Schneidewind-Hartnagel nicht mehr nominiert

Sinsheim. Die 2011 im Wahlkreis 41 Sinsheim in den Landtag von Baden-Württemberg gewählte Eberbacherin Charlotte Schneidewind-Hartnagel (B90/Grüne) wurde bei der heutigen Versammlung von Bündnis 90/Grüne Odenwald-Kraichgau nicht mehr für die Wahl im kommenden Jahr nominiert. Anscheinend war es ihr nicht gelungen, den Parteimitgliedern die Erfolge ihrer grünen Politik im und für den Wahlkreis zu vermitteln, die sie kürzlich in einem Bewerbungsschreiben kommunizierte (NZ berichtete). Als Betreuungsabgeordnete vertrat die Eberbacherin, die auch als stellvertretende Fraktionsvorsitzende aktiv war, auch den Neckar-Odenwald-Kreis. 

Sie unterlag bei der Abstimmung mit nur elf Stimmen gegen den Neckargemünder Stadtrat Hermino Katzenstein, der auf 25 Stimmen kam. Der bisherige Zweitkandidat Stefan Seitz aus Sinsheim, der ebenfalls angetreten war, erhielt ebenfalls elf Stimmen.

Katzenstein, im Hauptberuf Personalratsvorsitzender an der Uni Heidelberg, hatte sich bereits vor zwei Jahren um eine Bundestagskandidatur bemüht, war damals aber an seiner weiblichen Gegenkandidatin Dr. Edith Wolber gescheitert. 

Erklärung von MdL Charlotte Schneidewind-Hartnagel:

Mauer / Wahlkreis Sinsheim-Neckargemünd-Eberbach. Die anwesenden Mitglieder des Kreisverbandes Odenwald-Kraichgau der Partei „Bündnis 90 / DIE GRÜNEN“ haben bei der Nominierungsversammlung am vergangenen Freitag (24.4.2015) in Mauer den Neckargemünder Gemeinderat Hermann Katzenstein zum Landtagskandidaten und den Sinsheimer Gemeinderat Stefan Seitz zum Zweitkandidaten für die Landtagswahl 2016 gewählt. Mit meiner Bewerbung um die erneute Kandidatur für das Amt der Landtagskandidatin bin ich gescheitert. Den gewählten Kandidaten gratuliere ich.
Von diesem Wahlausgang bin ich enttäuscht. Gerne hätte ich erneut im Wahlkreis Sinsheim-Neckargemünd-Eberbach für die aus meiner Sicht richtungweisende und in hohem Maße erfolgreiche GRÜNE Regierungspolitik geworben.
Anscheinend ist es mir nicht gelungen, die geleistete Arbeit, die erreichten Erfolge der GRÜNEN Landesregierung und meinen Anteil daran den GRÜNEN Kreismitgliedern zu vermitteln. Die unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entscheidung erschienen Kommentare in den sozialen Netzwerken, in denen Fraktionsmitglieder, Parteifreundinnen- und freunde sowie Vertreterinnen von Gewerkschaften und Landesfrauenrat ihre Bestürzung und ihr Befremden darüber ausgedrückt haben, haben mich gefreut. Es zeigt mir deutlich, wie groß die landesweite Anerkennung ist, die meiner Arbeit als Sozialpolitikerin, auch über die Partei hinaus, zuteil wird.
Auch nach der Landtagswahl am 13. März 2016 werde ich meiner Partei mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und meiner Überzeugung, dass GRÜNE Politik die besseren Zukunftsideen hat, weiter zur Verfügung stellen. Die Zukunft muss sich auf uns GRÜNE verlassen können, dazu möchte ich auch weiterhin beitragen.
Persönlich halte ich die mit dieser Kandidaten-Kür und ihrer Vorgeschichte sichtbar werdende Entwicklung im Kreisverband Odenwald-Kraichgau für befremdlich.
Wenn mein Kreisverband mich als ehemaliges Vorstandsmitglied der Fraktion GRÜNE im Landtag, als amtierende frauenpolitische Sprecherin und verbraucherpolitische Sprecherin der Fraktion sowie als im Wahlkreis bekannte und erfahrene Politikerin nicht erneut aufstellt, ist dies überraschend.

Wenn jedoch mein Kreisvorsitzender in der Wahlversammlung wörtlich erklärt, „Wir würden ja gerne eine Kandidatin wählen, aber außer, dass Charlotte eine Frau ist, hat sie weiter keine Qualifikationen“, so ist dies verletzend und unangemessen und wertet meine seit Jahren erfolgreiche Arbeit in Fraktion, Partei und Kreisverband ab.

Völlig unabhängig von meiner Person ist es ein Unding, eine amtierende grüne Mandatsträgerin abzuwählen und durch zwei Männer zu ersetzen. Dies entspricht nicht dem parteiinternen Frauenstatut, das eine paritätische Besetzung aller Funktionen vorsieht und hat zu scharfer Kritik aus der Partei geführt. Ich bedauere, dass gerade meinem Engagement für mehr Beteiligung von Frauen in den Parlamenten, bei der Nominierung von Erst- und Zweitkandidat im Kreisverband keine Beachtung geschenkt wurde.

Für eine politische Kultur in der wir den grünen Gründungsideen treu bleiben und die erfolgreiche politische Arbeit fortsetzen, die wir in Stuttgart für das Land und seine Bürgerinnen und Bürger begonnen habe, werde ich weiter engagiert arbeiten.

Eberbach, 25.4.2015

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3 Kommentare

  1. Da sieht man mal wieder, dass die Grünen – zumindest die Männer – schlimmer sind, als sie es der CDU immer vorwerfen.
    Fr. Schneidewind war gut genug, die Strapazen der Wahlkämpfe auf sich zu nehmen, als es keine reale Machtoption für die Grünen gab. Kaum gibt es eine, kommen Karrieristen wie H. Katzenstein, der als Autohasser seinem Verkehrsminister in nichts nachsteht, aus der Hecke gesprungen. Vereinbarungen und Frauenförderung ist da dann ganz schnell vergessen. Dass es Katzenstein nicht um grüne Politik geht, sondern nur um seine Person, sieht man an der vergeblichen Bewerbung um die Bundestagskandidatur. Damals unterlag er einer Frau.
    Dieses Mal wurden persönliche Rechnungen beglichen und eine qualifizierte, hoch angesehene Politikerin weggebissen.

    Wie wohltuend ist da doch die CDU. Die behaupten zumindest nicht, besser zu sein.

    Ein angewiderter Konservativer.

    • Die CDU-Fraktion im Landtag hat 16,7% Frauen, die Grünen haben 30,6%. Die Grünen im Land sind also fast doppelt so gut wie die CDU, was die Frauenförderung angeht. Im Bundestag ist es noch deutlicher: 25% bei CDU, 54% bei den Grünen.

      Sie sollten sich schon besser auskennen, bevor Sie hier lospoltern.

  2. „Völlig unabhängig von meiner Person ist es ein Unding, eine amtierende grüne Mandatsträgerin abzuwählen und durch zwei Männer zu ersetzen. Dies entspricht nicht dem parteiinternen Frauenstatut, das eine paritätische Besetzung aller Funktionen vorsieht und hat zu scharfer Kritik aus der Partei geführt.“

    Nein, das ist Unsinn, liebe Charlotte, und deine Darstellung entspricht nicht der Wahrheit!

    Du wurdest nicht abgewählt, denn eine Wahl beginnt alle 5 Jahre bei null. Ein Mandat endet, es gibt kein Grundrecht auf Wiederwahl, auch nicht, wenn man eine Frau ist. Es verstößt nicht gegen das Frauenstatut, wenn ein Mann gegen eine noch amtierende Abegeordnete antritt und gewinnt. Die Tatsache, dass auch der Ersatzkandidat ein Mann ist, verstößt auch nicht gegen das Frauenstatut aus einem ganz einfachen Grund: Der Ersatzkandidat war der einzige Bewerber! Wenn keine Frau für diesen Posten kandidiert, dann kann auch keine gewählt werden.

    Es liegt hier also kein Verstoß gegen das Frauenstatut vor. Schade, dass Du hier als schlechte Verlierin zu solchen unfairen Methoden greifst.

Kommentare sind deaktiviert.