„Tabus ansprechen, um Hilfe zu leisten“

Dr. Dorothee Schlegel, MdB, zu Gast bei der psychologischen Beratungsstelle der Diakonie in Mosbach

Mosbach. (pm) „Auch Tabus sind anzusprechen, um an Ort und Stelle so konkret wie möglich Hilfe leisten zu können“, stellte die hiesige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel bei einem Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der psychologischen Beratungsstelle für Erziehungs-, Partnerschafts- und Lebensfragen in Mosbach fest. Gewalt gegen Frauen, Erziehungsfragen und Integration im Neckar-Odenwald-Kreis waren nur einige der zentralen Diskussionspunkte bei Schlegels Besuch des Diakonischen Werks im Neckar-Odenwald-Kreis. Hier machte sie auf ihrer Sommertour durch den Wahlkreis Halt und wurde vom Geschäftsführer Guido Zilling begrüßt.

In einer lebhaften Diskussion ging es eingangs insbesondere um die Herausforderungen, die für die Sozialstationen durch zunehmende Armut und unzureichende Finanzierung entstehen. „Dem Großteil der Bevölkerung geht es bei uns sehr gut. Doch die Lebenswirklichkeiten einer Vielzahl von Menschen in unserer Mitte unterscheiden sich zunehmend drastisch vom Rest der Gesellschaft. Sie werden abgehängt oder an den Rand gedrängt“, fasste Dr. Schlegel zusammen, die sich als Mitglied des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für sämtliche gesellschaftlichen Gruppen politisch stark macht. „Bei allen Belangen sind natürlich auch die Väter als Teil der Familie angesprochen“, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu.

Anschließend stellten die Mitarbeiterinnen der Mosbacher Beratungsstelle ihre Arbeitsgebiete vor und berichteten von ihren alltäglichen Aufgaben und Erfahrungen. So bietet Gestalttherapeutin Aysel Celep-Monz seit Jahren türkischsprachige Programmpunkte an und stärkt somit das interkulturelle Angebot des Diakonischen Werks. „Für Menschen in schwierigen Lebenssituationen ist es einfacher, Gefühle und Probleme in ihrer Muttersprache zu formulieren“, bestätigte die promovierte Linguistin Schlegel die Ausführungen der Psychologin Celep-Monz. Deren Kolleginnen Hanna Voget und Ellen Baumgärtner, beide langjährige und erfahrene Psychologinnen in der Beratungsstelle, stimmten dem zu.

Zur von Frauenpolitikerin Schlegel angesprochenen Thematik „Alleinerziehende“ konnte Hanna Voget berichten, dass „…Alleinerziehende mit ihren vielfältigen Themen ein Drittel der zu beratenen Eltern ausmachen. So wird in unserer Beratungsarbeit eine bundesdeutsche Realität abgebildet“, erklärte sie und Ellen Baumgärtner betonte ergänzend die wachsende Bedeutung von Jugendberatung. „Schon Jugendliche erleben oft Überforderung und Druck, und wir freuen uns, dass immer mehr den Weg zu uns finden.“

Einhellig wurde festgestellt, dass Gewalt in der Familie unabhängig von sozialen Schichten stattfindet und schwierig zu fassen ist. Die große Zahl der Opfer von Gewalt ist weiblich. Sehr viele gingen nach einer psychischen Schutzzeit im Frauenhaus oder an einem anderen Ort wieder in die gewohnte häusliche Umgebung zurück.

„Es ist dringend notwendig, weiterhin in soziale Projekte und Hilfen zu investieren und gerade nicht im sozialen Sektor und bei präventiven Maßnahmen und ambulanten Angeboten zu sparen. Jeder investierte Euro wird der Gesellschaft durch vermeidbare Kosten zurückgegeben“, betonte abschließend die SPD-Bundestagsabgeordnete, die sich stark für soziale Belange und insbesondere die Menschen, die Hilfe und Unterstützung benötigen, engagiert.

 

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