HausarztTour 2015 in Mosbach:

Neckar-Odenwald-Kreis soll für Hausärzte attraktiv bleiben
 
 
 
 Mosbach. (pm) „Raus aufs Land, rein ins Leben“ – unter diesem Motto sind derzeit sechs studenten unterwegs durch Baden-Württemberg. Sie reden mit erfahrenen Hausärzten, erfahren eine Menge über die Gründung und Finanzierung einer Hausarztpraxis und kommen auch mit Bürgermeistern ins Gespräch.
 
 Organisator der Tour ist die Techniker Krankenkasse (TK) in Baden-Württemberg. „Wir möchten mit diesem Konzept Medizinstudenten das Hausarzt-Leben näherbringen“, sagte Andreas Vogt, Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg. Die Kreisstadt stand am dritten und letzten Tag auf dem Programmplan der Tour, die von Heilbronn nach Heidelberg führte.
 
 Viele Studierende haben falsche Vorstellungen
 Noch immer sind auf Seiten der Studierenden viele falsche Vorstellungen über den Beruf des Hausarztes im Umlauf. „Der Hausarzt als schlecht bezahlter Einzelkämpfer ohne Freizeit und mit geringem Ansehen in der medizinischen Fachwelt – dieses Bild stimmt längst nicht mehr“, erklärte Vogt. In den vergangenen Jahren hätten etliche gesetzliche Neuregelungen dafür gesorgt, dass auch Hausärzte – und zunehmend Hausärztinnen – sozialverträgliche Arbeitsbedingungen bei guter Bezahlung vorfinden.
 
 Vogt nannte als Beispiel die Einrichtung von Notfallpraxen an Kliniken, die für die Hausärzte beim Notfalldienst eine deutliche Entlastung bedeuten. „Die TK und andere Krankenkassen haben diese Reformen von Anfang an unterstützt. Wir möchten damit möglichst alle Hindernisse für Nachwuchsmediziner, die an einer Niederlassung interessiert sind, aus dem Weg räumen“, betonte Vogt.
 
 Weitere Anstrengungen sind nötig
 Damit die Menschen in ländlichen Regionen auch in Zukunft eine gute ärztliche Versorgung vertrauen können, sind nach Einschätzung der TK jedoch weitere Anstrengungen nötig. „Die Studierenden müssen früher und umfassender als bisher über die hausärztliche Tätigkeit sowie die Chancen als niedergelassener Arzt informiert werden“, forderte der Leiter der TK-Landesvertretung Baden-Württemberg.
 
 Um dieses Ziel zu erreichen, ist die TK seit Juli dieses Jahres Premiumpartner der Initiative „Perspektive Hausarzt Baden-Württemberg“. Diese Initiative betreibt unter anderem die Internet-Plattform www.perspektive-hausarzt-bw.de. Dabei werden Medizinstudenten, Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin und approbierte Ärzte mit Praxisinhabern, Gemeinden und Landkreisen zusammengebracht.
 
 Dazu trägt auch die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) bei, die von der TK in Baden-Württemberg zusammen mit der Hausärztlichen Wirtschafts- und Servicegesellschaft (HÄVG) umgesetzt wird. Dabei suchen die Versicherten grundsätzlich zuerst ihren gewählten Hausarzt auf. Aus Sicht der TK hat die HZV Stabilisierung der Einkommen der Hausärzte beigetragen. In Baden-Württemberg beteiligen sich daran rund 2.700 Hausärzte und etwa zehn Prozent der über eine Million TK-Versicherten im Südwesten.
 
 Nach Einschätzung der TK bietet auch die Telemedizin Chancen, die bislang nur wenig genutzt werden. „Wir sehen hier große Potenziale für die Versorgung im ländlichen Raum – nicht um den Hausarzt zu ersetzen, sondern um ihn zu entlasten und seine Arbeit zu verbessern“, erläuterte Vogt. So könne beispielsweise die Videotelefonie in der Sprechstunde zwischen Arzt und Patient eingesetzt werden.
 
 Auch im Austausch mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen oder Krankenhäusern sieht die TK gerade für Hausärzte sinnvolle Einsatzgebiete der Telemedizin. Vogt: „Der Hausarzt kann seine Rolle als Lotse im Gesundheitswesen mit solchen modernen Kommunikationsmitteln deutlich besser wahrnehmen.“
 
 Die TK plädiert deshalb dafür, dass die zusätzlichen finanziellen Mittel, die laut Versorgungsstärkungsgesetz für die medizinische Versorgung auf dem Land bereitgestellt werden, in den Ausbau der Telemedizin fließen. Das Gesetz tritt am 01. August 2015 in Kraft.
 
 Nach Daten der Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) stellt sich die Situation im Neckar-Odenwald-Kreis folgendermaßen dar:
 Im Neckar-Odenwald-Kreis versorgen derzeit 86 Hausärzte die rund 142.000 Einwohner. Damit kommt ein Hausarzt auf 1.650 Einwohner (Durchschnitt in Baden-Württemberg: 1.511 Einwohner pro Hausarzt). 31 Prozent der Hausärzte sind 60 Jahre oder älter (Baden-Württemberg: 34 Prozent), 41 Prozent im Alter zwischen 50 und 60 Jahren (38 Prozent) und 28 Prozent sind jünger als 50 Jahre (28 Prozent).
 
 Der Frauenanteil der Hausärzte im Neckar-Odenwald-Kreis liegt bei 31 Prozent (38 Prozent in Baden-Württemberg).
 
 

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