Auftakt zu „Wer ist hier die Flasche?“

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(Foto: Liane Merkle)

Zimmern. (lm) „Wir wollen keineswegs mit moralingesäuertem erhobenem Zeigefinger durch die Welt laufen und jegliche Form des Alkoholkonsums in Bausch und Bogen verdammen oder gar Sportvereine dabei in irgendeiner Art und Weise an den Pranger stellen. Niemand soll das berühmte eine Bier nach dem gewonnenen Spiel oder dem harten Training madig gemacht werden“, erläuterte Landrat Dr. Achim Brötel die Motivation für den Wettbewerb „Wer ist hier die Flasche?“, den die Kommunale Kriminalprävention Neckar-Odenwald-Kreis in Kooperation mit den Sportkreisen Buchen und Mosbach und der Fachstelle Sucht des Landratsamtes ins Leben gerufen hat.

Die Auftaktveranstaltung fand unter der gekonnten Moderation von Sebastian Damm und der natürlich alkoholfreien Bewirtung des FC Zimmern sowie einer vielfältigen Ausstellung der Organisatoren sowie AOK Neckar-Odenwald und Badische Versicherungen statt.

Sicher hätten sich die Verantwortlichen eine üppigere Resonanz zu dieser Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus Zimmern seitens der Vereine gewünscht, dennoch konnte Dr. Brötel ein hochkarätiges Publikum begrüßen und sich der Unterstützung zahlreicher namhafter Spitzensportler und verantwortungsvoller Sponsoren sicher sein. Das zeigten zum einen Videobotschaften von Oliver Caruso, Uwe Gensheimer und Niklas Süle mit dem Tenor, dass Alkohol die Leistungsfähigkeit stark einschränke und sie sich in der Pflicht sehen, als ältere Sportler den jüngeren Vorbild zu sein.

Der Mountainbiker Michael Kochendörfer betonte im Interview, dass ihm alkoholisierte Ex-Fußballer im Breitensport abschreckendes Beispiel in dieser Sportart waren. Für ihn stand der Spaß am Sport im Vordergrund als er zum Fahrrad gewechselt habe. Aus diesem Spaß sei Leidenschaft geworden und daraus die Zielsetzung, Besonderes zu leisten und die Motivation dafür zu entwickeln, was auch ohne Alkohol genügend Glückshormone freisetze.

Heinz Jalanik betonte als Präsident des Badischen Sportbundes im gleichen Interview, dass schon etwas dran sei am sogenannten „Feuchtbiotop Sportverein“, der Badische Sportbund aber lediglich durch ständige Aufklärung und entsprechende Schulung von Übungsleiter positiv gegen den Missbrauch von Alkohol einwirken könne. Auch er befürwortete die Aktion, wie sie ähnlich bisher nur durch das „Kleeblatt“ des Badischen Fußballverbandes angegangen werde. Was der Landrat mit Highlights aus Pressekonferenzen mit dem etwas cholerischen Giovanni Trapattoni wie z. B. „In diese Spiel es waren zwei, drei oder vier Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer!“ verdeutlichen wollte, war, dass „Alkohol macht stark“ eine Fehlbotschaft ist und eigentlich nur dazu führe, „dass zwar eine Flasche leer, eine andere – dafür aber voll ist?“ Oder mit den Worten von Heinz Schenk: „Trink nie zu viel, denn die letzte Flasche, die umfällt, könntest Du selber sein“. In der großen Interviewrunde sprach er dann das Verantwortungsbewusstsein der Sportgrößen an, die man habe gewinnen können und die hoffentlich dazu beitragen, „dass von dieser Veranstaltung auch eine Botschaft in das gesamte Kreisgebiet hinausgeht, die uns hilft, diejenigen zu erreichen, die wir bisher leider noch nicht erreicht haben“. Und zwar, dass es auch ohne Alkohol gehe, und das sogar noch besser.

MdB Dr. Dorothee Schlegel, Ideengeberin der Aktion und Vorsitzende des Sportkreises Mosbach, war das Thema wichtig geworden seit sie bestürzt die „Rote Laterne“ in Sachen Sinnloses Betrinken für den Neckar-Odenwald- und den Tauberkreis zur Kenntnis nehmen musste. I-Tüpfelchen für die Initiative dieser Aktion sei dann eine Studie gewesen, die bewiesen habe, dass 11 bis 17 Prozent der Jugendlichen sich noch immer dem Komasaufen hingeben. Polizeipräsident Hans Becker bestätigte aus Sicht der Polizei, dass Alkohol ein Gewaltkatalysator erster Güte sei und bei allen Veranstaltungen die Emotionen schneller und unkontrollierbarer hochkochen lasse. Prävention sei wichtig und in ersten Versuchen schon mit der Aktion „Feste feiern, aber richtig“ angegangen worden.

Manfred Jehle lobte in seiner Funktion als Vorsitzender des Sportkreises Buchen die bereits laufenden Bemühungen in den Vereinen, bei denen schon viel Gutes bewirkt worden sei. Vor allem das Komasaufen habe man eindämmen können, was aber nicht bedeute, dass man zugunsten der Nachhaltigkeit nicht noch mehr tun könne. Und eben diese Nachhaltigkeit war wohl das Zauberwort und der Wunschgedanke des Abends, das auch Karl Feil als Leiter der Fachstelle Sucht vordringlich erschien und was Bürgermeister Thomas Ludwig in seinem Grußwort in den Mittelpunkt gestellt hatte. Alkohol werde dann zur Gefahr, wenn er zur Normalität werde. Als ganz ungefährlich sei ein Bier täglich für Männer und ein kleines für Frauen bei wenigstens zwei alkoholfreien Tagen in der Woche. Das beziehe sich aber nur auf Erwachsene. Dabei sollte man aber auch beachten, dass den Deutschlandweit noch immer 26.000 jugendlichen rd. 90.000 erwachsene Komasäufer Gesellschaft leisten. Unter diesem Gesichtspunkt wünschte er der Aktion „Wer ist hier die Flasche“ allergrößten Erfolg. Im Detail sind bei diesem Wettbewerb der Kreativität der Vereine im Kreis keine Grenzen gesetzt .

Wie Peter Fieger als einer der Verantwortlichen im Landratsamt erläuterte, sind Art und Ablauf der Aktion gegen Alkohol im Sport bewusst nicht vorgeschrieben. Sie muss nur zwischen dem 1. Mai und dem 31. Oktober durchgeführt und dokumentiert werden, wobei die Dokumentationsvordrucke bei ihm im Landratsamt erhältlich seien. Eine Jury bewerte dann die Aktion nach den Kriterien Nachhaltigkeit, Anzahl der mit der Aktion erreichten Personen, Öffentlichkeitsdimension, Aufwand und Kreativität.

Und zu gewinnen seien höchst attraktive Preise wie neben 300 Euro Geldpreis und 15 Eintrittskarten für ein Heimspiel von 1899 Hoffenheim oder 50 Eintrittskarten für ein Heimspiel der Rhein-Neckar-Löwen bzw. eine Mannschaftsausstattung von Jako u.v.m. Mit großem Erfolg, Lachsalven und durchaus überlegenswertem Hintergrund präsentierte abschließend das Improvisationstheater „WildWechsel“ aus Stuttgart auf humorvolle Art und teilweise unterstützt durch das Publikum Szenen zum Wettbewerbsthema.

 

Infos im Internet: :

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