Zum 50. Geburtstag kam Rolf Miller

von Martin Hammer

Osterburken. Als Beitrag zur abwechslungsreichen Veranstaltungsreihe anlässlich des 50jährigen Schuljubiläums des Ganztagesgymnasiums Osterburken hat sich die Kulturkommode etwas Besonderes einfallen lassen und mit Rolf Miller erneut einen der ganz Großen der deutschen Kabarettszene für einen Auftritt im GTO gewinnen können. In seinen Begrüßungsworten freute sich der Erste Vorsitzende der Kulturkommode, Michael Pohl, zunächst über eine restlos ausverkaufte Aula und betonte, dass dieser besondere Abend auch als Dank des Kleinkunst- und Kulturvereins für die jahrelange erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Schule und insbesondere der SMV gedacht sei. Innerhalb dieser und anderer Arbeitsgemeinschaften lernen die Schüler eigenverantwortliches Arbeiten und Organisieren und so wird ihnen bereits in der Schule die persönliche Kompetenz für ehrenamtliche Tätigkeiten vermittelt, welche für unsere Gesellschaft in allen Bereichen von besonderer Wichtigkeit sind.

[wp_bannerize group=“336“] „Noch e Minute mehr und es wär scho Pause“, begann Miller im Hinblick auf die Vorrede augenzwinkernd seine Vorstellung und hatte damit von Beginn an die Lacher auf seiner Seite.

Der geborene Walldürner feiert im nächsten Jahr immerhin bereits sein 25jähriges Bühnenjubiläum, hat sich mittlerweile in die Kabarettisten-Bundesliga gespielt, ist auch aus der Fernseh-Landschaft kaum mehr wegzudenken und präsentiert seine Programme regelmäßig in ausverkauften Sälen. Eigentlich verwunderlich, denn es ist eben jener kleingeistige Typus, wie ihn Miller auf der Bühne verkörpert, deren Anwesenheit man normalerweise ungern erträgt. Im Walldürner Dialekt wirft er auch in seinem aktuellen Programm „Alles andere ist primär“ mit Stammtisch-Wahrheiten um sich, sucht nach Begriffen, artikuliert in halben Sätzen und erzeugt so eine unfreiwillige Komik, der sich letztlich kein Zuhörer entziehen kann – und das funktioniert offensichtlich auch in anderen Landstrichen bestens, wo man des Odenwälderischen nicht mächtig ist. Im Durcheinanderwürfeln standardisierter Sätze entzerrt er sie bis zur Kenntlichkeit, aber genau da, wo die Worte fehlen, lauert die Pointe. Mitunter ertappt man sich dabei, dass man Millers Aussagen hinnimmt, nur um kurz darauf amüsiert festzustellen, dass man dem Phrasenverdreher wieder einmal auf den Leim gegangen ist. Aber „man muss ja über Humor auch mal lachen können.“

„Reden ist Schweigen und Silber ist Gold. Des is nur en Spruch, aber es stimmt“, könnte auch als Maxime Millers durchgehen. Und so schwadroniert er einen Abend lang über „de Jürgen und de Apparat“ – eine Frau, die es ihm durchaus angetan zu haben scheint, auch wenn er das weibliche Geschlecht künftig lieber ambulant als stationär bei sich aufnehmen will. Sein Spezi Achim schließlich „steht Tür.“ Die Stimmung dort sei nämlich immer besser als unten in der Disco, wo seit Jahren anscheinend unbemerkt vom Publikum das gleiche Lied gespielt wird.

Seine Wahrheiten streut Miller, einem Simplicissimus der Gegenwart gleich, so überzeugend ins Publikum, dass man fast geneigt ist, sie zu übernehmen, wären sie nicht manchmal einfach zu absurd. Und er hat zu so ziemlich allen Lebenslagen etwas zu sagen. Seine angeführten Statistiken über Beziehungen („Der Mensch ist vom Typ her geschaffen für die Frau“) sind genauso hanebüchen wie die fußballerischen Kenntnisse („Der Béla Réthy hat noch nie das gleiche Spiel gesehen wie ich“) oder die Erinnerungen an seine Jugend („Bei uns hat´s nix gebbe, aber des hat gereicht“). Aber das sieht man ihm gerne nach. Es kommt ja schließlich mal vor, „dass man Wirklichkeit und Realität verwechselt“. Vielleicht erklärt sich Millers Philosophie der Einfachheit ja durch die Aussage seines ehemaligen Mathelehrers Bellmann, der irgendwann resigniert feststellen musste: „Miller, Intelligenz ist nicht dein Fachbereich!“ Schließlich sind ja auch „Sodukus nur Kreuzworträtsel für Leut´, die nix wisse.“

Auch wenn es im ersten Moment nicht den Anschein macht: Miller ist zweifellos ein überragender Wortakrobat, denn er versteht es, mit Sprache so unfähig umzugehen, dass es schon wieder eine Kunst ist. Er bringt die Dinge auf den Punkt, auch wenn dieser nicht immer an der richtigen Stelle sitzt. Und so weit muss man die Zuhörer erst einmal bringen, dass sie sich selbst in kunstvoll gesetzten Pausen das Lachen nicht verkneifen können. Mit minimalistischer Bühnenausstattung und „panikartig entspannt“ gelingt es Miller spielend, das Publikum einen Abend lang glänzend zu unterhalten und entlässt dieses mit der erleuchtenden Erkenntnis, „dass es eben Wichtiges im Leben gibt – alles andere ist primär.“

Kulturkommode Bericht RolfMiller1

(Foto: Michael Pohl)

Infos im Internet:

www.kulturkommode.de

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