Neu entwickelte Pumpe für Peru

Seckach. (lm) Wie schon mehrfach veröffentlicht, beschreitet der Förderkreis „Leben braucht Wasser“ seit einiger Zeit neue Wege. Und das in mehrfacher Hinsicht. Die bisherige Zielsetzung, so viele Einfachstpumpen wie möglich in Mocupe/Peru zu installieren hat sich als wenig effektiv erwiesen, vor allem, weil die Bauernfamilien im Falle eines Pumpenausfalls mit der notwendigen Reparatur hoffnungslos überfordert sind und außerdem die Wasserqualität nicht permanent überprüft werden kann. Weiter befand man die bisher eingesetzten Pumpen als zu anfällig und man wollte weitere Arbeitsplätze – auch mit höheren Qualifikationen als bisher – in Peru schaffen.

Die Vorsitzenden des Förderkreises „Leben braucht Wasser“, Bernhard Heilig und Manfred Glittenberg, erläuterten die derzeitige Ist-Situation in den ländlichen Gebieten Perus. Demnach gleichen große Regionen Wüstengegenden, denn es regnet höchstens ein- bis zweimal pro Jahr, und es kommt vor, dass der Regen komplett ausfällt. Die Wasserversorgung erfolgt durch wöchentliche LKW-Lieferungen in Eimern. Die angelegten Zisternen haben nur einen kleinen Wasservorrat und der ist spätestens nach ein paar Wasserentnahmen mit den schmutzigen Eimern gelinde gesagt „unhygienisch“. Aber die Bevölkerung ist nur unzureichend über Wasserhygiene aufgeklärt.

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Wasser – zwar salzhaltig, aber genießbar – wäre schon in drei bis fünf Metern Tiefe zu finden. Die Menschen wohnen in Hütten gegen die unsere Garagen wahre Paläste sind, oft mit Außenwänden aus Folie. Und gekocht wird auf den einfachen Drei-Steine-Öfen, wobei das dafür notwendige Brennholz meist kilometerweit eingesammelt und mit Eseln heimtransportiert wird. Man hatte im Förderkreis beschlossen, dass eine „Ableger-Organisation“ des Seckacher Vereins dort vor Ort die neu entwickelte Einfachstpumpe selbst fertigen und eine Kleinsterdbohrmaschine das manuelle Bohren ersetzen soll.

In Alvaro Rubina hatte man einen flexiblen Manager „vor Ort“ gefunden, der durch lange Arbeitsjahre in Deutschland zum einen gewisse technische Vorkenntnisse mitbrachte, auf die relativ einfach aufzubauen ist, der aber auch genau weiß, wie seine Landsleute „ticken“ und wie die Deutschen. Und ganz wichtig ist, dass er als Dolmetscher fungieren kann, denn die Verständigung ist auch mit Spanischkenntnissen einigermaßen schwierig.

Unter seiner Organisation vor Ort konnte bereits eine kleine Werkstatt mit zwei Mitarbeitern gegründet werden, die jetzt durch Bernhard Heilig und Franz-Peter Thaler einen technischen Crashkurs erhielten, als die beiden mit einer umfangreichen technischen Grundausstattung mal wieder auf eigene Kosten für über sechs Wochen nach Peru, genauer nach Chincha gereist waren. Chincha liegt rd. 180 Kilometer südlich von Lima und ist das neue Einsatzgebiet des Förderkreises, in dem man bis Ende nächsten Jahres 1.000 Menschen mit Wasser versorgen will. Und dieses Mal mit einem Brunnen für drei bis fünf Familien in Verbindung mit gründlicher Aufklärung über den Zusammenhang von verschmutztem Wasser und Krankheiten. So lautet die neue Zielsetzung, die auch dazu beitragen soll, dass die Menschen nicht in die Städte abwandern, wo es ihnen noch schlechter gehen würde.

Im Gepäck hatten die beiden ehrenamtlichen „Entwicklungshelfer“  eine einfach zu bedienende Bohrausrüstung, die dann leider vier lange Wochen beim peruanischen Zoll aufgehalten wurde, sowie vier nagelneue Gießformen für Einfachstpumpen, deren Neuentwicklung man der Kooperation mit der Gewerbeschule Buchen im Rahmen einer Technikerarbeit von Andreas Seifert verdankt. Die neuen Pumpen sind wesentlich einfacher, kostengünstiger und ausreichend leistungsstark zum Versorgen von mindestens zehn Haushalten. Die Herstellung der Edelstahlformen zum Gießen der Pumpen erfolgte als Sachspende durch die Firma AZO in Osterburken mit Unterstützung der Firmen Vogt (Rosenberg), Merklinger (Buchen), Münch (Höpfingen), Hilite (Seckach) und Pro 3 Tech (Neckargerach).

Die Wartezeit bis zur Freigabe der Bohrausrüstung nutzte man mit Mitarbeiterschulung in Metallbearbeitung und der Fertigung von Pumpen – das Material dafür wird soweit wie möglich in Peru beschafft – und Bohrbrunnen, aber auch zu Ist-Analysen der Wasserversorgung in den Vororten von Chincha. Nach dem Eintreffen der Bohrmaschine wurden erste Probebohrungen versucht, die aber aufgrund von zu vielen Kieselsteinen in Sandboden erstmal enttäuschend scheiterten. Die Restzeit der deutschen Fachleute wurde knapp und in Sachen Bohrungen konnte zwar ausgiebig geschult, aber noch wenige Brunnenbohrerfolge vermeldet werden.

Doch wenigstens ein Kleinwasserprojekt mit Rohrbrunnen und Pumpe hatte man erfolgreich abschließen und damit die ersten glücklichen und zufriedenen Menschen bedienen können. Denn zweifelsfrei führt das Brunnenbauen zur enormen Verbesserung der Lebensqualität. Doch die peruanische „Zweigstelle“ wird sich weiter bemühen bis Bernhard Heilig Anfang August bis Mitte Oktober mit einer optimierten Bohrausrüstung wieder vor Ort sein wird. Dann geht die Schulung der beiden neuen Mitarbeiter weiter und man kann der steigenden Nachfrage nach Brunnen hoffentlich nachkommen und weitere Mitarbeiter anlernen.

Natürlich sind die Verantwortlichen vom Förderkreis „Leben braucht Wasser“ für jede noch so kleine finanzielle Unterstützung dankbar. Die Bankverbindung vom „Förderkreis Leben braucht Wasser e.V.“ wäre unter dem Kennwort „Trinkwasser für die Ärmsten“ bei der Sparkasse Neckartal-Odenwald, BLZ 674 500 48, Konto-Nr. 1001 221 363. (LM)

LbW3006 001 

Unser Foto zeigt von links: Franz-Peter Thaler, Jorge Chacalisza, Alvaro Rubina und Bernhard Heilig mit den neuen Gießformen und der daraus entstandenen neu entwickelten Pumpe. (Foto: privat)

Infos im Internet:

wwwl.ebenbrauchtwasser-ev.de

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