Straßenverkehr kostet sechs Menschenleben

Polizei stellt Unfallstatistik 2015 vor – Zahl der Unfälle steigt um über neun Prozent – Raserei nach wie vor Hauptursache für schwere Unfälle –

 Odenwaldkreis. (ots) Grundlage für die Straßenverkehrsunfallstatistik der Polizeidirektion Odenwald sind alle im Odenwaldkreis polizeilich aufgenommenen Straßenverkehrsunfälle. Die Unfallstatistik erfasst nach dem Straßenverkehrsunfallstatistikgesetz Ereignisse, bei denen infolge des Fahr- und Fußgängerverkehrs auf öffentlichen Wegen und Plätzen Personen getötet oder verletzt oder Sachschäden verursacht worden sind.

Im Zeitraum der letzten zehn Jahre schwankten im Odenwaldkreis die jährlichen Unfallzahlen. Im Jahr 2006 lag die Zahl der polizeilich erfassten Unfälle bei insgesamt 1461, 2011 bei 1481 und im abgelaufenen Jahr 2015 wurden bei der Polizeidirektion Odenwald 1598 Unfälle registriert. Das waren 139 oder 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den insgesamt 300 Verkehrsunfällen wurden im Jahr 2015, 393 Personen verletzt, sechs Personen verloren ihr Leben. Das waren drei Person und drei Unfälle mehr als im Vorjahr. 92 Personen wurden schwer verletzt, das ist ein Anstieg um 13,6 Prozent. Positiv ist zu bemerken, dass bei den Unfällen mit leicht verletzten Personen, einen Rückgang um 2,3 Prozent zu verzeichnen ist.

Waren in den Jahren davor die Unfallzahlen stetig fallend, musste 2015 ein Anstieg festgestellt werden. Nach durchgeführter Unfallanalyse ist das auch auf die teilweise schlechten Straßenverhältnisse und die fehlende Fahrbahngriffigkeit, insbesondere bei Nässe, in Verbindung mit einer nicht angepassten Geschwindigkeit zurückzuführen.

In Zusammenarbeit mit den zuständigen Straßenverkehrsbehörden und Hessen Mobil sind bereits Maßnahmen getroffen worden, um die Unfallzahlen wieder zu senken. Hierzu zählen die Grunderneuerung von Fahrbahnen und von Fahrbahndecken, Erhöhung der Fahrbahngriffigkeit und die weitere Einrichtung stationärer Geschwindigkeitsmessanlagen. Diese gute Zusammenarbeit wird auch weiterhin fortgeführt.

Hauptunfallursachen

Hierzu zählen nach wie vor die gefahrene Geschwindigkeit, der nicht eingehaltene Sicherheitsabstand, Missachtung der Vorfahrt / des Vorrangs sowie der Konsum von Alkohol und Drogen.

Von den 1598 Gesamtunfällen wurde durch die Polizei 155-mal eine nicht angepasste Geschwindigkeit oder eine Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit als Unfallursache festgestellt. Das ist eine Steigerung um 21,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und eine der Hauptunfallursachen.

Auf Grund des ungenügenden Sicherheitsabstandes wurden 98 Unfälle verursacht. Das ist eine Steigerung um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Mitursache bei diesen Unfällen ist häufig auch hier die nicht angepasste Geschwindigkeit.

Die Unfallursache „Vorfahrt / Vorrang“ war 2015 bei 92 Unfällen der Grund für Personenschäden. Das ist eine Steigerung von 84 Prozent. 56 Unfälle wurden unter Einfluss von Alkohol und / oder Betäubungsmitteln verursacht. Hierbei war eine Steigerung von 40 Prozent festzustellen. Dies zeigt eine hohe Sensibilität und den guten Ausbildungsstand der Odenwälder Polizei, die gerade in diesem Bereich kompromisslos gegen rücksichtslose Verkehrsteilnehmer vorgeht.

Risikogruppen

Zu den Risikogruppen gehören neben Kindern von 0 bis 13 Jahren, junge Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren und vor allem aber auch Senioren. 2015 waren bei 17 Unfällen Kinder der gen. Altersgruppe beteiligt. Junge Fahrer waren bei 372 Unfällen beteiligt. Während diese Zahlen leicht sanken, musste bei 154 Unfällen in der Altersgruppe der Generation 75 plus eine Steigerung um 49 Unfälle verzeichnet werden. Zu Veranstaltungen von und für Senioren können diese Polizeibeamten eingeladen werden. Sie stehen dort den Menschen mit ihrem Wissen rund um die besonderen Gefahren und den Problemen als Berater zu Verfügung.

Verkehrsbeteiligung

2015 waren bei 1439 Unfällen Pkw-Fahrer, bei 118 Unfällen Lkw-Fahrer, bei 116 Unfällen Kraftradfahrer, bei 24 Unfällen Radfahrer, bei 30 Unfällen Fußgänger und bei 12 Unfällen Kraftomnibusse beteiligt. Bei der Unfallbeteiligung von Fußgänger (+57,9Prozent), von Kraftradfahrern (+13,72 Prozent), von Pkw-Fahrern (+10,69 Prozent), sowie von Lkw-Fahrern (+4,42 Prozent) ist ein deutlicher Aufwärtstrend festzustellen. Dagegen stagniert die Unfallzahlen unter Beteiligung von Kraftomnibussen und die Unfallbeteiligung von Radfahrern (-42,86 Prozent) tendiert nach unten.

Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort

Im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Unfallflucht bezeichnet, nimmt einen erheblichen Anteil von 22,65 Prozent an den Gesamtunfallzahlen ein und liegt mit 362 Unfällen somit auf einem ähnlich hohen Niveau wie im Vorjahr. Zu diesem Verhalten zählen auch die „Parkplatzrempler“, nach denen der Verursacher ohne seinen Fahrzeugführerpflichten zu genügen wegfährt. Bei diesem Delikt handelt es sich um eine Straftat nach dem Strafgesetzbuch, die eine empfindliche Geldstrafe und unter Umständen den Entzug der Fahrerlaubnis zur Folge haben kann. Die Aufklärungsquote liegt aktuell bei 37Prozent. Das heißt über ein Drittel dieser Straftaten wird im Odenwald aufgeklärt.

Wildunfälle

Zu den Gesamtunfallzahlen zählen auch die Unfälle mit Beteiligung von Wild. Dieser Anteil ist mit 32,29 Prozent als eine Hauptunfallursache in unserem Landkreis zu nennen. Die Zahl der Wildunfälle stieg um 116 auf 516 Unfälle an, wobei 505 Unfälle glücklicherweise ohne Personenschaden registriert wurden. Analysen der bejagten Strecken ergaben, dass trotz der Zunahme der erlegten Wildstücke, die Wilddichte, gerade des Schwarzwildes, auf Grund des guten Nahrungsangebotes zunahm. Dieses Ergebnis ließe sich auf den Odenwald übertragen. Da eine direkte Einflussnahme auf das Verhalten des Wildes nur eingeschränkt möglich ist, bedarf es einer Sensibilisierung der Fahrzeugführer. Diese können durch ihr Verhalten – erhöhte Aufmerksamkeit, Verringerung der gefahrenen Geschwindigkeit / Unterschreitung der zulässigen Geschwindigkeit – aktiv Einfluss auf das Verkehrsgeschehen nehmen. Ein weiteres Ziel der polizeilichen Tätigkeit im Odenwaldkreis bildet in diesem Jahr die Kooperation mit Behörden und Organisationen zwecks Verringerung der Wildunfallzahlen.

Krafträder

2015 konnte ein starker Anstieg von Bürgerbeschwerden bezüglich der Anzahl von Motorradfahrern und den von den Motorrädern ausgehenden Geräuschimmissionen festgestellt werden. Aus diesem Grund lag das polizeiliche Augenmerk im Jahr 2015 in besonderem Maße auf die Bekämpfung der Hauptunfallursache „Geschwindigkeit“ unter Beteiligung von Krafträdern, sowie die von Krafträdern verursachte Lärmimmissionen. Der letztjährige Einsatz der mobilen Geschwindigkeitsüberwachung mit der Möglichkeit, betroffene Fahrzeuge von vorne und von hinten zu dokumentieren wird auf Grund des guten Ergebnisses auch dieses Jahr fortgeführt. Auch wird bei diesen, als auch bei Sonderkontrollen, besonders auf das Geräuschverhalten der Fahrzeuge, insbesondere der Motorräder, geachtet werden.

Prävention

Verkehrsunfälle, vor allem aber schwere Verkehrsunfälle mit Personenschäden verursachen neben finanzielle Belastungen immer auch menschliches Leid bei den Betroffenen, den Angehörigen und Freunden. Hieraus leitet die Polizei ihre Motivation ab, sich auch an präventiven Maßnahmen zu beteiligen. Seit 2014 leistet das Projekt „BOB“ einen aktiven Beitrag zur Verringerung der Verkehrsunfallzahlen. Dahinter steht die Devise “ Er oder auch Sie bleibt nüchtern und fährt die Freunde nach Hause“. BOB ist ein gemeinschaftliches Projekt der Medien, von Partnern aus Wirtschaft und Verwaltung mit fachlicher Beratung durch die Polizei. Auch das Präventionskonzept „Senioren im Straßenverkehr“ für das die Polizei im Odenwald bei den Polizeistationen in Erbach und in Höchst Ansprechpartner hat wird weitergeführt und im Jahr 2016 einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der Unfallzahlen leisten können.

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