Finanziell ein gutes erstes Halbjahr

Rehe auf dem Seckacher Friedhof sorgen für hitzige Diskussion

Seckach. (lm) Die Gemeinde Seckach mit ihren Ortsteilen Zimmern und Großeicholzheim kann sowohl finanziell als auch verwaltungstechnisch auf ein durchweg zufriedenes erstes Halbjahr zurückblicken, was sich im Zwischenbericht zum Haushaltsverlauf wiederspiegelt. „Wir konnten stets unseren Zahlungsverpflichtungen nachkommen und auch die in Planung bzw. in der Ausführung befindlichen Projekte befinden sich in zeitlicher Abfolge und in einem gesicherten Kostenrahmen“, betonte Bürgermeister Thomas Ludwig im Rahmen der jüngsten öffentlichen Gemeinderatssitzung.

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Aufgrund positiver Entwicklungen betrage das Jahressoll der Gewerbesteuer derzeit 430.887 Euro. Gegenüber dem Haushaltsansatz von 300.000 Euro könne somit nach Vorlage des Gemeindekämmerers André Kordmann mit Mehreinnahmen gerechnet werden. Allerdings werde erwartungsgemäß das Gewerbesteueraufkommen vergangener Jahre nicht erreicht werden. Dass aber das Zahlenwerk der Einnahmen nicht gänzlich dem Haben-Konto zugeschrieben werden kann liege an der Systematik des kommunalen Finanzausgleichs, wodurch dem Gemeindesäckel lediglich rd. 20 Prozent aus den Mehreinnahmen verbleiben. Zudem wurden als Abschlagszahlungen an den Neckar-Odenwald-Kreis im Rahmen der Kreisumlage insgesamt 507.478 Euro abgeführt. Insgesamt entsprechen die Ausgaben dem Jahresverlauf des Haushaltansatzes.

Im Vermögenshaushalt stehen derzeit als aktuelle Bauvorhaben die Sanierung der Seckachtalschule mit Bau einer Mensa und der Erweiterung der Außenanlage, das Sanierungsgebiet „Ortsmitte Seckach II“ inkl. Lammareal und Sanierung des Bahnhofsgebäudes im Mittelpunkt. Weiter die Wegeverbindung „Waidachshofer Straße – Bahnhofstraße“, die Erneuerung der Heizungsanlage in der Fahrzeughalle des Bauhofes, die Fernüberwachungsanlage im Hallenbad Seckach und die Straßenbeleuchtung in Seckach und Zimmern. Abzüglich der noch zu erwartenden Zuschüssen wird der Gemeinde bei der Sanierung der Seckachtal-Schule ein zu erbringender Eigenanteil in Höhe von rd. 680.000 Euro verbleiben, genaueres kann aber erst in der Septembersitzung beschlossen werden, wenn die Höhe der potentiellen Zuschüsse tatsächlich feststeht.

Beschlossen wurden durch den Gemeinderat nach erfolgter Submission folgende Arbeitsvergaben: (Bodenbelagsarbeiten) an die Firma Fürst aus Mosbach für 20.416 Euro, (Fensterarbeiten) Firma Weidinger aus Schweinberg für 106.835 Euro, (Heizungsarbeiten) Firma Hoffmann Heizungsbau aus Seckach für 9.703 Euro, (Sanitärarbeiten) Firma Helmut Bundschuh aus Seckach für 25.809 Euro, (Stuckateur- und Malerarbeiten) an die Firma Spohn aus Mosbach für 56.883 Euro und (Schreinerarbeiten) an die Firma Innenausbau-Fensterbau Weidinger aus Seckach für 49.387 Euro. Baubeginn war der erste Ferientag, damit die besonders lärm- und schmutzintensiven Arbeiten im Innenbereich während der Ferien abgeschlossen werden können.

Die Gemeindeverwaltung, Einwohnerschaft und nun auch wieder den Gemeinderat beschäftigt seit Jahren das Thema „Rehe im Seckacher Friedhof“. Grabnutzungsberechtigte hatten immer wieder zu beklagen, dass der von ihnen liebevoll gestaltete Grabschmuck durch Rehe abgefressen werde. Immer vom mildesten Mittel ausgehend erwägt man nun nach enger Absprache mit dem Landratsamt und der Jagdbehörde der Rehwildplage in diesem Bereich mit folgenden Maßnahmen Herr zu werden:

  1. Durchtreiben des Friedhofes und des angrenzenden Gewann „Heide“ ohne Waffen,
  2. Regulierung der Rehwildpopulation durch einen Abschussschwerpunkt im „Oberen Wald“,
  3. Durchführung von Bewegungsjagden,
  4. Minimierung der Unterstände für Rehwild im Friedhofsgelände,
  5. Massives Stören der Rehe im näheren Umfeld und als
  6. Punkt eine Einfriedung des neuen Friedhofes.

Der Nutzen dieser Vorschläge wurde heftig diskutiert. So stellte Alexander Winter den Antrag auf Abstimmung zur Zaunerrichtung, die für die insgesamt 32.000 qm für rd. 40.000 Euro. Er meinte, dass alle bisherigen Maßnahmen in den letzten 14 Jahren nicht gegriffen hätten, die Verkehrssicherungspflicht bei der Gemeinde liege und die Zaunkosten durchaus refinanziert werden können in Form von Gebühren.

In der Sitzung wurde weiter deutlich, dass bereits viele Anwohner einen Zaun um ihr Grundstück gezogen haben, wenn dies bereits großflächig passiert wäre, könnte die Gemeinde an diesen Bestand anschließen und die Einzäunung könnte finanzierbar werden, allerdings müssten dann unbedingt auch zwei Toranlagen installiert werden für komplett 8.000 Euro. Man kam schließlich mehrheitlich überein, dass die Maßnahmen 1 bis 5 ab September bis Januar getestet werden, wenn das greift, werden diese Maßnahmen jährlich in dieser Zeit durchgeführt, wenn nicht, nimmt man den Zaunbau in den Haushalt 2016 auf und wird in dann auch durchführen.

Abschließend der diskussionsfreudigen Sitzung nahm das Gremium noch die Gebührenkalkulation bezüglich der Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte in der Gemeinde zur Kenntnis. Mitgeteilt wurde dabei, dass der kalkulierte Gebührenhöchstsatz für einen Wohnplatz mit Nebenkosten bei 242 Euro liege, Das Gremium entschied für Seckach jedoch einen Betrag von 115 Euro pro Wohnplatz und Monat. Aufgrund der gestiegenen – und noch weiter steigende – Flüchtlingszahlen und der Tatsache, dass im Wasserschloss Großeicholzheim die Kapazitäten ausgeschöpft sind, appellierte die Gemeindeverwaltung in einem Aufruf an die Bevölkerung, privaten Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Ansonsten müsse man Häuser ankaufen, renovieren oder neue Unterkünfte bauen, was zu einer beträchtlichen Mehrbelastung im Gemeindehaushalt führen würde. Das Landratsamt habe bereits mitgeteilt, dass ein weiterer Zugang von Flüchtlingen und Asylbewerber in den Sommermonaten erfolgen werde. Der Landkreis rechnet außerdem mit 30 bis 40 unbegleiteten Kindern und Jugendlichen, die voraussichtlich zu zwei Drittel im Kinderdorf Klinge und im Walldürner Kinderheim St. Kilian untergebracht werden sollen.

 Friedhof0727 002

(Foto: Liane Merkle)

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