Hier kommt der Strom in die Steckdose

Sonnenlicht in Strom verwandeln und direkt ins eigene Stromnetz einspeisen – So kann man dem EEG ein Schnippchen schlagen

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Der Wechselrichter, den Christine Denz hier dem Umwelt- und Energietechniker Uwe Bauer reicht, wird in das Modul integriert, das der SUN-Vorsitzenden Strom direkt in die eigene Steckdose speist. (Foto: Ursula Brinkmann)

Mosbach. (ub) Einst wurde auf die Frage, woher denn eigentlich der Strom komme,  die kurzsichtige Antwort gegeben: Aus der Steckdose! Die Frage stellt sich in Zeiten der Energiewendewende noch mal ganz anders, nämlich: Wie kommt der Strom in die Steckdose? Beim „Energie-Gespräch“ des Vereins MetropolSolar MPS, dem Netzwerk für erneuerbare Energien, gab es überraschend einfache Antworten.  MPS lud in Kooperation mit dem Verein S.U.N. in das Hotel Lamm. SUN-Vorsitzende Christine Denz konnte sich über eine überraschend gute Zahl von Zuhörern freuen.

Mit einem energischen „Jetzt erst recht!“ gab sie abermals ihrem Unmut darüber Ausdruck, dass man sich von der „Deform“ des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) nicht bremsen lasse. Wer mit der Kraft der Sonne Energie erzeugt und diese in öffentliche Stromnetze einspeist, kann demnach lediglich mit einer Vergütung von knapp 13 Cent pro Kilowattstunde rechnen. Mit der Idee, die an diesem Abend vorgestellt wurde, aber sind die Solarstromerzeuger vom EEG gar nicht tangiert. Als Referent war Uwe Bauer aus Sinsheim nach Mosbach gekommen. Wenige Tage zuvor hatte der Energietechniker an Denz‘ Hauswand ein Solarmodul angebracht, das den aus der Sonne gewonnenen Strom direkt ins eigene Hausnetz einspeist. „Über die Steckdose.“

Sind wir es gewohnt, ein elektrisches Gerät in Gang zu setzen, in dem wir es einstöpseln, so funktioniert das „Plug In Modul“ genau umgekehrt. Nach der Montage des 1 x 1,6 Meter großen Solarmoduls samt integriertem Wechselrichter kommt der Stecker in die Steckdose und schon fließt Strom direkt ins eigene Netz – zum direkten Verbrauch. Es eignen sich nicht nur Hauswände wie bei Christine Denz, sondern ebenso Balkongeländer, Terrassen oder Flachdächer. Ein insgesamt rund 800 Euro (inkl. aller Materialien und der Mehrwertsteuer) teures Modul kann bis zu 250 Watt pro Stunde erzeugen. Damit kann man eine Energiesparlampe ca. 23 Stunden lang brennen lassen.

Entscheidend für die Größe der Anlage sei, das machte Uwe Bauer mehrfach klar, der Verbrauch, die Grundlast, die täglich und dauerhaft anfallende Stromlast in einem Haushalt. Bauers Kundin Christine Denz lebt äußerst strombescheiden. Im Dauerbetrieb laufen bei ihr nur der Kühlschrank und das Telefon. „Scheint die Sonne, dann liefert mir mein Solarmodul genug Strom, damit meine Grundlast abgedeckt ist“ Scheint sie nicht, kommt auch nichts in die Steckdose. Dann kommt der Strom der Mosbacher Stadtwerke zum Tragen wie auch der zeitweise benötigte „Saft“ fürs Kochen, den PC usw., denn von deren Netz koppelt sich Denz nicht ab. Die neue Form der Energieversorgung hat sie den Stadtwerken ebenso gemeldet wie ihrem Versicherungsunternehmen; ihr Elektrofachbetrieb war für die entscheidenden Anschlüsse zuständig. Eine Abnahme durch die öffentlichen Energieversorger indes ist nicht notwendig.

„Ideal ist es, für den Eigenstrom einen eigenen Stromkreis zu haben oder zu schaffen“, machte Bauer auf die Feinheiten aufmerksam. Geht das nicht, müssen die Sicherungen entsprechend gewechselt werden. Generell lässt sich sagen, dass sich Eigennetz und das Netz „draußen“ nicht berühren. Die nach der Novelle des EEG von Monat zu Monat sinkende Einspeisevergütung juckt die Plug In-Modul-Besitzer daher wenig, denn „ihr“ Strom bleibt „ihr“ Strom.

Auch von der geplanten „Sonnensteuer“ für selbst produzierten und selbst verwendeten Eigenstrom dürften sie wegen der geringen Größe der Solaranlagen verschont bleiben. Eine Amortisation dieser neuartigen Stromerzeugungs-Anlagen setzte Uwe Bauer mit sechs bis sieben Jahren an und voraus, dass der Kunde die Module selbst anbringt. „Danach kostet Sie Ihr Strom nichts mehr.“ Längst ist Christine Denz auch hier aktiv und plant Selbstbaukurse anzubieten.

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