen“ Schulwege, also z.B. zu den Berufsschulen, über Landkreisgrenzen hinweg oder zu Ärzten. Auch die Anbindung an überregionale Bahnverbindungen ist verbesserungswürdig. Als Lösungsmöglichkeiten für diese Probleme wurden neue Mobilitätslösungen angesprochen, wie moderne „ad-hoc-Mitfahrgelegenheiten“ auf Basis einer App oder private „Taxi-Apps“, wie sie in den USA schon verbreitet sind.

Eng mit diesem Thema sind aber auch die anderen Schwerpunkte verknüpft. So wurde bemängelt, dass Einkaufsfahrten mit dem ÖPNV kaum möglich sind, aber auch die Öffnungszeiten vieler Geschäfte nicht zu Arbeitszeiten und Bedürfnissen passen. Zur Sicherung der Nahversorgung könnte ein Zusammenschluss der regionalen Handelsgeschäfte beitragen, die Ihre Produkte gemeinsam – online oder in einem „Katalog“ – anbieten und auch nach Hause liefern.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Wohnsituation während der Ausbildung. So pendeln viele der Azubis teilweise über weite Strecken zum Ausbildungsort, weil sie vor Ort keine günstigen Wohnungen oder WG-Zimmer bekommen. Hier wurde auch gleich ein Wunsch an den Arbeitgeber formuliert: die Einrichtung eines „Gästehauses“ mit WG-Zimmern.

„Alle Anregungen, Projektideen und Schwachstellen werden wir in die Planung der Arbeit für die kommenden Jahre aufnehmen“, versprach Margot Klinger am Ende des Workshops, „auch wenn manche der Aufgaben einen größeren Rahmen wie eine LEADER-Region brauchen“. Das Protokoll der Anhörung bei ebm-papst Mulfingen sowie Workshop-Protokolle und viele weitere Informationen rund um LEADER sind im Internet unter www.leader-hohenlohe-tauber.de verfügbar. Dort können auch jederzeit weitere Anregungen, Projektideen und Wünsche eingereicht werden.

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