AKW-Müll landet auf Kreis-Deponien

Zwei weitere AKW-Rückbauten in Baden-Württemberg
 
 
 
 Neckarelz. (gp) Beim jüngsten Treffen der Initiative AtomErbe Obrigheim ging es vor allem um den Rückbau des älteren Blocks des AKW Philippsburg. Begrüßt wurde, dass nach Obrigheim zwei weitere Atomkraftwerke in Baden-Württemberg – jeweils Block 1 in Neckarwestheim und in Philippsburg – abgeschaltet sind und auf Antrag des Betreibers EnBW zurückgebaut werden sollen. Aber wie rund 2.800 Einwender, übten die Mitglieder auch Kritik am Genehmigungsverfahren, vor allem an den unvollständigen und oberflächlichen Unterlagen für die Öffentlichkeitsbeteiligung, die für eine Bewertung der Sicherheitsmaßnahmen des Vorhabens als nicht ausreichend betrachtet wurden. Beim Vergleich mit den Rückbau-Genehmigungen für das AKW Obrigheim konnte in wesentlichen Punkten keine Verbesserung festgestellt werden. Der veröffentlichte „Sicherheitsbericht“ für den Block 1 des AKW Philippsburg habe nur ein Drittel des Umfangs der entsprechenden Unterlagen für das AKW Obrigheim, dabei sei in etwa ein Abbauumfang beantragt, der für das AKW Obrigheim auf drei Genehmigungen verteilt war. Damit würde ein Vorhaben für 10 bis 15 Jahre Dauer genehmigt, das kaum überschaubar ist.
 
 Äußerst unzufrieden berichtet Boris Cotar aus Mosbach, Teilnehmer der 30 Stunden Marathon-Erörterung in Philippsburg: „Wenn die geplanten Maßnahmen nicht konkret beschrieben oder wie die neuen Standort-Abfalllager und Reststoffbearbeitungszentren gar nicht Bestandteil der Genehmigungen sind, macht die Öffentlichkeitsbeteiligung keinen Sinn“. Nicht widerlegt von Vertretern der EnBW wurde auch der Verdacht der Einwender, dass entgegen dem Minimierungsgebot der Strahlenschutzverordnung nicht die beste verfügbare Filterungstechnik für die Reinigung der Abluft vorgesehen sei.
 
 Eine weitere Parallele zu Obrigheim sei, dass EnBW für die Rückbauprojekte in Philippsburg und Neckarwestheim vorhabe, die hochradioaktiven Brennelemente während des Abbaus in der Anlage zu belassen, was zusätzliche Risiken und Gefahren bedeute. Als Grund waren in Philippsburg Lieferschwierigkeiten für die Castor-Behälter genannt worden, die für eine Umlagerung der Brennelemente ins Standort-Zwischenlager notwendig sind.
 
 Mitglieder der Initiative, die Mitte Juli am Erörterungstermin in Philippsburg teilgenommen hatten, waren enttäuscht, dass dort die Vertreter der EnBW kaum auf Fragen und Kritik eingingen, sondern sich auf das bereits Veröffentlichte zurückzogen. Ein eklatanter Mangel sei auch, dass die sogenannte Freigabe von Abbaumaterialien nicht Bestandteil der Rückbau-Genehmigungen ist. So dürften Tausende von Tonnen an niedrig radioaktiv belastetem Abbaumaterial als „normaler“ Abfall deponiert oder verbrannt werden, statt sie als Atommüll langfristig aufzubewahren.
 
 Nach den Informationen der Initiative darf solches „freigemessene“ Material aus Philippsburg auch auf die Sondermülldeponie Billigheim und ins Müllheizkraftwerk Mannheim gebracht werden, und Abbaumaterial aus dem AKW Obrigheim befindet sich bereits in Buchen-Sansenhecken.
 
 Gertrud Patan, Mitglied aus Schefflenz, hat Bedenken: „Ich wohne etwa 10 km südlich von der Deponie in Buchen, etwa 10 km nördlich von der Sondermülldeponie Billigheim, und von Westen trägt der Wind radioaktive Partikel aus den Schornsteinen des AKW Obrigheim und des Müllheizkraftwerks Mannheim her. Wie kann ich mich da sicher fühlen?“

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