Lokführer überfuhr zwei Haltesignale

Mannheim. (ots) Fünf Tage nach dem Zusammenstoß eines Eurocitys
(EC) mit einem Güterzug in Mannheim geben die Staatsanwaltschaft
Mannheim und die Bundespolizei folgendes bekannt:

Der EC 216 mit Fahrtrichtung Hauptbahnhof Graz zum Hauptbahnhof
Saarbrücken sollte planmäßig um 20:48 Uhr im Mannheimer Hauptbahnhof
ankommen. Die Einfahrt für den EC 216 wurde vom zuständigen
Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn AG im Bahnhof Mannheim für das
Gleis 2 freigegeben. Gleichzeitig wurde das Gleis 1 für die aus
Richtung Heidelberg kommende S 2 freigegeben.

Der Güterzug 40635 erreichte zu diesem Zeitpunkt den
Einfahrtsbereich des Hauptbahnhofes Mannheim. Planmäßig sollte dieser
auf Gleis 3 einfahren. Da die Zufahrt zu Gleis 3 noch nicht freigeben
war, erhielt der Triebfahrzeugführer per Signal die Information, dass
ein Halt zu erwarten sei. Daraufhin reduzierte er die Geschwindigkeit
des Güterzuges. Jedoch kam dieser nicht rechtzeitig zum Stehen, so
dass durch die elektronische Fahrtenüberwachung der Zug automatisch
gebremst wurde. Die Bremsung wurde nach dem derzeitigen Stand der
Ermittlungen nun durch den Lokführer wieder aufgehoben und der
Güterzug setzte so seine Fahrt fort. Dabei fuhr er an zwei weiteren
„Halt“ zeigenden Lichtsignalen vorbei.

Dies führte dazu, dass der Güterzug mit der Lok direkt in die
rechte Flanke des auf dem linken Nachbargleis fahrenden EC 216 fuhr.
Durch die Kollision wurden der zweite und dritte Reisezugwagen des EC
216 umgeworfen. Die Lok des Güterzuges sowie die beiden folgenden
Güterwagen entgleisten. Dabei fielen von dem ersten
Containertragwagen zwei Metallcontainer herunter und stürzten in das
benachbarte Gleis. Hieraus resultierend schalteten sämtliche Signale
dieses Gleises auf „Halt“. So musste die herannahende S-Bahn S2
anhalten und ein Kollidieren mit den Hindernissen in den betreffenden
Gleisen wurde verhindert. Durch den Unfall wurden 35 Personen
verletzt. 17 Menschen kamen ins Krankenhaus, konnten inzwischen aber
weitestgehend wieder entlassen werden.

Der um 13:30 Uhr in Duisburg-Ruhrort-Hafen abgefahrene Güterzug
führte 7 beladene Güterwaggons.

Bei dem Lokführer handelte es sich um einen 60jährigen
Triebfahrzeugführer einer Personal-Agentur, der in Mannheim planmäßig
abgelöst werden sollte. Der Zug wäre dann nach Ludwigshafen gefahren,
um dort weitere Wagen aufzunehmen und anschließend zum Zielbahnhof in
Ungarn zu fahren.

Gegen den Triebfahrzeugführer wird nun wegen Verdachts der
fahrlässigen Körperverletzung sowie Gefährdung des Bahnverkehrs
ermittelt. Warum der Triebfahrzeugführer die automatisch eingeleitete
Bremsung aufgehoben hat und weitere „Halt“-Signale überfuhr, muss in
den laufenden Ermittlungen geklärt werden.

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