Mudau: Windpark Markgrafenwald „erdrückt“

2.500 Festmeter Holz pro Jahr – Fußgängerbrücke zwischen Jahnstraße und Buchweg ist marode,

 Mudau. (lm) Im Gemeindewald Mudau sollen in den nächsten 10 Jahren ca. 2.500 Festmeter Holz pro Jahr eingeschlagen werden und ca. 18 Hektar Verjüngungszugang entstehen. Um die Baumartenmischung zu erhalten und die Qualitäten zu verbessern, sind auf 38 Hektar Jungbestandspflegemaßnahmen geplant. Zudem sollen knapp 600 Bäume geästet werden. Dies ging u.a. in einer Vorstellung zur Forsteinrichtungserneuerung durch Dr. Mattes von der Forst BW (Regierungspräsidium Freiburg) nach ausführlicher Vor-Ort-Besichtigung zusammen mit Revierleiter Michael Schwarz und Forstbetriebsleiter Jörg Puchta hervor, die dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung vorgestellt wurde. Dr. Mattes bezeichnete den Mudauer Wald als relativ jung und daher als „Aufbaubetrieb“. Leider seien die Verbiß- und Schälschäden gravierend.

Als besonders bedeutend für den Mudauer Gemeindewald gilt in der Zielsetzung die Erhaltung der Waldfläche und die Verjüngung der Hauptbaumarten im Zuge der Naturverjüngung, sowie die Einhaltung der Feinerschließungslinien bei der Holzernte. Als durchaus positives Ergebnis der letzten Planung stellte er fest, dass ungewöhnliche 100 Prozent des vor 11 Jahren geplanten Hiebsatzes eingeschlagen worden sind, bei lediglich 13 Prozent zufälliger Nutzung (z.B. Sturm). Auf ca. 119 Hektar war Jungbestandspflegemaßnahmen durchführt, ca. 970 Bäume geästet, ca. 4 Hektar angebaut und pro Jahr durchschnittlich knapp 63.000 Euro erwirtschaftet worden. Bürgermeister Dr. Rippberger lobte die gute Arbeit der Revierleiter in den letzten Jahren.

Die Fußgängerbrücke zwischen der Jahnstraße und dem Buchweg in Mudau ist marode, die tragenden Stahlteile sind komplett verrostet und können die unfallfreie Begehung nicht mehr garantieren, betonte Bürgermeister Dr. Norbert Rippberger. Daher wurde der Brückenübergang ab Mitte Dezember letzten Jahres gesperrt. Inzwischen hatte das Ing.-Büro Sack und Partner aus Adelsheim unter Beauftragung durch die Gemeindeverwaltung einen Sanierungsvorschlag vorgelegt, der von Dipl.-Ing Oswald Gehringer vorgestellt wurde. Demnach hat sich bei der Auswertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung der Lebensdauer und der Anforderungen der Gemeinde die Neuausführung der Brücke mit Glasfaserkunststoff-Profilen als die wirtschaftlichste Lösung ergeben. Allerdings sah es der Gemeinderat die Kosten in Höhe von 55.000 Euro als überdimensioniert. Eine reine Fußgängerbrücke, die man bei Bedarf im Winter auch rasch von Hand freigeschippt hätte, würde genügen. Mit großer Mehrheit wurde entschieden, eine ähnliche Konstruktion in Fußwegbreite kalkulieren zu lassen.

In einem weiteren Tagesordnungspunkt ging es um Kostenfeststellungen. Hierbei stellte das Gremium die Kosten für die Erschließung des dritten Bauabschnittes im Baugebiet „Brückengut III“ mit 533.307 Euro fest. Dabei entstanden 14 neue Bauplätze und gleichzeitig wurde auch die Förderleitung vom Tiefbrunnen zum Wasserhochbehälter in den öffentlichen Straßenbereich umgebettet. Beschlossen wurde hierbei auch eine Bebauungsplanänderung mit Erweiterung auf den Gemeindewald „Neuhof“. Somit kann die Bebauung künftig bis auf ca. 10 Meter an den vorbeiführenden Feldweg heranreichen und der anschließende Gemeindewald kann ausgestockt werden. Um die Flächengewinne aus der Rücknahme des Waldes auszunutzen und eine übliche Bauplatzgröße zu erhalten, wird die hinzugewonnene Fläche mit einer Stichstraße mit Wendemöglichkeit erschlossen. Für die Waldreduzierung erfolgt ein Ausgleich durch die Aufforstung einer an den Gemeindewald anschließenden Grünfläche. Im „Burggewann“ in Schloßau sind mit der Erschließung des 4. Bauabschnittes 4 weitere Bauplätze entstanden. Hierbei wurden die Kosten mit 158.997 Euro festgestellt. Bereits im Juni 2015 wurde die Verwaltung vom Gemeinderat ermächtigt, die Anlegung von 5 Ausweichstellen auf Gemarkung Schloßau auszuschreiben und die Arbeiten zu vergeben. Für diese Ausweichstellen an der Gemeindeverbindungsstraße Schloßau – Mörschenhardt wurden Kosten in Höhe von 32.663 Euro festgestellt.

Der Windpark Markgrafenwald beabsichtigt (wir berichteten) im „Markgrafenwald“ in den Gemeinden Waldbrunn und Eberbach einen Windpark mit einer Nennleistung von 28,8 Megawatt, bestehend aus 12 Windenergieanlagen mit einer Gesamthöhe von je 199 Meter zu errichten und zu betreiben. Bei diesem Plangebiet handelt es sich um ein ca. 320 Hektar großes Waldgebiet. In den Ortschaften Reisenbach und Scheidental sowie in den Gemarkungen Schloßau und Langenelz wird die Windanlage, auch zum Teil in Wohngebieten, einsehbar werden. Der Weiler Reisenbacher Grund wird hinsichtlich des Landschaftsbildes am stärksten geprägt und belastet sein, so die Gemeindeverwaltung. Bisher liegt die angestrebte Fläche nicht im Nutzungsplan. Außerdem sieht sogar das Referat 56 des Regierungspräsidiums Karlsruhe erhebliche Beeinträchtigungen des Artenschutzes“, die nicht zu beheben seien.

Angesichts der vielschichtigen aber sehr detailliert beschriebenen Faktenlage zum Artenschutz ist es nach Meinung der Gemeinde Mudau unzulässig, den Artenschutz an dieser Stelle auf die Ebene der Anlagenplanung zu delegieren. Diese Konfliktbewältigung müsse der Regionalplan selbst erzielen und wenn offensichtliche Zweifel an der artenschutzrechtlichen Zulässigkeit so ausdrücklich formuliert seien, könne die Konsequenz auch für diese Vorrangfläche nur lauten, dass sie nicht weiterverfolgt werden dürfe. Unterstützt von Scheidentals Ortsvorsteher Klaus Schork bestätigte Reisenbachs Ortsvorsteher Matthias Rechner, „allein das Wort Markgrafenwald treibt uns inzwischen schon die Zornesröte ins Gesicht“, und zwar, weil auf einmal so viele ursprüngliche Einwände von Bundeswehr, Fachbüros usw. so leicht auf die Seite geschoben werden. Da sei auch die Ungleichbehandlung von Schloßau und Reisenbach in Sachen Artenschutzbewertung.

Zweifelsfrei sei der Schwarzstorch und auch der seltene Wespenbussard in Reisenbach beheimatet. Des Weiteren sprach er die Brandgefahr an bei immer heißer und länger werdenden Sommern, die „hypothetische“ Lärmimmissionsmessung und vor allem die unberührte Natur des Landschaftsschutzgebietes. Die Gemeinde Mudau geht nach derzeitigem Wissensstand davon aus, dass die Anlagen den regionalplanerischen Zielen widersprechen, und damit – zumindest gegenwärtig – nicht genehmigungsfähig sind. Unabhängig davon berühre der vorgesehene Windpark schutzwürdige Interessen der Gemeinde Mudau, darum fordere sie, die immissionsschutzrechtlichen Zulassungsvoraussetzungen bezüglich des Reisenbacher Grundes streng zu prüfen, insbesondere angesichts der Grenzwertüberschreitungen beim Schattenwurf. Es ist sicherzustellen, dass die Grenzwerte für Lärmimmissionen im laufenden Betrieb lt. Gutachten und Auflagenvorbehalt eingehalten vom Betreiber nachgewiesen werden.

„Die Richtwertüberschreitungen beim Schattenwurf sind demnach auf Dauer durch eine Abschaltautomatik auszuschließen. Entsprechende Nebenbestimmungen der Genehmigung sind als Bedingung zur Genehmigung zu formulieren und von der Immissionsschutzbehörde auf Dauer zu überwachen.“ Eine weitere Forderung gilt der Beteiligung der betroffenen Grundstückseigentümer am Verfahren der Immissionsschutzbehörde und dem direkten Ausgleich für Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, denn im Reisenbacher Grund hätten die Anwohner diesbezüglich die schwerwiegendsten Folgen zu tragen. Dr. Rippberger: „Die Landschaft ist gegenwärtig ohne Vorbelastungen und durch das Landschaftsschutzgebiet auch geschützt. In diese unbelastete Situation hinein wirkt nun der Windpark erdrückend und beeinträchtigt die Wohnsituation und den Gastronomiebetrieb im Reisenbacher Grund ganz erheblich. Verstärkt wird dies durch den Umstand der Tal-/Berglage“.

Der abschließende Beschluss zu einem Antrag auf Anlegung einer Weihnachtsbaumkultur mit einer Größe von 80 Ar auf Gemarkung Schloßau/Waldauerbach wurde auf Wunsch von Ortsvorsteher Herbert Münkel auf die nächste Sitzung verschoben.

Fußbruecke0311 001

Die marode Brücke zwischen  Jahnstraße und Buchweg. (Foto: Liane Merkle)

Von Interesse