Syrisch-deutsches Miteinander in Michelbach

Vortragsveranstaltung wurde zum Gespräch der Kulturen

Michelbach. (as) Angekündigt war es als „Vortrag über Regionen und Kultur in Syrien“. Doch was sich dann am Donnerstag ereignete im überfüllten Bürgertreff in Michelbach war ein spontaner Dialog der Religionen und Kulturen.

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Auf Initiative des Arbeitskreises Flüchtlinge Michelbach berichtete Ibrahim Kassem aus seinem Heimatland Syrien vor rund 50 Interessierten. Kassem lebt seit mehr als zehn Jahren in Schwarzach. Vortrag und Gespräch wurden moderiert von Pfarrerin Angelika Schmidt, Mitglied des Arbeitskreises Flüchtlinge.

Ihre Religion und die Familie sei den Menschen in Syrien das Wichtigste im Leben. Deshalb sei es für die Menschen besonders schmerzhaft gewesen, dass seit 2011 mehr als 33 Kirchen und 1450 Moscheen zerstört worden sind. Dazu 800 archäologische Denkmäler. Rund 90 Prozent der Bevölkerung gehören dem Islam an, etwa 10 Prozent seien Christen, darunter die meisten orthodox, so Kassem. Noch bis vor kurzem hätten die Religionen friedlich nebeneinander existiert. Auch sei der Islam eine im Grundsatz friedliche Religion, sagte der gebürtige Syrer.

In der syrischen Kultur geht der Mann arbeiten und verdient das Geld, die Frau versorgt Haushalt und Kinder, berichtete Kassem. Für syrische Flüchtlingsfamilien in Deutschland sei es daher ein großes Problem und eine Belastung für die ganze Familie, wenn der Mann nicht arbeiten könne, betonte ein Mitglied des Arbeitskreises Flüchtlinge im Plenumsgespräch des Bürgertreff. Den Landkreis forderte der Arbeitskreis auf, sich mehr dafür einzusetzen, dass die Flüchtlinge möglichst schnell Grundkenntnisse der deutschen Sprache erwerben, um Verständigung und gesellschaftliches Miteinander zu ermöglichen.

Bald entstand im Bürgertreff ein angeregtes Gespräch zwischen den beiden ebenfalls anwesenden syrischen Flüchtlingsfamilien aus Michelbach und den Gästen des Bürgertreffs, die aus Michelbach und Umgebung gekommen waren. Einige Familien hatten extra ihre Kinder mitgebracht damit auch sie etwas hören über das Land aus dem ihre neuen Mitschüler kommen. Sowohl die syrischen als auch die deutschen Besuchenden der Veranstaltung befragten einander über kulturelle Besonderheiten. Ibrahim Kassem übersetzte. Schließlich stelle sich heraus, dass die Syrischen Familien sich sehr über die Gastfreundschaft der Michelbacher freuten und auch jeder Besucher aus Michelbach von den syrischen Familien herzlich aufgenommen wird. Gemeinsam war allen der Wunsch nach einem friedlichen Miteinander der Religionen und Kulturen. Und so bedankte Ortsvorsteher Jochen Herkert sich schließlich beim Referenten Ibrahim Kassem mit einem Buch über die Kultur des Kleinen Odenwaldes.

 

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