Odenwald: Tourismusstudie als Motivator

Gäste und Einwohner profitieren vom Tourismus im Odenwald

Odenwald. (pm) Jetzt ist es bestätigt, was die Touristiker eigentlich schon wussten: der Tourismus ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für den Odenwald. Er schafft 13.400 Arbeitsplätze und generiert 927 Millionen Euro Umsatz. Das sind zwei zentrale Ergebnisse der Studie „Wirtschaftsfaktor Tourismus Odenwald“, die Ende November 2015 im Stadthaus in Michelstadt den etwa 60 anwesenden Politikern und Tourismusverantwortlichen aus Kommunen und Landkreisen, die zur Destination Odenwald gehören, vorgestellt wurde.

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Die Industrie- und Handelskammer Darmstadt (IHK) hatte gemeinsam mit dem Hotel- und Gastronomieverband DEHOGA Hessen e.V. (DEHOGA) und der Odenwald Tourismus GmbH (OTG) die Studie bei der renommierten Kölner ift – Freizeit und Tourismusberatung GmbH (IFT) in Auftrag gegeben. „Unser Ziel war es, zu erfahren, was der Tourismus bringt“, sagte Kornelia Horn, Geschäftsführerin der OTG. Außerdem wollten wir Denkanstöße erhalten, um das touristische Potenzial des Odenwaldes noch effektiver zu nutzen. Langfristig erhoffen wir uns eine Steigerung der Gästezahlen und deren Ausgaben.“

Die IFT-Tourismusprofis haben erstmals die Daten von 78 Kommunen des gesamten geographischen Odenwaldes ausgewertet, die sich auf sieben Landkreise in den drei Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern und Hessen verteilen. In Hessen erstreckt sich das Gebiet von Groß-Umstadt im Norden bis nach Neckarsteinach in Süden. Ermittelt wurde ein Bruttoumsatz von 927,6 Millionen Euro im Jahr 2014. In diesem Jahr hatte die Destination Odenwald 25 Millionen Aufenthaltstage durch Übernachtungs- und Tagesgäste, im Schnitt gab jeder Übernachtungsgast am Tag 74 Euro aus, ein Tagesausflügler 28 Euro. Damit wurde deutlich: diese Zahlen sind ausbaufähig! Zudem profitiert von den Ausgaben der Gäste nicht nur das Gastgewerbe, sondern im gleichen Umfang auch der Einzelhandel. Das geht aus der Studie ganz klar hervor.

„Eine Milliarde Euro Umsatz durch Touristen bis 2019 ist ein realistisches Ziel“, sagte Dr. Uwe Vetterlein, Hauptgeschäftsführer der IHK, bei der Veranstaltung. „Zudem verbessert alles, was Touristen in den Odenwald lockt, auch die Lebensqualität für die Menschen im Odenwald selbst.“

Mit der Präsentation der Studie gab Jan Kobernuß, Geschäftsführer der IFT, auch Handlungsempfehlungen, wie dieses Ziel erreicht werden kann:

  • Verbesserung des touristischen Angebots
  • Unterstützung der touristischen Betriebe vor Ort
  • Stetige Weiterbildung und Qualifizierung von Betrieben und Fachkräften im Tourismus
  • Finanzierung der touristischen Infrastruktur und des Marketings sicherstellen
  • Den Odenwald zur Marke machen: Intensivierung des gemeinsamen Marketings für das Reiseziel Odenwald
  • Besserer Zuschnitt der Angebote auf die Zielgruppen und die Freizeitinteressen der Gäste
  • Intensive Vernetzung der Partner im Tourismus
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DEHOGA-Hauptgeschäftsführer Julius Wagner sprach von einer Querschnittsaufgabe, die der Tourismus für die Entwicklung einer Region einnehme: „Wir stehen vor einer großen Herausforderung, unsere Städte und Dörfer als lebenswerte Wohnorte zu erhalten und auszubauen. Dabei muss auch die Wertschätzung und Erhaltung der Gasthäuser einbezogen werden, um dem Gasthaussterben im ländlichen Raum Einhalt zu gebieten“, so Wagner. In den letzten Jahren fehlte gesicherte touristische Unterstützung. Bürgerhäuser und Vereinsheime sorgten für Konkurrenz. Zudem trugen behördliche Auflagen, Mindestlohn, Fachkräftemangel und ungelöste Nachfolgeregelungen zum Gasthaussterben in den ländlichen Regionen ganz Hessens bei. Mit dieser – aus der Studie erarbeiteten – Tourismusstrategie haben die Wirte, die noch nicht aufgegeben haben, wieder eine Zukunftsaussicht und Motivation um Maßnahmen zu ergreifen, z.B. bestehenden Investitionsstau in der Raumausstattung zu beseitigen, um dem Anspruch der Gäste gerecht zu werden.

Übereinstimmend plädierten alle für ein Umdenken in der bisherigen Wertschätzung des Tourismus. Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass Investitionen in Tourismus messbaren Größen entsprechen und für Jahre geplant, gezielt und gesichert vorgenommen werden müssen. Analog zu Investitionen ist ein gemeinsames Destinationsmarketing für eine Verbesserung der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Angebote, sowie mehr Unterstützung der touristischen Betriebe vor Ort zwingend erforderlich. „Zufriedene Gäste sind die beste Werbung“, sagte Kobernuß und spornte dazu an, auch in die Weiterbildung und Qualifizierung der Fachkräfte zu investieren. Im Marketing könne ferner eine stärkere Orientierung an Themen, Zielgruppen und Lebensstilen der Gäste Erfolge bringen.

An einigen Punkten haben die touristischen Akteure bereits begleitend zur Studie angesetzt: In regelmäßigen Abständen treffen sich die Tourismusmanager der Region, um sich besser abzustimmen und im Marketing noch enger zusammen zu arbeiten.

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