„Ohne dich wäre ich nicht mehr da“

Der 27-jährige Steffen Gremminger rettete Bernd Leonhardt beim Schützenmarkt das Leben. Das wurde nun gefeiert

Bernd Leonhardt Steffen Gremminger

Bei der Feier zum „2. Geburtstag“ im Wohnheim „Zum kleinen Roth“ dankte Bernd Leonhardt (re.) seinem Lebensretter Steffen Gremminger. (Foto: Michael Walter)

Buchen. (pm) Aufgeregt steht Bernd Leonhardt in der Einfahrt des Wohnheims „Zum kleinen Roth“ der Johannes-Diakonie. Der 54-Jährige wartet auf seine Gäste, die er hierher zu seinem „2. Geburtstag“ eingeladen hat. Vor wenigen Monaten hatte er einen schweren Herzinfarkt mit Herzstillstand überlebt, dies gilt es jetzt zu feiern. Dass er heute zu diesem Fest einladen kann, hat er insbesondere einem der Ehrengäste zu verdanken, auf den sich Bernd Leonhardt besonders freut: seinem Lebensretter Steffen Gremminger. Durch dessen beherztes Eingreifen darf nun „Wieder-Geburtstag“ gefeiert werden – mit Freunden, Verwandten und Mitbewohnern.

Der 12. September 2014 war ein schicksalsträchtiger Tag, der Bernd Leonhardt und Steffen Gremminger zusammen führte. Der Bewohner einer Wohngemeinschaft der Johannes-Diakonie in der Buchener Innenstadt half an diesem Schützenmarkt-Freitag im Festzelt beim Abräumen der Tische. Soweit erinnert sich der 54-Jährige noch. Was dann geschah, das musste er sich später erzählen lassen. Steffen Gremminger war zur selben Zeit im Festzelt, wollte sich am frühen Abend Sitzplätze reservieren. „Ich war mit meinem Vater zum Essen verabredet“, erzählt er. Plötzlich habe ihm ein Musiker von der Bühne aus zugewunken. „Er wollte, dass ich hinter die Bühne gehe. Dorthin, wo er selbst nicht so schnell hinkam.“ Gremminger reagierte – und sah Bernd Leonhardt regungslos am Boden liegen.

„Zuerst hatte er noch geatmet“, erinnert sich der 27-jährige Rinschheimer. Steffen Gremminger rief zunächst einen Krankenwagen und den Notarzt. Dann merkte er plötzlich, dass Bernd Leonhardts Atmung ausgesetzt hatte und kein Puls mehr zu fühlen war. Der gelernte Elektroniker zögerte nicht, handelte richtig und rechtzeitig: „Gemeinsam mit einem Helfer aus der Küche haben wir Bernd beatmet und ihn wiederbelebt. So lange, bis die Sanitäter und der Notarzt eintrafen.“ 

Bernd Leonhardt kam zunächst ins Krankenhaus nach Bad Mergentheim, wurde dort operiert und ins künstliche Koma versetzt. Schließlich wurde er ins Buchener Krankenhaus verlegt. Es waren zunächst bange Stunden für Angehörige und Betreuer. Denn es war unklar, ob er tatsächlich überleben würde. Er tat es und erholte sich überraschend schnell. Kaum aus dem Koma erwacht, wollte er wissen, was geschehen war. „Ich wusste ja nichts mehr.“ Bernd Leonhardt fand heraus, wer ihm an diesem 12. September das Leben gerettet hatte und nahm via Facebook Kontakt auf. „Ich war ziemlich überrascht, als sich Bernd plötzlich meldete“, lacht Steffen Gremminger heute. Er selbst hatte zuvor vergeblich versucht, im Krankenhaus etwas über den Zustand des 54-Jährigen herauszufinden.

„Ich kannte Bernd vom Sehen, wie sicherlich viele in Buchen“, so der 27-Jährige weiter. Kein Wunder, trommelt dieser doch bei der Buchener Stadtkapelle und ist bei Festivitäten stets präsent. Den Rhythmus des Buchemer Faschenachts-Schlagers „Kerl, wach uff…“ hat er im Blut. Nach dem ersten Kontakt lernten sich die beiden schließlich auch persönlich kennen, mehrere Treffen folgten – und eine Freundschaft begann. „Wir verstehen uns gut, Bernd ist ein netter Kerl“, sagt Steffen Gremminger.

Nach seinem Krankenhausaufenthalt verbrachte Bernd Leonhardt einen Reha-Aufenthalt in Bad Schönborn, seit einigen Wochen ist er wieder zu Hause. Und ist weitgehend der Alte. Hatte er zunächst nur stundenweise wieder begonnen, in der Buchener Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) der Johannes-Diakonie zu arbeiten, wird er ab Februar wieder Vollzeit einsteigen.

Das alles galt es nun ausgiebig zu feiern. Beim Fest zum „2. Geburtstag“ ergriff Bernd Leonhardt nun die Gelegenheit, seinen Betreuerinnen Sabine Bechtold und Ingrid Dittrich-Zauner und vor allem seinem Lebensretter Steffen Gremminger quasi öffentlich zu danken. „Ohne dich wäre ich nicht mehr da“, sagt Bernd Leonhardt leise und ergriffen unter dem Beifall der Gäste. Und die Feier hielt schließlich noch eine Überraschung bereit: Auch die Stadtkapelle spielte im Wohnheim „Zum kleinen Roth“ zu einem Platzkonzert auf. Bernd Leonhardt als Trommler und mit nagelneuen Trommelstöcken mittendrin. Der Höhepunkt dabei natürlich: „Kerl, wach uff…“.

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2 Kommentare

  1. Es ist schön, dass es Bernd gibt. Für uns gehört er ganz einfach dazu. Schon lang. Und Gottseidank auch weiterhin. Danke Steffen Gremminger!

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