Finnland-Radler wieder zurück

„Die Anteilnahme war riesig“

(mw) Er ist wieder zurück: Zufrieden, mit jeder Menge toller Eindrücke im Gepäck und „ein bisschen schmaler“ sitzt Steffen van der Straeten in seinem Büro der Mosbacher Werkstätten der Johannes-Diakonie. Immer wieder durfte er während der vergangenen Tage den Beschäftigten erzählen, wie es ihm auf seiner 2300-Kilometer-Radtour nach Finnland ergangen ist. Rund drei Wochen lang saß der 43-Jährige im Mai im Sattel, um von seinem Wohnort Obrigheim ins finnische Vihti, etwa 50 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Helsinki, zu radeln. Einmal um seinen dort arbeitenden Sohn wiederzusehen, aber auch, um Spenden für den Förder- und Betreuungsbereich der Mosbacher Werkstätten zu sammeln.

„Es ist schon erstaunlich, was der Körper so alles mitmacht“, lacht Steffen van der Straeten. Während seiner Benefiz-Radtour saß er täglich sieben bis neun Stunden im Sattel – bei jedem Wetter. Über Kassel, Lübeck, Kopenhagen und Stockholm führte sein Weg. Fast 30 Kilo Gepäck hatte er auf dem Rad – vom Gaskocher, über Nudeln bis hin zum Zelt und diversen Radklamotten, die ihm Firmen zur Verfügung stellten, die seine Benefiz-Radaktion unterstützten. Übernachtet hat Steffen van der Straeten überwiegend auf Campingplätzen. „In Schweden auch das eine oder andere Mal in einer Holzhütte“, gibt er zu. Die jeweiligen Etappenpläne hatte seine Frau Gabi zu Hause detailliert vorbereitet. „Da konnte nichts schief gehen, ich musste eigentlich nur noch fahren.“

Dieses „nur noch fahren“ war allerdings teilweise recht schmerzhaft. Neben Gegenwind und einigen zu überwindenden Höhenmetern galt es „den Hintern auszublenden“, wie Steffen van der Straeten von unterwegs meldete. „Gerade die ersten Tage im Sattel waren eine Qual“, so der 43-Jährige. Ein Segen war dafür die große Tube Wundsalbe, die ihm fürsorgliche Kollegen noch mitgegeben hatten. Ansonsten verlief seine Tour fast reibungslos, ohne größere Pannen und mit relativ wenigen Regentagen. Positiv in Erinnerung blieben dem Abteilungsleiter der Mosbacher Werkstätten auch diverse Begegnungen mit anderen Radfahrern. „Als ich denen von meinem Ziel Finnland erzählt habe, meinten die zwar, ich sei verrückt“, erzählt van der Straeten. Aber beeindruckt seien sie schon gewesen und hätten ihn dann gerne einige Kilometer begleitet.

Einsamer sei es in Dänemark und vor allem in Schweden zugegangen. „Kaum Menschen, kaum Tiere“, habe Steffen van der Straeten dort auf seinen Etappen oder auf den Campingplätzen zu Gesicht bekommen. Dafür aber herrliche Landschaften und viele, viele Seen. Immerhin: Ein Höhepunkt sei ein Wettrennen mit zwei Hasen gewesen. Wer dabei am Ende gewonnen hat, darüber will van der Straeten allerdings nicht reden …

Großartig sei am Ende dann die Ankunft im finnischen Vihti gewesen. Sein Sohn Nils, den er mehrere Monate nicht mehr gesehen hatte, war ihm ein Stück entgegengejoggt, im Ort sei er von dessen Chefs und Kollegen begrüßt worden – mit einem Sektempfang. Der 19-Jährige absolviert seit gut einem Jahr einen Europäischen Freiwilligendienst in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen. Und die dortigen Beschäftigten wollten dann bei Kaffee und Kuchen ebenfalls genau wissen, wie es ihm unterwegs ergangen ist. Verfolgen konnten Finnen wie Daheimgebliebene gleichermaßen Steffen van der Straetens Tour auf der Facebook-Seite der Johannes-Diakonie. Täglich gab es dort die Etappenpläne und Bilder von unterwegs. „Die Anteilnahme war riesig“, freut er sich.

Ziel der Radtour war, Spender für „seinen“ Bereich, den Förder- und Betreuungsbereich der Mosbacher Werkstätten, zu gewinnen. Dieser bietet annähernd 100 Menschen mit schwersten und mehrfachen Behinderungen die Möglichkeit, am Arbeitsleben teilzuhaben. Aktuell wird im Außengelände der Werkstatt ein barrierefreier Erholungsbereich gestaltet – mit gepflasterten Wegen, damit auch Rollstuhlfahrer die Außenanlage nutzen können, Hochbeeten, Sinnes- und Bewegungsangeboten. Mit seiner Benefiz-Radtour sollten unter anderem noch zwei wind- und wetterfeste Bänke finanziert werden. Ein Ziel, das fast, aber noch nicht vollständig erreicht wurde. „Noch fehlen 130 Euro“, berichtet van der Straeten, der sich aber gleichzeitig überwältigt zeigt von der Bereitschaft der Menschen, seine Aktion zu unterstützen. „Auch nach meiner Rückkehr freuen wir uns natürlich über jeden Euro.“

In den kommenden Tagen wird auf der Baustelle am Außengelände ordentlich angepackt und erneut stehen für Steffen van der Straeten anstrengende Aufgaben an. Diesmal aber ohne Gegenwind oder zu überwindende Höhenmeter.

Info: Wer den Außenbereich der Mosbacher Werkstätten unterstützen will, hat unter www.johannes-diakonie.de/benefizradtour nach wie vor Gelegenheit dazu.


Endlich angekommen: Steffan van der Straeten wird am Ziel seiner 2300-Kilometer-Tour von seinem Sohn Nils in Empfang genommen. (Foto: privat)

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