Seckach: 25 Jahre Partnerschaft

Partnerbürgermeister verabschiedet – Nachfolgerin begrüßt

Reichenbach. (lm) Wichtige Ereignisse werfen grundsätzlich große Schatten voraus. Und die Schatten von über 80 Seckacher Teilnehmern unter Leitung von Bürgermeister Thomas Ludwig zur 28. offiziellen Partnerschaftsbegegnung mit Reichenbach in der Oberlausitz waren besonders groß. Immerhin galt es, innerhalb von vier Tagen nicht nur 25 Jahre Partner- und Freundschaft zwischen den beiden Kommunen zu feiern, sondern auch Bürgermeister Andreas Böer nach 24 verdienstvollen Jahren als Bürgermeister in den Ruhestand zu verabschieden und seine Nachfolgerin Carina Dittrich in das Amt einzuführen. Und beide Gemeinden sorgten dafür, dass aus den vielfältigen Feierlichkeiten eine richtig runde Sache wurde. So verbrachten die Seckacher ihren ersten Abend nach der herzlichen Begrüßung durch „Noch-Stadtoberhaupt“ Andreas Böer und viele private Quartiergeber im „Via Regia – Haus“ zusammen mit ihren Gastgebern im Pfarrhof des Nachbarorts.

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Hier hat der Verein für Kirchenbau und Dorfgeschichte den alten Gemäuern unter Leitung der Vorsitzenden Andrea Gloger neues Leben eingehaucht. Als Hauptattraktion gilt dabei das in die Pfarrscheune eingebaute Landkino, welches schon höchste Auszeichnungen einheimsen konnte und erst vor Monatsfrist Besuch vom bekannten Schauspieler Bernhard Bettermann hatte.  Außerdem muss noch die neu angeschlossene Pilgerherberge erwähnt werden, weil durch Arnsdorf der alte Pilgerweg nach Santiago de Compostela verläuft. Der nächste Tag startete mit einer Exkursion nach Bautzen, das entgegen seinem Ruf als das „gelbe Elend“ (Stasi-Knast) als Inbegriff des DDR-Unrechtsstaats außerordentlich sehenswert ist. So gab es beim Rundgang von den Stadtführern u.a. Erläuterungen zum „schiefen Turm“, zu einer von deutschlandweit nur 20 Simultankirchen sowie zum historischen Rathaus ehe abschließend im „Senfladen“ die kulinarische Bautz´ner Berühmtheit verkostet wurde.

Der Abend war dann im Dorfgemeinschaftshaus Meuselwitz den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Reichenbach und Seckach gewidmet, wozu Bürgermeister Andreas Böer auch den Görlitzer Landrat Bernd Lange begrüßen konnte. Umrahmt wurde der locker gestaltete Festakt vom Jungen Kirchenchor „Jezimus“ Zimmern mit seinem Chorleiter Winfried Ackermann sowie vom Projektchor „775 Jahre Reichenbach“ mit seiner Dirigentin Angela Volke. Vor allem die gemeinsam vorgetragenen Lieder wie z.B. „Licht bricht durch in die Dunkelheit“ waren ein eindrucksvolles Zeugnis des Partnerschaftsgedankens. Es kamen Zeitzeugen wie z.B. Bürgermeister i.R. und Mitbegründer der Partnerschaft Ekkehard Brand, Gerd Zeipert als erster Reichenbacher 1990 Seckach-Besucher, Manfred Kilian (ehemaliger Seckacher Kämmerer, welcher in der Anfangszeit umfangreiche Verwaltungshilfe leistete) und Seckachs Feuerwehrkommandant Roland Bangert (die Feuerwehren sind herausragende Stützen der Partnerschaft) zu Wort.

Bürgermeister Thomas Ludwig mahnte an, dass die Wiedervereinigung und der europäische Einigungsprozess nicht durch das Gezänk um die Währungsunion aufs Spiel gesetzt werden dürften, denn der europäische Wertekanon sei für den Erhalt von Frieden und Freiheit unverzichtbar und habe den Europäern mittlerweile schon mehr als sieben Jahrzehnte Frieden beschert. Im Übrigen dankte Ludwig allen Personen und Organisationen, die zum Wachsen und Gedeihen dieser Städtepartnerschaft beigetragen haben. Auf Initiative des Reichenbacher Bäckermeisters Peter Jesche spielte die spontan gebildete Bläsergruppe mit ihm, Helga Huber-Ludwig, Edgar Weiser und Thomas Ludwig das Reichenbacher Heimatlied sowie die Titel „Gut, dass wir einander haben“ und „Wahre Freundschaft“. Klar, dass da der ganze Saal mitsang. Danach durfte sich die neu gewählte Reichenbacher Bürgermeisterin Carina Dittrich zusammen mit dem Chor „Jezimus“ und Bürgermeister Thomas Ludwig am Badnerlied versuchen, bevor abschließend als Überraschung für alle Anwesenden Tassen mit der Aufschrift „25 Jahre Städtepartnerschaft“ und den Logos der beiden Kommunen verteilt wurden.

Fotoserie zum Artikel – (Fotos: privat)

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Der Samstag ist bei den offiziellen Partnerschaftsbegegnungen schon traditionell für den kommunalpolitischen Gedankenaustausch reserviert – in diesem Jahr in Form einer Rundfahrt durch die Reichenbacher Stadtteile. Auf dem Programm standen Schloss Krobnitz – ehemals Altersruhesitz des preußischen Kriegsministers Albrecht von Roon, die mustergültig ausgebaute Kindertagesstätte in Meuselwitz, das frisch renovierte Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrgerätehaus in Zoblitz und das Martinstift, eine Wohnstätte der Diakonie für Behinderte, in Sohland. Diese Rundfahrt machte deutlich, in welch gewaltigem Umfang die Stadt Reichenbach in der Amtszeit von Bürgermeister Andreas Böer ihre Infrastruktur auf Vordermann gebracht und gemeinsam mit europäischen Partnern viele neue Akzente gesetzt hat.

Am späten Nachmittag des 1. August übergab dann Andreas Böer im Rahmen einer feierlichen Stadtratssitzung das Bürgermeisterszepter an seine Nachfolgerin Carina Dittrich in der evangelischen St. Johanneskirche. Nach der musikalischen Eröffnung durch Familie Volke und Charlotte Wiesener konnte der stv. Bürgermeister Lutz-Volker Steglich neben dem Gremium auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens willkommen heißen, darunter MdB Michael Krätschmer, Landrat Bernd Lange, Senator Jiri Vosecky aus dem tschechischen Oberhaus sowie die Bürgermeister der Partnerkommunen Karpacz (Polen), Radoslaw Jecek, und Seckach, Thomas Ludwig.

Mit Spannung erwartet war natürlich die Verpflichtung der neuen Bürgermeisterin Carina Dittrich durch Stadtrat Gerd Zeipert. In den Grußworten stand zunächst der Dank an Andreas Böer für sein überaus verdienstvolles Wirken im Mittelpunkt. MdB Krätschmer und Landrat Lange würdigten insbesondere den Tatendrang und den großen Einfallsreichtum des scheidenden Stadtoberhaupts, während sich die kommunalen Vertreter, allen voran Seckachs Bürgermeister Ludwig, für die enge Freundschaft und den beachtlichen persönlichen Einsatz Böers zur Förderung der Partnerschaften bedankten. Ein unbeschreibliches Hallo gab es dann, als Bürgermeister Ludwig zusammen mit dem Ehrenteller der Gemeinde das Abschiedsgeschenk aus Seckach überreichte: eine Ruhestandsbank aus Original Odenwälder Holz mit der Inschrift „In Freundschaft – Gemeinde Seckach“ und dem ebenfalls eingeschnitzten Gemeindewappen.

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Danach galten die besten Wünsche aller Redner der neuen Bürgermeisterin Carina Dittrich, Ludwig als Seckacher Tenor auf die Fortsetzung und den weiteren Ausbau der Städtepartnerschaft legte. Als Willkommensgruß überreichte Ludwig eine Seckacher Wetterstation und das neue Brettspiel „Wer wird Odenwälder?“ ehe Kommandant Roland Bangert noch eine Überraschung parat hatte. Die Stadt Reichenbach hatte der Gemeinde Seckach im Jahre 2007 ein DDR-Feuerwehrfahrzeug der Marke „Robur“ LO 2002 AKF, Baujahr 1978, geschenkt, welches jetzt allerdings aus Platz- und Personalgründen veräußert werden musste. Den Erlös erhielten zu gleichen Teilen die Jugendfeuerwehren beider Kommunen, weshalb sich Bürgermeisterin Dittrich über die stattliche Summe von 650 Euro freuen durfte.

In seiner letzten Ansprache als Bürgermeister der Stadt Reichenbach dankte Andreas Böer den Vertretern aller gesellschaftlichen Schichten für ein knappes Vierteljahrhundert fruchtbarer Zusammenarbeit. Vieles sei nur deswegen gelungen, weil die Kräfte gebündelt und Einzelinteressen zurückgestellt worden seien. Seiner Nachfolgerin Carina Dittrich galten seine besten Wünsche für ihre neue Aufgabe. Diese versprach, ihr neues Amt mit dem gebotenen Respekt, aber auch mit der notwendigen Tatkraft ausüben und hierbei den Städtepartnerschaften weiterhin einen großen Stellenwert beimessen zu wollen. Der bedeutungsvolle Anlass fand seinen Abschluss bei toller Livemusik der Steffen-Peschel-Band im Sommernachtstanz auf dem Platz vor dem „via regia-Haus“.

Am letzten Besuchstag fanden sich dann erneut viele Besucher zum ökumenischen Gottesdienst in der St. Johanneskirche ein. Wieder zeichneten der Junge Kirchenchor „Jezimus“ Zimmern und der Projektchor „775 Jahre Reichenbach“ mit ihren einzeln und gemeinsam vorgetragenen Liedern für den besonderen musikalischen Rahmen verantwortlich. Pfarrer Christoph Wiesener hatte sich für sein Predigtwort aus dem neuen Testament das Gleichnis von den anvertrauten Talenten ausgesucht. Dieses besage nichts anderes, als dass es den Menschen selbst obliege, aus den ihnen verliehenen Fähigkeiten etwas Sinn- und Wertvolles zu machen – so wie es z.B. in den letzten 25 Jahren im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Reichenbach und Seckach gelungen sei. Die ganze Gemeinde sang beim abschließenden Sternsingerlied mit und wollte das Gotteshaus auch nach zwei Zugaben nicht verlassen.

Frenetisches Beifall waren der verdiente Lohn für die grandiosen musikalischen Darbietungen, womit endgültig klar wurde, dass sich die Beziehungen zwischen Reichenbach und Seckach schon längst von einer formal vereinbarten Partnerschaft zu einer echten Freundschaft entwickelt haben. Der große Abschied am Marktplatz fiel denn auch sehr tränenreich aus, doch es gibt die begründete Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen: u.a. ist geplant, die zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft von der Stadt Reichenbach gestaltete Bilderausstellung noch in diesem Jahr auch in Seckach zu zeigen. 

Reichenbach0801 001

(Foto: privat)

© www.NOKZEIT.de


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